Egge schien verstanden zu haben . Unter dem Druck seiner Faust , die um die Kante des Bettes geklammert lag , knirschte das Holz . » Papa ! « schrie Kitty und taumelte auf den Vater zu . Robert hielt sie zurück . » Hast du keinen Schimmer von Zartgefühl ? Sieh den Vater doch an : was du ihm getan hast ! « » Du ! « Ein keuchender Laut . » Laß mir die arme Geiß in Ruh ! « Graf Egge legte den Arm um Kitty und wurde ruhiger . » Es war unrecht , was du getan hast , aber ich begreif ' es ! « Da sah er die Kleesberg unter der Tür stehen , zitternd , mit nassen Wangen . » Gundi ! Bringen Sie die kleine Geiß ins Bett ! Sie kann sich nimmer aufrecht halten . « Hastig kam Gundi Kleesberg herbei , faßte Graf Egges Hand und machte einen Versuch , ihrem Kummer Ausdruck zu geben . Er schüttelte den Kopf und sagte rauh : » Lassen Sie das ! Ich weiß , Sie sind ihm gut gewesen . Da braucht ' s kein Wort . Sorgen Sie sich lieber um die arme Geiß ! « Kitty klammerte die Arme um den als des Vaters und drückte das Gesicht an seine Brust . Ein paarmal strich er mit der Hand über ihr schimmerndes Haar , dann schob er sie der Gundi Kleesberg zu , die sie aus dem Zimmer führte . Graf Egge wandte sich zu dem Toten . Während er das wächserne Gesicht betrachtete , nickte er langsam vor sich hin . » Du auf dem kalten Bett ! Und der andere - « Stöhnen drückte er die Fäuste auf die Stirn und fiel aufs Knie . Mit gefalteten Händen , wie ein steifknochiger Bauer vor dem Gnadenbilde , sprach er ein lautes Gebet . Dann küßte er den Toten auf beide Wangen und auf den Mund . Als er sich erhob . sah er Robert zu Füßen des Bettes stehen , wie die Ehrenwache vor dem Paradebett eines Fürsten . » Ach so ? Du bist auch noch einer ! Der dritte ? « Seine Hand fuhr in den Bart. » Was machst denn du heute nacht ? In Hubertus wird keine Bank gelegt . Da wirst du wohl schlafen müssen . « » Vater ! « fuhr Robert auf . In der nächsten Sekunde hatte er seine Empörung schon überwunden . » Ich ehre deinen Schmerz um den Toten , auch wenn er dich ungerecht macht gegen die Lebenden . « » So ? « Graf Egge verließ das Zimmer . Auf der untersten Treppenstufe streifte er die Bergschuhe von den Füßen . » Wo ist Moser ? « Der Jäger , der auf der finsteren Veranda saß , kam gelaufen , und Graf Egge sagte : » Geh ins Dorf ! Der Pfarrer mit seinem Kaplan soll kommen . Ich will , daß sie droben wachen und für meinen Buben beten . « Mit nackten Füßen ging er über den Flur und öffnete die Tür der Kruckenstube . » Fritz ! Meine Lampe ? « Es wurde still in Schloß Hubertus . Nur die Ankunft der beiden Geistlichen unterbrach für einige Minuten die dumpfe Ruhe . Fast alle Fenster blieben die ganze Nacht hindurch erleuchtet . Im Zimmer der Kleesberg brannten zwei Lampen und vier Kerzen ; sie konnte es nicht hell genug haben . Sooft sie an Kittys Tür lauschte , hörte sie leises Weinen ; erst nach Mitternacht wurde es still da drinnen . Und nun machte sich die Gundi Kleesberg wieder Sorgen über dieses Schweigen . Leis öffnete sie die Tür . Die beiden Kerzen , die das Zimmer erleuchteten , waren zu kleinen Stümpchen niedergebrannt und warfen eine unruhig flackernde Helle über das Bett . Schimmernd ringelte das gelöste Haar sich um das weiße Mädchengesicht , von dem der Schlaf den Ausdruck der Erschöpfung und des Kummers nicht ganz zu löschen vermochte . Ein mattes Zucken lief zuweilen über die schlanken Hände , die schwer auf der Seidendecke lagen . Lautlos deckte Gundi Kleesberg die Messinghütchen über die Kerzen und schlich aus dem dunkel gewordenen Zimmer . Die Nacht verging . Als Fritz am Morgen in die Kruckenstube trat , fand er die Lampe ausgebrannt und das Bett unberührt . Graf Egge saß vor dem offenen Eisenschrank im Lehnstuhl und stellte die Ebenholzkästchen seiner Juwelensammlung , mit deren Musterung er sich einen Teil der Nacht vertrieben hatte , in die Fächer zurück . Seufzend schloß er den Schrank , zog den Schlüssel ab und preßte die Fäuste an seine Stirn . » Gut , daß du kommst ! Ich wollte dich eben rufen . Was muß denn eigentlich jetzt geschehen ? « » Erlaucht können ohne Sorge sein . Graf Robert haben alles Nötige bereits angeordnet . Die Depeschen sind gestern noch abgegangen , und Graf Robert sind die halbe Nacht aufgewesen , um die Adressenliste für die Parte zu schreiben . Der Bursch ist früh um vier Uhr mit der Liste nach München gefahren und wird abends mitbringen , was Graf Robert bestellt haben . Das Leichenbegängnis wird morgen früh um neun Uhr stattfinden . Den Kondukt besorgt eine Münchner Gesellschaft , auch die Musik und ein Doppelquartett sind aus München verschrieben - « » Hör ' auf ! « keuchte Graf Egge und verzog den Mund , als hätte er einen gallenbitteren Trunk getan . Durch das Zimmer schreitend , lachte er heiser vor sich hin . » Und diesen ganzen Pflanz hat Robert gemacht ? So flink ? Respekt ! Er behält den Kopf oben , wo andere den Verstand verlieren möchten . « Mit den Fäusten hinter dem Rücken blieb er vor der Mauer stehen und starrte die dicht nebeneinanderhängenden Gemsgehörne an . » Darf ich Erlaucht das Frühstück bringen ? « » Mir ist der Appetit vergangen . « » Aber Erlaucht sollten doch andere Kleider - «