aus Preußen und Österreich kein ermunternder Bescheid geworden . Man war da in die Ära der Vergrößerung der Wehrmacht ( das Wort : » Armee « begann aus der Mode zu kommen ) getreten und da fiele das Wort Abrüstung als grober Mißton hinein . Im Gegenteil , um die Segnungen des Friedens zu erhalten , mußte man die » Wehrkraft « nur recht steigern - den Franzosen war nicht zu trauen ... den Russen auch nicht ... den Italienern schon gar nicht ; die fielen gleich über Triest und Trient her , wenn sich Gelegenheit dazu böte - kurz , nur schön fleißig das Landwehrsystem pflegen . » Die Zeit ist nicht reif , « sagte Friedrich , wenn wir solche Mitteilungen erhielten . » Und die Hoffnung , daß ich in Person das Reifen der Zeit beschleunigen könne oder gar die ersehnten Früchte daran sprießen sehe - die muß ich vernünftiger Weise wohl aufgeben ... Was ich beitragen kann , ist gar winzig . Aber von der Stunde an , da ich dieses Winzige als meine Pflicht . erkannt , ist es mir doch zum Größten geworden - also harre ich aus . Wenn auch vorläufig das Entwaffnungsprojekt ins Wasser gefallen war , eine Beruhigung hatte ich doch : es war kein Krieg in Sicht . Die bei Hofe und auch in der Bevölkerung vorhandene Kriegspartei , welche da meinte , daß die » Dynastie in Blut aufgefrischt « werden sollte und daß dem Lande wieder ein Portiönchen Ruhm erwachsen müsse , die mußte auf Angriffspläne und auf den verlockenden » kleinen Feldzug um die Rheingrenze « verzichten . Denn Frankreich besaß keine Verbündeten ; im Lande herrschte große Trockenheit , Futtermangel war vorauszusehen , man mußte die Militärpferde verkaufen , nirgends eine schwebende » Frage « , das Rekrutenkontingent ward vom gesetzgebenden Körper herabgesetzt , kurz - so erklärte bei dieser Gelegenheit von der Tribüne herab Ollivier : der Friede Europas ist gesichert . Gesichert . Ich freute mich über dieses Wort . In allen Zeitungen ward es wiederholt und viele Tausende freuten sich mit mir . Was kann es denn für die meisten Menschen besseres geben , als gesicherten Frieden ? Wie viel diese Sicherheit aber wert war , die da am 30. Juni 1870 von einem Staatsmann verkündet worden , das wissen wir heute Alle . Und das hätten wir auch schon damals wissen können , daß derlei staatsmännische Versicherungen - welchen das Publikum immer wieder mit gleich naivem Vertrauen lauscht - doch keine , gar keine Bürgschaft enthalten . Die europäische Lage weist keine » schwebende Frage « auf , darum ist der Friede gesichert : - welche schwache Logik ! Die Fragen können ja jeden Augenblick herangeschwebt kommen ; - erst wenn man für diesen Fall ein anderes Mittel in Bereitschaft hielte , als den Krieg , erst dann wäre man gegen Krieg gesichert . Wieder zerstreute sich die pariser Gesellschaft nach allen Windrichtungen . Wir aber blieben - Geschäfte halber - zurück . Es hatte sich uns nämlich ein außerordentlich vorteilhafter Ankauf geboten . Durch die plötzliche Abreise eines Amerikaners war ein kleines erst halbvollendetes Hotel in der Avenue de l ' Imperatrice feil geworden , und zwar um einen Preis , der nicht viel mehr betrug , als die zur Ausschmückung und Einrichtung des Objekts bereits verwendete Summe . Da wir nun einmal die Absicht hatten , auch in Zukunft einige Monate des Jahres in Paris zu verbringen und da der betreffende Kauf zugleich ein vortreffliches Geschäft war , so schlossen wir den Handel ab . Die Fertigstellung wollten wir selber überwachen und zu diesem Behuf blieben wir in Paris . Die Ausschmückung eines eigenen Nestes ist zudem eine so genußreiche Arbeit , daß wir dafür die Unannehmlichkeit , den Sommer in der Stadt zu bleiben , gern auf uns nahmen . Übrigens blieb uns auch in geselliger Beziehung noch Ansprache genug . Das Schloß der Prinzessin Mathilde , St. Gratien , ferner Schloß Mouchy , dann Baron Rothschilds Besitzung , Ferrières , und noch mehrere andere Sommersitze unserer Bekannten lagen in der Nähe von Paris , und ein- oder zweimal wöchentlich statteten wir bald da , bald dort einen Besuch ab . Es war , ich erinnere mich , im Salon der Prinzessin Mathilde , daß ich zum erstenmale von der » Frage « hörte , die zur » schwebenden « werden sollte . Die Gesellschaft saß - nach dem Gabelfrühstück - auf der Terrasse , mit dem Ausblick nach dem Park . Wer Alles da war ? Dessen kann ich mich nicht mehr entsinnen - nur zwei der anwesenden Persönlichkeiten sind mir im Gedächtnis geblieben ; Taine und Renan . Die geistvolle Herrin von St. Gratien liebte es , sich mit litterarischen und wissenschaftlichen Größen zu umgeben . Die Unterhaltung war eine sehr rege und ich kann mich erinnern , daß es meist Renan war , der das Wort führte , geistsprühend und witzig . Wie man unglaublich häßlich sein kann und dabei doch unglaublichen Zauber ausüben , davon ist der Verfasser des Leben Jesu ein merkwürdiges Beispiel . Jetzt fiel das Gespräch auch auf Politik . Für den spanischen Thron werde ein Kandidat gesucht ... Ein Prinz von Hohenzollern solle die Krone erhalten ... Ich hatte kaum hingehorcht , denn was konnte es mir , was konnte es Allen hier Gleichgültigeres geben , als der spanische Königsthron und Derjenige , der darauf zu sitzen käme ? Doch da sagte Jemand : » Ein Hohenzoller ? Das wird Frankreich nicht dulden . « Das Wort schnitt mir in die Seele , denn was heißt dieses » nicht dulden « ? Wenn das im Namen eines Landes gesagt wird , so sieht man im Geiste die dieses Land personifizierende Riesenjungfrauen-Statue mit trotzig zurückgeworfenem Kopfe und mit der Hand am Schwertesknauf . Doch es wurde bald wieder auf ein anderes Gesprächsthema übergegangen . Wie folgenschwer diese spanische Thronfrage noch werden sollte , das ahnte unter uns noch Niemand . Ich auch