Hand hineingeht in diesen Daumen ! - Höll ' und Teufel , welcher Zierbengel war hier ? - Denn nach parfümierter Seife riecht das verfluchte Ding ! - Unglückliche , wer war hier , welcher verbrecherische Trug der Hölle zerstörte hier meine Ruhe , mein Glück ? - Schändliches , verruchtes Weib ! - Die Professorin machte gerade Anstalt , in Ohnmacht zu fallen , als das Stubenmädchen hineintrat und ich , froh , des fatalen Ehestandsauftritts , den ich veranlaßt , entledigt zu werden , schnell hinaussprang . Den andern Tag war der Professor ganz stumm und in sich gekehrt ; ein einziger Gedanke schien ihn zu beschäftigen , einer einzigen Idee schien er nachzugrübeln . Ob er es nur sein mag ! - Das waren die Worte , die dann und wann den verstummen Lippen unwillkürlich entflohen . Gegen Abend nahm er Hut und Stock , ich sprang und bellte freudig ; er sah mich lange an , helle Tränen traten ihm in die Augen , er sprach mit dem Ton der tiefsten innigsten Wehmut : Mein guter Ponto ! - treue ehrliche Seele ! - Dann lief er schnell vors Tor und ich dicht hinter ihm her , fest entschlossen , den armen Mann aufzuheitern mittelst aller Künste , die mir nur zu Gebote standen . Dicht vor dem Tore begegnete uns der Baron Alzibiades von Wipp , einer der zierlichsten Herrn in unserer Stadt , auf einem schönen Engländer . Sowie der Baron den Professor gewahrte , kurbettierte er zierlich an ihn heran und fragte nach des Professors , dann aber nach der Frau Professorin Wohlbefinden . Der Professor stotterte in der Verwirrung einige unverständliche Worte hervor . In der Tat , sehr heiße Witterung ! sprach nun der Baron und zog ein seidnes Tuch aus der Rocktasche , schleuderte aber mit demselben Schwunge einen Handschuh heraus , den ich gewohnter Sitte gemäß meinem Herrn apportierte . Hastig riß mir der Professor den Handschuh fort und rief : Das ist Ihr Handschuh , Herr Baron ? - Allerdings , erwiderte dieser , verwundert über des Professors Heftigkeit , allerdings , ich glaube , ich schleuderte ihn in dem Augenblick aus der Rocktasche , und der dienstfertige Pudel hob ihn auf . - So habe ich , sprach der Professor mit schneidendem Ton , indem er den Handschuh , den ich unter dem Sofa in der Professorin Zimmer hervorgesucht , ihm hinreichte , so habe ich das Vergnügen , Ihnen den Zwillingsbruder dieses Handschuhs , den Sie gestern verloren , überreichen zu können . Ohne des sichtlich betretenen Barons Antwort abzuwarten , rannte der Professor wild von dannen . Ich hütete mich wohl , dem Professor in das Zimmer seiner teuren Gattin zu folgen , da ich den Sturm ahnen konnte , der sich bald , bis auf den Flur hinausbrausend , vernehmen ließ . Aber in einem Winkel des Flurs lauschte ich und gewahrte , wie der Professor , alle Flammen der Wut im rotgleißenden Antlitz , das Stubenmädchen zur Stubentür , dann aber , als sie sich noch unterfing , einige kecke Worte zu sprechen , zum Hause hinauswarf . Endlich in später Nacht kam der Professor ganz erschöpft auf seinem Zimmer an . Ich gab ihm meine innige Teilnahme an seinem trüben Malheur durch leises Winseln zu verstehen . Da umhalste er mich und drückte mich an seine Brust , als sei ich sein bester innigster Freund . Guter , ehrlicher Ponto , so sprach er mit ganz kläglichem Ton , treues Gemüt , du , du allein hast mich aus dem betörenden Traum geweckt , der mich meine Schande nicht erkennen ließ , du hast mich dahin gebracht , daß ich das Joch abwerfen , in das mich ein alsches Weib gespannt hatte , daß ich wieder ein freier unbefangener Mensch werden kann ! Ponto , wie soll ich dir das danken ! - Nie - nie sollst du mich verlassen , ich will dich hegen und pflegen wie meinen besten treusten Freund , du allein wirst mich trösten , wenn ich bei dem Gedanken an mein hartes Mißgeschick verzweifeln will . Diese rührenden Äußerungen eines edlen dankbaren Gemüts wurden durch die Köchin unterbrochen , welche mit blassem verstörten Gesicht hereinstürzte und dem Professor die entsetzliche Botschaft hinterbrachte , daß die Frau Professorin in den fürchterlichsten Krämpfen liege und den Geist aufgeben wolle . Der Professor flog hinab ! - Mehrere Tage hindurch sah ich nun den Professor beinahe gar nicht . Meine Speisung , für die sonst mein Herr liebreich selbst sorgte , war der Köchin übertragen , die aber , eine mürrische garstige Person , mir mit Widerwillen statt der sonstigen guten Gerichte nur die elendesten , kaum genießbaren Bissen zukommen ließ . Zuweilen vergaß sie mich auch ganz und gar , so daß ich genötigt wurde , bei guten Bekannten zu schmarotzen , auch wohl auf Beute auszugehen , um nur meinen Hunger zu stillen . Endlich schenkte mir , als ich eines Tages hungrig und matt mit herabhängenden Ohren im Hause herumschlich , der Professor einige Aufmerksamkeit . Ponto , rief er lächelnd , wie denn überhaupt sein Antlitz ganz Sonnenschein war , Ponto , mein alter ehrlicher Hund , wo hast du denn gesteckt ? Hab ' ich dich doch so lange nicht gesehen ! Ich glaube gar , man hat dich ganz gegen meinen Willen vernachlässigt und nicht sorgsam gefüttert ? - Nun , komm nur , komm , heute sollst du wieder von mir selbst deine Speise erhalten . Ich folgte dem gütigen Herrn in das Eßzimmer . Die Frau Professorin , aufgeblüht wie eine Rose , wie der Herr Gemahl vollen Sonnenglanz im Antlitz , kam ihm entgegen . Beide taten zärtlicher miteinander als jemals , sie nannte ihn : englischer Mann , er sie aber : mein Mäuschen , und dabei herzten und küßten sie sich wie ein Turteltaubenpaar . Es war eine rechte Freude , das anzusehn . Auch gegen mich war die