Zeit . Ich muß nach Hause eilen , da Vater und Schwester krank liegen . « Der alte Mehlborn zuckte bei den letzten Worten zusammen , als sähe er ein Gespenst . Hatte eben noch der Bär gebrummt , nun krümmte sich der Wurm . » Die auch ! die auch ! « ächzte er . » Das Rosenpatchen auch ! Großer Gott , in deine Hände ! die auch den schwarzen Tod ! « » Wir fürchten so Schlimmes nicht , Herr Amtmann . Nur die starke Erschütterung - - « » Aber sie liegt doch krank , sie kann doch sterben , und sie wird auch sterben , schon mir zum Schure wird sie sterben und vor mir hinaufgehen und mich droben anklagen bei meiner Röse - und - und - und das wars ja eben , derhalben ich den Herrn Pastor zu mir herunter genötigt habe , und was Sie nun als sein Abgesandter anhören sollen , verehrlicher Herr Kandidat , daß Sie , wenn Sie mir den Lebenslauf halten , mich nicht vor der lieben Menschheit blamieren . « So hörte denn Pate Kandidat als ehrwürdiger Beichtvater das Bekenntnis an , das halb mit Reue und halb mit Selbstbeschönigung sich der alten Seele in ihrer vermeintlichen Todesnot entrang . Habsucht , Geiz , Hartherzigkeit im allgemeinen war es nicht , was ihn behelligte , und unerwartet Besonderes erfuhr der Sohn Mutter Hannas auch nicht . Der Mann , der für einen Millionär geschätzt wurde , war , um zirka hundert Taler willen , seiner treuesten Freunde Feind geworden , und ohne daß er es sich eingestand , sein eigener zumeist , denn mit dem Respekt vor sich selbst war es seitdem vorbei , mit dem vor allen andern Leuten aber auch ; denn was ich denk und tu , das trau ich anderen zu . Er hatte die Patenbüchse aus der Hand seiner sterbenden Röse genommen , mit dem Gelöbnis , sie der Frau Pastorin zu dem bewußten Zwecke auszuhändigen , und diese Aushändigung nun , » die hatte er in der Rage vergessen . « Er hätte sie freilich auch gar nicht nötig gehabt ; denn was in der Wirtschaft erübrigt wird , gehört dem Ehemann und nicht der Frau ; so steht es geschrieben im Gesetz ; und schwarz auf weiß war auch nichts über die Sache dagewesen . Wenn einer aber einen in den letzten Zügen liegen sieht , verspricht er manchmal etwas , was ihn nach der Zeit wurmt . Kurz und gut : der Amtmann hatte die Patentaler - beileibe nicht etwa unterschlagen - nur auf Hypothek gegeben , jetzt aber wollte er sie ausliefern , obendrein Zins auf Zins ; aber freilich nur dritthalb Prozent , denn mehr komme bei der Ökonomie nicht heraus , und tue er ein übriges mit einem Dokument über hundertfünfzig Taler . Das aber sollte der Kandidat noch diese Nacht seiner Schwester aushändigen , ehe sie etwa auch noch daran glauben müsse und Johann Mehlborn am Ende als ein schwerer Sünder von seiner Rosine vor Gottes Thron empfangen werde . Er kramte während dieser Beichte unter den Papieren in seinem Kasten und tastete trotz Blindheit und schwarzen Todes geschickt genug ein Hypothekendokument hervor , von welchem der Kandidat nicht mit Unrecht vermutete , daß es auf schwachen Füßen stehe , da Johann Mehlborn sich sonst wohl kaum so leichten Herzens von ihm getrennt haben würde . Er , der Kandidat , machte zwar den Einwand , daß er die Sache erst mit seinem Vater bereden und morgen dessen Entscheidung bringen werde , da er aber sah , wie so gar eilig der Alte es hatte , zwei Fliegen mit einem Schlage zu klappen , indem er gleichzeitig sein Gewissen entlastete und sich eines verdrießlichen Wertzeichens begab , steckte er das Schriftstück ein . Mit merklich erleichtertem Herzen sagte der reuige Sünder darauf : » Und wie ichs mit dir vorgehabt , Kandidat , dabei bleibts . Denn warum ? wer solls kriegen ? Und weißt du , was meine Röse in ihrem letzten Stündlein für mich gesagt hat ? Johann , hat sie gesagt , sooft du der armen Hirtenwaise etwas zugute tust , wird es der liebe Heiland dir an Leib und Seele gesegnen . Und was einer in seinem letzten Stündlein prophezeit , das kommt von oben . Der Herr wird mirs an meinem Leiblichen gesegnen . Und darum sollst du alles haben , Kandidat , alles bis auf das Muß . « Der Kandidat riet ihm , die Angelegenheit zuvörderst zu beschlafen , dann ruhig zu überlegen , bis eines seiner Enkelkinder , mit dem er sie besprechen könne , in seiner Nähe sei . » Nur eine Woche Geduld , Herr Amtmann , und ich bürge Ihnen dafür , daß wenigstens Fräulein Sidonie Ihnen zur Seite steht . « » Wenn sie die Erbschaft wittert , ja warum denn nicht ! « versetzte der Alte mit höhnischem Gelächter . » Was ein Rabe ist , fliegt nach Gold . « » Ich wiederhole Ihnen , Sie verkennen Ihre Enkelin , Herr Amtmann . Fräulein Sidonie ist weder hoffärtig noch verschwenderisch . Sie hat diese Jahre her Klavierstunden gegeben , um ihrer seligen Mutter die Haushaltung zu erleichtern . « Das war eine glückliche Wendung . Sie machte dem reichen Mann , der sein einziges Kind hatte darben lassen , sichtbar einen bedeutenden Eindruck . » Stunden ? Stunden für Geld ? « fragte er . » Für Geld , Herr Amtmann . « » Aber was kann bei dem Fingerieren denn herauskommen , Kandidat ? « » Fräulein Sidonie ist sehr geschickt in ihrer Kunst ; sie schlug ihren jährlichen Erwerb auf tausend Taler an . « » Wa-wa-was , tausend , tausend Taler ? « » Sie wird aber keinen Augenblick anstehen , diesen einträglichen Erwerb aufzugeben , um dem Vater ihrer seligen Mutter - - « » Na , die Spielstunden , die müssen ihr freilich angerechnet werden im