» Es kommt wohl noch die Zeit dazu « , meinte der Alte nachdenklich ; » du gehörst dahin , du bist ihre letzte Stütze ; sei eingedenk deiner hohen Bestimmung , deiner hohen Geburt ; gedenk aber auch deiner vielen Feinde , um deren Willen du deine Abkunft hier noch verheimlichen mußt ; ich traue nicht allen meinen Dienern mehr , seit Niklas uns so schändlich betrogen . « - ANTON : » Ich sag mit Frundsberg : je mehr Feinde , je mehr Glück ; doch sprecht , Vater , welches adligen Namens kann ich mich rühmen ; ich sage Euch zu , vor Euren Leuten zu schweigen . « DER ALTE : » Vernimm mein Sohn , daß du ein Nachkomme des Grafen von Stock bist , der , von Kaiser Konrad mit einer Schlossertochter in Würzburg gezeugt , erst Huf- und Waffenschmidt im Gefolge Konradins wurde , und als solcher die Gnade des unglücklichen Fürsten sich in dem Maße verdiente , daß dieser ihn noch vor seiner Gefangennehmung als seines Vaters außer der Ehe erzeugten Sohn anerkannte und in den Grafenstand erhob . « Der Alte erzählte von hier an oft abgebrochen ; wir müssen seine Rede zusammenziehen . » Nach der unseligen Schlacht , wo Konradin in jugendlichem Übermute , gesiegt zu haben , die Seinen zum Verfolgen zerstreuen ließ und von dem Hinterhalte Karls angegriffen und gänzlich geschlagen wurde , flüchtete er sich mit Friedrich von Österreich , mit Lancea von Calvano , seinem Sohn Galeotto und seinem geliebten Grafen von Stock in die Wälder . Sie zwangen einige Eseltreiber , ihnen für ihre kostbaren Waren und seidnen Kleider ihre groben Kittel zu überlassen . So irrten sie im größten Mangel an ordentlicher Speisung mehrere Tage , bis sie an das Ufer von Astura gelangten . Hier lag ein Schiffer mit seinem Boote und wartete auf die Nacht zum Fischfang ; sie segneten ihren Stern , der sie dahin geführt , aber der Fischer sah sie groß an , als sie ihn baten , sie nach Pisa zu fahren , wo ihrer Sicherheit und Freundschaft wartete . Er sagte ihnen , wie sie als arme Leute ihn für eine so weite Fahrt bezahlen könnten . Jetzt faßten sie in ihre Taschen und merkten erst , daß sie bloß eine Kiste mit Kleinodien gerettet , daß sie aber ihr Geld in den vertauschten Kleidern stecken gelassen . Hastig zog Konradin einen kostbaren Smaragden von seinem Finger und gab ihn dem Fischer , daß er sie dafür überfahre . Dieser lachte über den Ring und meinte , weil sie so ärmlich aussahen , er möchte nichts wert sein , sagte es aber nicht , weil er sich vor Schlägen fürchtete , sondern ging bloß unter dem Vorwande , Lebensmittel einzukaufen , nach der Stadt Astura , um sich dort nach dem Werte des Ringes zu erkundigen . Da wurden ihm von einem immer mehr Zechinen geboten als von dem andern ; einige wollten ihn festnehmen lassen , um zu erfahren , woher er einen so kostbaren Ring empfangen ; er sagte , wie es sich verlaufen , und war endlich froh , eine Summe für den Ring bekommen zu haben . Mit Wein und Brot beladen kam er zum Ufer , wo Konradin mit Ungeduld seiner harrte , nachdem ihm der Graf von Stock vergebens geraten , ohne seiner zu warten , ihr Heil auf dem Meere zu suchen . O hätten sie es getan , denn jetzt nachdem sie mit dem Schiffer bei schönem Winde auf dem Meere schwebten und ihre Hemden als Segel ausgespannt , mit jeder Welle , die sie durchschnitten , das Unglück weiter von sich gestoßen zu haben wähnten : jetzt waren sie schon von den Galeeren aus Astura umkreist , und als am Morgen das Meer heiter erglänzte , da ging Konradins Stern unter . Johannes Frangipani , der Statthalter in Astura , hatte die Erzählung von den armen jungen Leuten , die einem Fischer einen so kostbaren Ring geschenkt , um sie nach Pisa überzusetzen , mit dem Argwohne angehört , ob nicht Konradin , der jetzt aller Orten gesucht wurde , darunter sein möchte , und versprach sich von dessen Gefangennehmung große Vorteile . Er sendete ihnen zwei schnelle Galeeren nach , die auch am Morgen das Boot erreichten und die armen Flüchtigen zu Gefangenen machten und nach Astura in ein altes Schloß als Gefangene einbrachten . Hier sollte Konradin von seinem geliebten Bruder getrennt werden ; er übersah , daß dieser ihm allein nützlich werden könnte , wenn er loskäme und seine Anhänger zu seiner Befreiung sammelte , und verpflichtete ihn , wenn sie getrennt würden , seine Freiheit zu suchen und zu seiner Rettung zu brauchen ; zugleich sagte er ihm den Ort und die Wege der alten Kronenburg der Hohenstaufen , wo ihre Krone und ihr Schatz noch immer bewahrt wird , bis ein von Gott Begnadeter alle Deutschen zu einem großen friedlichen gemeinsamen Leben vereinigen wird . Sie nahmen mit schwerem Herzen Abschied . König Karl , Konradins Sieger , belagerte Astura wenige Tage vorher , weil Frangipani seine Gefangenen nicht ohne großen Lohn überliefern wollte ; er mußte sich bald übergeben ; Frangipani wurde hingerichtet und die Gefangenen nach Neapel gebracht . Auf dem Wege machte sich unser Altvorderer , der Graf von Stock , durch die Stärke seines Arms , der einen rollenden mit zwei Pferden bespannten Wagen aufhalten konnte , von seinen Wächtern frei ; er drang bis tief in das kalabrische Gebirge und sammelte eine Zahl von Konradins Anhängern , mit denen er durch Bestechung der Wächter , die mehr Konradins edle Tugend als das Geld rührte , einen Versuch machte , ihn zu befreien . Konradin hatte aber sein ritterliches Wort dem Könige gegeben , wenn er ihn ritterlich im Gefängnisse hielte , keinen Versuch zu machen , daraus zu entkommen ; er hörte mit unsäglicher Sehnsucht des Bruders Stimme wieder , und wie er ihm sprach von seiner