für die Zwecke sinnlicher Aufregung dienen kann . Der obere Theil des Leibes von den Hüften aufwärts war gänzlich unbekleidet , Arme und Hals waren mit Goldspangen und Perlenschnüren umgeben , und nur die über die Brust gekreuzten Hände verbargen den emporschwellenden jugendlichen Busen . Eine Kappe von eigenthümlicher Form aus Goldbrokat bedeckte das Haupt , von dem wohl in zehn mit Perlen und Bändern durchwundenen Flechten und Zöpfen das Haar herunter hing . Türkische Beinkleider von rother Seide gingen bis zum Knie , von wo ab das Bein wieder nackt war , indeß der Fuß in goldgestickten niedern Schuhen von gleicher Farbe wie die Beinkleider steckte . Nach dem eintönigen Takt der Musik begann hierauf der Tanz , indem sie drei lange Shawls von farbiger Seide zu allerlei Draperieen und Dekorirungen verschlangen , erst langsam - dann immer rascher und wilder bis zu den üppigsten Bewegungen der Flucht und der Hingebung . Die jungen kaum erschlossenen Körper wanden sich in Geberden und Stellungen des Verlangens und der Verführung einer Leidenschaft , die ihnen noch unbekannt war , während die nackten Glieder in hundert Bewegungen und Verschlingungen sich kreuzten . Der Tanz dauerte wohl eine halbe Stunde , während der die Sultana die Blicke häufig auf das Antlitz des Großherrn beobachtend gerichtet hielt . Doch vergebens suchte sie den gewünschten Ausdruck - die Augen des Padischah blieben schlaff auf das gewohnte Schauspiel geheftet , es vermochte nicht seine Nerven zu erregen , und als jetzt nach einem Zeichen der Sultana , den Tanz zu enden , die Aelteste der Almen näher trat und knieend dem Padischah eine silberne Schaale vorhielt , warf er mit derselben Gleichgültigkeit einige Goldmünzen hinein . Mit Wuth und Erbitterung nahm die Favoritin wahr , daß dabei der Blick des Sultans immer wieder nach der Stelle sich wandte , wo Mariam auf dem Divan saß . Auf ein zweites Zeichen der Sultana ließen jetzt die Eunuchen von der Decke des Unterraums einen straffgezogenen Leinwandvorhang fallen , die Lichter im obern Theil diesseits des Vorhangs wurden ausgelöscht und die Musik , verstärkt durch mehrere Tambourins und Handtrommeln , eröffnete eine neue Melodie . Es folgte nunmehr in Form eines Schattenspiels eines jener scheußlichen Schauspiele , halb Pantomime , halb Dialog , die in Stambul die Stelle unserer Arlequinaden und Hanswurst-Theater ersetzen . Die Hauptfigur derselben , Karagoïs genannt , ist eine Art komischer Don Juan oder frivoler Hanswurst , der in verschiedene Liebesabenteuer geräth , wobei namentlich Griechen und Griechinnen fungiren . Der Dialog wimmelt , wozu die türkische Sprache leicht Gelegenheit giebt , von den infamsten Zweideutigkeiten , die Actionen und Scenen aber sind der Art , daß die » Sittlichkeit « der europäischen Bordelle davor erröthen würde . Diese Sorte von Schauspielen ist nicht allein unter dem Volk in Stambul eine der beliebtesten Unterhaltungen und findet öffentlich argen Entré statt , wobei ein großer Theil des Publikums aus Kindern besteht , sondern sie sind eben so ein gesuchtes Amüsement in den Harems der Reichen , und viele der Würdenträger halten sich besondere Darsteller . Namentlich erpicht sind die Frauen aus diese Schauspiele und es giebt für dieselben auch besondere öffentliche Theater , in denen sie in Gitterlogen sitzen . Die Variationen derselben sind sehr mannigfaltig . Was die ausschweifendste , aller Schaam baare Phantasie erdenken kann , ist durchgängig der Gegenstand nicht nur der Worte , sondern der Action , um die physische Erschlaffung aufzustacheln . Unter solchen Verhältnissen wird es der Leser dem Autor erlassen , auf eine nähere Beschreibung des angedeuteten Schauspiels einzugehen . Es hatte wohl eine Stunde gedauert , als der Padischah selbst das Zeichen zu seiner Beendigung gab . Die Schauspieler und der Vorhang verschwanden , die Kerzen wurden auf ' s Neue angezündet und Kaffee und Zuckerwerk gebracht . Diesmal sah die Sultana ihre Arrangements von einem Erfolg begleitet . Die Stirn des Großherrn zeigte eine leichte Röthe , seine Augen hatten sich belebt , und als der Glanz der Lichter das Gemach wieder durchstrahlte , irrten sie über den Reizen seiner Odalisken umher und blieben dann auf Mariam , der Mingrelierin , mit einem Ausdruck von Zärtlichkeit und Feuer haften , dessen Bedeutung nicht zu verkennen war und den das Mädchen mit gleicher Sehnsucht erwiederte . Der Padischah machte eine Bewegung nach dem Kislar-Aga , zu dessen Vorrechten es gehört , der begünstigten Kadine oder Odaliske die ihr zugedachte Auszeichnung zu verkünden , als die Sultana dem Befehl zuvorkam und sich vor dem Großherrn auf die Knie warf . » Möge das Licht der Welt , « sagte sie schmeichelnd , » seiner Sclavin noch einige Augenblicke seiner kostbaren Zeit gewähren und seine Augen auf ein Geschenk werfen , das sie für ihn bereit hält . « Der Sultan setzte sich wieder . » Was ist es , o Khanum ? Du weißt , daß ich der Mutter meines Sohnes ihr Recht nicht verweigere . « Die Sultana verneigte sich . Als sie sich erhob , streifte ihr Blick mit dem Vorgefühl des Triumphes über die getäuschte Nebenbuhlerin hin , die mit einiger Beunruhigung auf den unerwarteten Zwischenvorgang sah . Dann klatschte sie zwei Mal in die Hände und alsbald öffnete sich der Vorhang der untern Seitenthür nochmals , und von zwei schwarzen Sclavinnen geführt , trat eine ganz in einen weiten Schleier und braunen Feredschi gehüllte weibliche Gestalt ein , die langsam - während ihre Begleiterinnen zurückblieben - die Stufe herauf und bis in die Mitte des Obertheils vorschritt , wo sie sich vor dem Sultan zur Erde verneigte und dann , in ihre Gewänder verhüllt , gleich einer Statue stehen blieb . Erstaunt schaute der Großherr auf die ungewohnte Erscheinung und dann fragend auf die schlaue Sultana . Diese zögerte - wie um die Neugier zu reizen - einen Augenblick , dann gab sie das zweite Zeichen . Im Nu flogen die Gewänder und der Schleier zur Seite und ein reizendes Bild stand vor den Augen des Herrn . Es war eine Tänzerin , halb europäisch