Nun sahe ich das Stündlein zu meiner Beichte und Buße gekommen , faßte mich und sprach : » Ich danke dir , guter Trompeterhansel , für die Treue , so du unserm Grundherrn gezollt hast , und ich bedaure nur , daß dir aus unserm Unternehmen ein schwerer Leibesschaden kam . Das Gold , davon ich dir mitgegeben , war dein Unglück . O wie wahr hat unser verklärter Herr Schaffgotsch gesprochen , da er mich warnete vor dem Golde . Es verdirbet die Seele , indem es vom wesentlichen Gute abziehet und auf nichtswürdige Dinge lenkt . Wäre mir doch eher solch Einsehen gekommen ! Doch es muß wohl sein : nicht eher wird das Kind klug , als bis es , vom Glanz des Feuers betrogen , hineingegriffen und sich die Finger verbrannt hat . Nun hat mich der Schaden kuriert und mir ein Wahrheitslicht angezündet . Das soll nicht unterm Scheffel stehen . So vernehmet , ihr Leute , mein Bekenntnis . Ich hab euch zuvor gesagt , ich könne Gold machen . Das ist nicht wahr gewesen . Mein vorgebrachtes Gold war in der Erde gefunden , ein alter Schatz der Iserberge , eigentlich also unserm Grundherrn gehörig . Daß ich mich für einen Alchymisten ausgab , geschah , um mich wichtig zu machen und euer Führer zu bleiben . Allerdings war mein Trachten ohne Selbstsucht - euch nämlich wollt ich helfen , eine Beste zur Abwehr des Feindes wollt ich bauen , und nur deshalb Herr der Berge sein , weil ich mich zum Anführer berufen fühlte . Ein Tor freilich war ich , weil ich die Mittel falsch wählte . Mit Golde hab ich Menschen habgierig gemacht und zu Trug , Raub und Mord angereizt . Wer Wind säet , wird Sturm ernten . Was ich erreichen gewollt , ist kläglich mißlungen . Zusammengebrochen ist die Goldburg , und es haben die stürzenden Trümmer manchen von uns begraben , auch friedliche Hütten zerschmettert . Ich bin daran mitschuldig . Ich bekenne , bekenne ! Und bitten tu ' ich reuevoll : Vergebet mir ! « Zuerst war alles starr , Augen und Mund rissen sie auf . Dann sah ich finstere Blicke auf mich gerichte . Noch schwieg die Gemeinde . Dann murmelten die Leute mit einander , immer unwilliger . Schließlich kam ein bitter Auflachen , und Maiwald höhnte : » Das also war dein Lichtreich , Johannes ! Mich hast du gescholten , weil ich Beute gemacht , in offenem Kampfe dem Feinde was abgenommen und es der Gemeinde geben gewollt . Du aber eignest dir heimlich einen Schatz an , Gold aus unsern Bergen , und statt mit uns zu teilen , legst du deine Hand darauf und wirst ein Lügner , ein Großsprecher . Als Goldmacher blähest du dich auf , um unser König zu sein . Ei ja doch ! Und nun du den Karren in den Dreck geschoben , flennest du : Vergebet mir ! Was haben wir davon , daß du bereuest , und daß wir vergeben ? Wer bauet unsere Hütten wieder auf ? Wer schafft uns Vieh und Getreide ? Her mit deinem Golde ! Wo ist es ? Her damit ! « - » Ja , her damit ! Entschädige uns ! « riefen rauh die anderen . Meine Demut war in Gefahr , in einem Aufbrausen unterzugehen , mein Odem stürmte . Doch die Hand auf die Brust gepreßt , sprach ich heimlich zu mir selber : » Stille ! Recht geschiehet dir , auch wo Unrecht dich geißelt . « Ich zog meinen schmalen Geldbeutel und sprach : » Was ich zu eurer Entschädigung bieten kann , ist dies wenige - drei Dukaten , ererbt von meinen Eltern ... « . Höhnisch lachte Maiwald . Ich aber sah ihm frei ins Auge und fuhr fort : » Lache nicht , habe Achtung vor diesen Münzen ! Mit Kreuzlein sind sie bezeichnet , weil sie , von meinen Eltern in ehrbarer Arbeit erworben und für den Sohn aufbewahrt , nichts gemein haben mit dem gottlosen Mammon . Nimm das gute Geld für die Gemeinde , Maiwald ! Vor dem ausgegrabenen Schatz aber behüte euch hinfürder der Himmel . Versteckt liegt er , daß ihn kein Mensch mehr findet . Machet keine langen Gesichter ! Lasset uns keine Toren mehr sein ! Wie denn ? Jenes Gift , das so viele Opfer gefordert hat und meine Eingeweide abscheulich grimmen macht , soll ich das wie Zuckerbrot an euch austeilen ? Lasset mich zufrieden , da ich nun endlich euer Heil im Auge habe . Und wehe euch , so ihr nach dem Schatz Gelüsten traget ! Ich verfluche das Gold . Zu den Dämonen der Tiefe ist es versenkt , und wer ihm nahet , soll das Grauen der Hölle kosten . « Solche Einschüchterung - Gott sei ' s geklagt - wirkte mehr , als selbst der weise Salomon durch Predigt hätte ausrichten können . Scheu glotzten mich alle an und schwiegen . Hierauf legte ich den Beutel mit den drei Dukaten hin , tat einen tiefen Seufzer und ging . Man schimpfte hinter mir her , ich nahm es ruhig hin und hörte bald nur die guten Waldbäume summen . Und wie früh Morgens durch schwindende Flore der Nacht immer holder und farbiger die Blüten der Erde schimmern , so kam aus all dem Trüben , das mich umschleiert hielt , nunmehr ein sacht Grüßen , als ob unschuldige Kindlein mich anlächelten . Und da ich beim Abendburgfelsen einsam war , strahlte rings die Welt so rein , als gäb es keine Schuld . Wie ein Freiersmann kam ich mir vor , der nach nächtlichem Irren endlich sich heimgefunden hat zur Braut . Ein Wandrer tappt in Nacht und Dünsten ; Wonach er suchte , wußt er nicht , Da hat verlockt mit Gaukelkünsten Zu Sümpfen ihn ein Flackerlicht . Er taumelte hinein und hielt den Rausch der Sinne Für benedeite Minne