Sohn , daß die Soldaten ihm bis hierher folgen werden ? « » Sie kamen hinter uns über den Sand ; dann aber verloren wir sie aus den Augen . Tifl hat sie unten angemeldet . Wenn sie kommen , werden sie niemand überraschen . Aber es ist so still im hohen Hause , was wohl nicht der Fall wäre , wenn man sie hier erwartete . « » Du irrst , Kara , « sagte ich . » Siehst du die beiden Männer , welche da unten die Fackeln an die Pfähle stecken ? Man will den Vorplatz erleuchten . Warum ? Und schau ! Jetzt schafft man unsere Pferde fort , nach dem Garten , hinter welchem die Weide liegt . Man braucht also den Platz . Für wen ? « Kara und Hanneh hatten nicht auf diese Umstände geachtet . Mir aber fielen sie auf , obwohl es jetzt so dunkel geworden war , daß man die da unten sich bewegenden Gestalten kaum noch erkennen konnte . Da kam der Pedehr mit Tifl durch die Halle . Sie traten heraus zu uns . » Also eile hinab , und sage es ! « Auf diese Worte des Ersteren sprang » das Kind « die Stufen hinunter , um sich nach dem Dorfe zu begeben . Der Pedehr reichte Kara die Hand und sprach : » Ich habe so Gutes über dich gehört . Du hast einen Freund von uns und eine Tochter unseres Stammes gerettet . Ich danke dir ! Der Platz hier vor euch wird sich in kurzer Zeit sehr beleben . Bleibt hier ! Was auch geschehe , ihr könnt ganz ruhig sein . Der Haß ist bei der Liebe eingedrungen . Er wird sich ihr ergeben müssen . Sie hat ihn nicht zu fürchten , denn ihre Stärke ist stets größer als die seine . « Ich fragte ihn nach dem Befinden des Kalhuran . » Er bedarf der besten Pflege , « antwortete er . » Sein Unterkleid klebt am gänzlich wunden Leibe . Er mußte mit ihm sogleich in das Bad gelegt werden , damit es sich von dem aufgesprungenen Fleische löse . Aber er ist stark . Vom Wundfieber kann ich ihn nicht befreien , doch dann wird er , wie ich hoffe , schnell genesen . « » Und sein Weib ? Dieser Schreck ! Dann die Anstrengung des Rittes ! Die Aufregung wird sie aufrecht gehalten haben . Aber nun ? Wie geht es ihr ? « » Sie ist ein rüstiges Weib : du brauchst keine Sorge um sie zu haben . Aber unser Ustad war sehr betrübt über sie . « » Warum ? « » Das fragst du mich ? Habe ich dir nicht mitgeteilt , daß ein Dschamiki niemals Menschenblut vergießt ? Sie wird bestraft ! « Ich sah ihn ungläubig an . » Ja , « nickte er ernst ; » sie wird bestraft ! Das Leben des Menschen ist nicht bloß das , als was es von dem Durchschnittsmanne betrachtet wird . Es ist etwas ganz Anderes . Es ist mehr , viel mehr als bloß ein Existieren auf der Erde , welches mit der Geburt seinen Anfang und mit dem Tode sein Ende nimmt . Ja , es ist sogar auch mehr als bloß ein Irgendwoherkommen zu der Erde und dann ein Irgendwohingehen von der Erde ! Es hat nämlich einen Zweck ! Und wenn dieser Zweck durch irgend einen unglückseligen Umstand , sei es , wie hier , durch eine tötende Hand , nicht erreicht wird , so wird nicht nur das augenblickliche Leben , die gegenwärtige Existenz vernichtet , sondern mit ihr auch alles , was seit Anbeginn bis heut vorhanden war und unter unendlichen Kämpfen sich entwickelte , um diejenige Form des Daseins zu erreichen , welche nun von der verbrecherischen That zertrümmert worden ist . Muß da nicht selbst die größte , die höchste Liebe als strafende Gerechtigkeit eingreifen ? « Als er dies sagte , stellte ich mir die Scene vor , welche dem Muhassil das Leben gekostet hatte . Was hätte wohl ich an der Stelle des Gepeitschten gethan ? Und seine Frau ! Wie mußte der Anblick der fürchterlichen Schande , die man ihm anthat , ihre ganze Natur empören ! Sie handelte unter der Einwirkung des Augenblickes , und weil dieser Augenblick ein blutiger war , so sprang auch das , was sie that , als Erzeugnis des Momentes blutigrot gefärbt aus ihr hervor . » Du sprichst von Strafe , « sagte ich . » Meinst du damit auch Hafis Aram selbst ? « » Nein . Er ist ein Kalhur . Ihn haben wir nicht zu richten . « » Gehört sein Weib noch zu eurem Stamm ? « » Ja . Die Dschemma117 der Dschamikun wird zusammentreten , um das Urteil zu fällen . « » Wer wird der Vorsitzende dieser Versammlung sein ? « » Ich . « » Nicht der Ustad ? « » Nein . Er ist der geistliche Scheik des Stammes . Für weltliche Angelegenheiten bin ich es . « » Darf ich der Dschemma beiwohnen ? « » Wir werden dich sogar auffordern , es zu thun . « » Darf ich mitsprechen ? « » Ja , denn du bist als unser Gast ein Dschamiki , und wenn wir dich rufen , beizuwohnen , so haben wir dich damit als würdig anerkannt , das Vorrecht der Aeltesten mit uns auszuüben . « » So bitte ich , die Angeklagte verteidigen zu dürfen ! « » Du darfst es ; jeder von uns darf es , denn welcher gerechte Richter könnte nur Ankläger und nicht zugleich auch Verteidiger sein ? Uebrigens hat sich ein besonderer Verteidiger bereits gemeldet . « » Wer ? « » Der Ustad . « » Von dem du aber sagtest , daß er über die Angeklagte und das , was sie that , betrübt sei . « » Diese seine Betrübnis