« fragte ich . » Die Geister meiner Lebenstage , alle , alle , alle ! Ich sehe sie . Sie schwimmen hinter uns her . Ihre Köpfe ragen aus dem Wasser ! « Ich dachte an meinen Traum und an die Geister , welche mir hinaus in den See gefolgt waren . Als wir uns im Kanale befanden , wiederholte er : » Sie folgen auch hier , eng bei einander , Kopf an Kopf ! « » Beruhige dich , « antwortete ich ; » es ist das Phantasie ! « » Meinst du ? So laß sie mir ! Die Tage meines Lebens sollen mit mir hinauf zum Tempel steigen . Sie , meine Ankläger , sollen mit mir beten und werden dann verschwinden ; so hoffe ich ! « Draußen empfing uns der helle Mondschein . Ich lenkte zunächst geradeaus , ganz so , wie es im Traume geschehen war . Es lag Etwas in mir , was mich bestimmte , so und nicht anders zu tun . Da fragte der Aschyk : » Sind es die Wellen unseres Bootes , welche immer breiter werden ? Ich sehe noch immer Kopf an Kopf . Sie kommen aus dem Berge . Die Schar wird breiter und immer breiter . Aber die Vordern folgen uns , und die Andern kommen hinter ihnen her . « Nun befanden wir uns an der Stelle , wo wir im Traume gehalten hatten . Da gab ich dem Fahrzeuge die Richtung nach dem südlichen Ufer , nach derselben Stelle , wo die erlösten Geister an das Land gestiegen waren . Da verließen auch wir das Boot und zogen es ein Stück an das Ufer , weil es hier nicht angebunden werden konnte . Die Fackeln waren natürlich ausgelöscht worden , Da hielt der Aschyk mir seine Hände hin und forderte mich auf : » Binde mich , Effendi ! « » Wozu ? « » Daß ich dir nicht entfliehen kann , während wir zum Beit-y-Chodeh gehen . « Da legte ich ihm die Hand auf die Achsel , sah ihm in das Gesicht und antwortete : » Zu wem willst du ? Hinauf zu Gott ? Und da soll ich dich fesseln ? So lange die Erde steht , ist es noch keinem Menschen gelungen , mit seiner Stimme Gott wirklich zu erreichen , wenn ihm die Hände des Gebetes gefesselt waren ! Steig auf zu ihm , aber frei ! « » Frei - - frei ! « jubelte er , die Hände hoch erhebend . » Du hast das Richtige gewählt , Effendi . Ich werde nicht fliehen , sondern eng bei dir bleiben , wie ein Hund , der seinem Herrn gehorcht , weil er ihn liebt - liebt - - liebt ! « » Du wirst nicht eng bleiben , denn ich gehe nicht mit . « » Also wohl Kara Ben Halef ? « » Auch nicht . Wir bleiben hier . Du gehst allein . « » Allein ? ! « Er trat einige Schritte zurück und staunte mich mit großen Augen an . » Ihr geht nicht mit ? « rief er aus . » Keiner von Euch ? Ist das wahr - ist das wahr ? « » Ja . « » Effendi - Sihdi - Emir ! Ich bin ein Dieb , ein Fälscher , ein Betrüger , ein Helfershelfer der Mörder ! Ich habe dich und Euch alle mit vernichten wollen . Ich habe Pekala verführt und Tifl verführt , welche gute Menschen waren und noch gute Menschen sind , welche Euch liebten und immer , immer lieben werden ! Und du giebst mich frei , vollständig frei ? Weißt du , ich habe dich vorhin da drin im Berge angelogen . Ich habe nicht gebetet . Ich bin nicht besser , sondern schlechter geworden . Ich werde jetzt gehen und mich an dir rächen ! Bedenke das , bedenke ! « » Still ; sei still ! Wo und wann du gelogen hast , das weiß ich vielleicht besser als du selbst . Ich kenne dich , wie du früher warst , und ich kenne den , der du jetzt geworden bist . Du steigst jetzt ganz allein hinauf und wirst dann wiederkommen . Grad deine Warnung gibt mir die Gewähr , daß ich dir mein Vertrauen schenken darf . Mich zu täuschen , warst du niemals fähig , und von jetzt an kommt es dir auch gar nicht in den Sinn ! « Da sank er in den Sand des Ufers nieder , griff nach meiner Hand , drückte sie an sein Herz und an seine Lippen und sprach : » So holt sich Allah den Verlornen wieder , den die Gerechtigkeit des Menschen noch tiefer in den Abgrund stoßen würde ! Effendi , ich bin gar wohl im Stande , deine Güte in ihrer ganzen Tiefe zu wiegen und zu wägen . Ich gehörte nicht zu den Armen und Elenden des Landes . Ich war berufen , gut und groß zu werden . Mein Vater stand hoch , in nächster Nähe des Schah-in-Schah . Ich eiferte ihm nach , und er hatte seine Freude an mir . Da kamen sie , vom Schlage derer , die bei dir waren , um sich einen Ustad der Taki-Kurden zu erschwindeln . Ich war zu jung , sie zu durchschauen . Sie brauchten mich , und darum mußte ich sinken , tiefer , immer tiefer , bis ich im Wasser des Verbrechens untersank . Schon war ich am Ertrinken , da kamst du und holtest mich heraus - - in Liebe , in Liebe ! Du kennst die Menschenseele , Effendi ! Wie ich dir danke , werde ich nicht sagen , sondern - - - zeigen ! « Er stand wieder auf und ging den Tempelpfad hinan . Wir aber setzten uns nieder , um zu warten . Kara war einige Zeit still . Er wischte an den Augen herum