ganze , sehr stark bevölkerte Straße , in welcher sie wohnte , kannte . Aber Rosa Pape interessirte sich nicht blos für junge Frauen , sondern auch ganz konsequenterweise für diejenigen , welche es noch einmal werden konnten , und so hatte sie denn unter den hübschen Stubenmädchen und Rätherinnen eine nicht minder ausgebreitete Kundschaft , als unter den Regierungs- und Commerzienräthinnen . In Folge dessen war Niemand besser als sie im Stande , die Bekanntschaft solcher jungen Personen mit jungen Cavalieren , die sich nach einer temporären Lebensgefährtin sehnten , zu vermitteln , und da sie sich immer sehr anständig für ihre Hilfsleistungen bezahlen ließ , so wahr ihr Publicum das nobelste , das sich denken läßt : lauter Herren von , Barone , Grafen , ja selbst Prinzen von Geblüt wandten sich vorkommenden Falls an die verwittwete Frau Rosa Pape . Eines schönen Tages kam nun Frau Rosa zu mir und theilte mir mit , daß ein steinreicher Baron ihrer Bekanntschaft sich sterblich in ein hübsches Kind verliebt und sie beauftragt habe , ihm das Mädchen , koste es was es wolle , zu schaffen . Sie habe auch schon mit dem Baron einen herrlichen Plan entworfen , zu dessen Ausführung aber noch ein » Kammerdiener « nöthig sei . Es sei Geld , viel Geld bei der Affaire zu verdienen ; ob ich Luft habe , mit von der Partie zu sein . Nun hatte ich gerade in der letzten Zeit einige unangenehme Auseinandersetzungen mit der Polizei gehabt , die leicht zu noch unangenehmeren Folgen führen konnten ; und ich ergriff daher mit Freuden die Gelegenheit , mich in so anständiger Gesellschaft eine Zeit lang aus der Residenz zu entfernen . Vierundzwanzig Stunden später war ich mit der jungen Dame , um die es sich handelte , in dem Wagen meines neuen Herrn auf dem Wege nach - nun rathe einmal , Albertchen ? Das mag der Kukuk wissen ! aber Du wolltest mir nicht Deine ganze interessante Lebensgeschichte erzählen , sondern sagen , wie Du nach Grenwitz gekommen bist , sagte Albert , der , mit seinen Angelegenheiten beschäftigt , der Erzählung Ehren Tobias ' nicht die gewöhnliche Aufmerksamkeit gewidmet hatte . Da hört ja , daß ich schon auf dem Wege dahin bin , sagte dieser , Albert über den Rand seines Glases mit dem linken Auge anzwinkernd ; denn mein neuer Herr war der Baron von Grenwitz und das Ziel unserer Reise Schloß Grenwitz , wo Du in diesem Sommer gewesen bist . Ein Indianer , der in dem Grase der Prairie die Spur des Feindes entdeckt , den er tagelang vergeblich verfolgt , kann nicht alle Sinne schärfer anspannen , als er Albert that , sobald er diese letzten Worte vernommen , die ihn in Ehren Tobias eben jenen Kammerdiener erkennen ließen , welcher in der Erzählung der Mutter Clausen eine so zweideutige Rolle gespielt hatte . Aber er verrieth mit keiner Miene , keinem Worte , wie wichtig ihm die eben gemachte Entdeckung war , sondern fragte mit vortrefflich gespielter Unbefangenheit : Der alte Baron ? Der Tausend ! wer hätte dem alten Knaben dergleichen zugetraut . Nicht der jetzige , sondern sein Vetter aus der älteren Linie , Baron Harald , oder der wilde Harald , wie er noch immer bei denen , die ihn gekannt haben , heißt . Ich sage Dir , Albertchen , es war ein fideles Leben , das wir anno achtzehnhundert zweiundzwanzig auf Schloß Grenwitz führten . Wein und Weiber die Hülle und die Fülle ; und dabei Komödie gespielt , zum Todtschießen lächerlich . Denke Dir : meine gute Freundin Rosa - War denn die auch da ? Allerdings ! habe ich Dir denn nicht gesagt , daß der Baron sie als Großtante engagirt hatte ? Als was ? Tobias lächelte - diesmal mit beiden Augen und Mundwinkeln : Sie spielte mit Perrücke und Krückstock die alte Großtante des Barons , da das alberne Ding , die Marie , - Marie Montbert hieß der Aff ' und war ein schmuckes Mädel , daß einem die Augen übergingen , wenn man sie ansah , - was wollte ich doch sagen ? Ja ! die Marie hatte eine Anstandsdame aus der Familie des Barons als conditio sine qua non , wie wir Lateiner sagen , gemacht . Na , nun hatte sie ihre Anstandsdame , eine famose Anstandsdame , he , Albertchen he ! und Ehren Tobias kicherte und stieß Albert freundlich in die Seite . Und wie ging die Sache zu Ende ? fragte Albert , der Eile hatte , über das , was er schon wußte , wegzukommen . Ja , ich habe sie nicht zu Ende kommen sehen , denn wir , das heißt : Rosa und ich , brannten schon vorher durch . Offen gestanden fürchteten wir : die Geschichte möchte schief ablaufen , denn Marie hatte in der Residenz manche Freunde , die Lärm machen und uns alle zusammen , zum wenigsten mich und Rosa , in des Teufels Küche bringen konnten . So empfahlen wir uns denn eines schönen Tages , oder vielmehr in einer schönen Nacht , ohne Abschied zu nehmen , nachdem wir noch Eines oder das Andere , was uns gerade in die Hände kam , als Andenken an Grenwitz mitgenommen . Hier in Grünwald trennten wir uns , oder wurden getrennt . Ich wurde nämlich so krank , vermuthlich von dem guten Leben , das ich in Grenwitz geführt , daß ich nicht weiter konnte und in ' s Spital gebracht werden mußte . Was ich damals für ein Unglück hielt , schlug mir hinterher zum größten Glück aus . Denn der verstorbene Superintendent Dunkelmann , der Vater von der Frau Professor Jäger , der damals Spitalgeistlicher war , verliebte sich so in mein bescheidenes Lächeln , daß er mich , als ich wieder gesund war , nothwendig zum Bedienten haben mußte - na ! und von dem Bedienten eines Geistlichen bis zum Küster ist nur ein