es noch ärmer und elender zu machen , als es vorher war ! Das erblindete Auge meines Körpers ist trocken , aber mein inneres Auge weint . Ich gebe dich der Strafe Allahs heim und fordere von ihm , für dich nicht Gnade , nicht Barmherzigkeit zu haben , sondern nur den Untergang , das ewige Verderben ! « Die Wucht dieser gegen mich geschleuderten Anklagen wurden durch den Eindruck seiner Persönlichkeit überhaupt und dann auch durch die Art und Weise verstärkt , wie er sie vorbrachte . Das waren ja wahre Keulenschläge , die mich aber nicht treffen konnten , und also in die Luft geführt . Die Haddedihn waren so betroffen , daß sie nur erstaunte Blicke hatten . Halef schaute mich erwartungsvoll an , was ich nun sagen werde . Ich öffnete auch schon den Mund , um zu antworten , da trat der Ghani auch zu mir heran und warf mir die Worte zu : » Mein Schützling , der von meiner Barmherzigkeit lebt und unsere Unschuld kennt , hat mir aus dem Herzen gesprochen . Ich bestätige alles , was er gesagt hat , und zeige dir meine Verachtung in ganz derselben Weise wie er , indem ich dich ansp - - - - ! « Wahrhaftig , dieser Mensch war so frechverwegen , auch speien und spucken zu wollen ! Vielleicht machte ihn meine Selbstbeherrschung , welche ich dem Münedschi gegenüber zeigte , so vermessen ! Aber er hatte das Wort noch nicht ganz ausgesprochen , so bekam er von mir eine so gewaltige Maulschelle , nicht etwa bloß Ohrfeige , daß er , wie von Pulverkraft getrieben , zur Seite und unter die Haddedihn hineinflog . Fast hätte er einige von ihnen mit in seinen Sturz gerissen . Sie waren sofort über ihn her , um das von meiner Hand begonnene Werk so thatkräftig fortzusetzen , daß seine heulende Stimme über den ganzen Platz schallte . Da sprang der Scheik herbei . Er schlug , um ihn zu befreien , auf sie ein und schrie : » Weg von ihm , weg ! Er steht unter meinem Schutze ! Indem ihr euch an ihm vergreift , brecht ihr die für heut getroffene , friedliche Vereinbarung ! « Da drängte ihn Halef von ihnen ab und antwortete drohend : » Zurück mit dir , augenblicklich zurück ! Wer hat sie zuerst gebrochen , wir oder ihr ? Das weiche Herz unsers Effendi hat den Münedschi geschont , weil der alte Mann blind und auch sonst unzurechnungsfähig ist , dem Ghani aber , diesem Ausbund der maßlosesten Unverschämtheit , muß gezeigt werden , daß wir ihn mit demjenigen Eifer zu behandeln wissen , den wir seinem Verhalten schuldig sind . Ich an deiner Stelle würde mich schämen , hier noch von Schutz zu sprechen ! Eure Dreistigkeit ist geradezu empörend ! « Er nahm sich aber doch des Gezüchtigten an , indem er ihn aus den Händen der Haddedihn befreite , was allerdings nicht allzuschnell von statten ging . Die » eifrige Behandlung « hatte zur Folge , daß er fast des Gebrauches seiner Glieder beraubt war . Er hinkte zu dem Münedschi hin und ergriff seine Hand , um ihn fortzuführen ; dies geschah aber nicht , ohne daß er uns noch drohend zuzischte : » Wartet bis Mekka , bis Mekka ! Oder vielleicht noch viel , viel eher , ihr Hunde ! « Der Scheik entfernte sich mit schnellen Schritten . Sein » Schützling « krümmte sich , so gut oder übel er konnte , mit dem Blinden hinter ihm her . » Ich habe schon viel , sehr viel erlebt , « meinte Halef , » und so manchen von Gott verlassenen Menschen kennen gelernt , aber so etwas hätte ich doch nicht für möglich gehalten ! Doch , er hat für einstweilen seinen Lohn , und wahrscheinlich wird er uns in dieser Beziehung noch besser kennen lernen ! Aber , Effendi , du warft ganz still ! Warum hast du zu dem Münedschi kein einziges Wort der Verteidigung gesagt ? Nun ist er überzeugt , daß er recht habe ! « » Erstens ging alles so schnell , daß es für mich keine Zeit zum Sprechen gab , und zweitens war es wohl genug von mir , daß ich überhaupt schwieg . Und wenn ich ihm eine stundenlange Rede gehalten hätte , so wäre sie doch ohne Erfolg geblieben . Ich habe ihm verziehen und denke , daß für jetzt nicht mehr erforderlich war . Betrachten wir diesen so ganz unerwarteten Angriff als ungeschehen ! « » Gut ! Es ist wohl auch am richtigsten so ! Wir haben jetzt an Dinge zu denken , welche für uns wichtiger sind als diese grundlosen Beschuldigungen aus dem Munde eines armen , mißgeleiteten , blinden Mannes . Ich hätte ihn in der ersten Hitze umbringen können ; nun aber freue ich mich , daß du mich davon abgehalten hast , ihn zu züchtigen . - - Was thun wir jetzt ? Wann setzen wir unsere Reise fort ? « » Morgen früh . « » Erst ? Warum nicht schon heut ? « » Weil wir erst an der Ain Bahrid Wasser finden und sie heut ' nicht erreichen würden , denn die Beni Khalid sind zwischen uns und ihr . Ich vermute überhaupt , daß wir nicht so schnell , wie wir es wünschen , an diese Quelle kommen werden ; die Rache Ben Schahids hält uns auf . Darum haben wir uns vor allen Dingen mit Wasser zu versehen und werden den heutigen Tag zur Füllung unserer Schläuche benutzen , doch nicht eher , als bis Khutab Agha dies mit den seinigen gethan hat . « » Warum ich ? « fragte der Perser . » Weil du natürlich so bald wie möglich fortreitest . « » So bald wie möglich ? Nein , Effendi ! Ich habe gesagt , daß wir diesen Ort nicht eher als ihr verlassen werden