keine höhere Aufgabe . Das aber ist die Krankheit unserer Zeit , das Siechthum unserer Halbwollenden , daß sie den großen Männern ihre großen Endziele abstehlen wollen . Haben sie Adlerflügel , Titanenkräfte ? So flattern sie , wie die Motten , ins Licht und zerstoßen ihre blutwarmweichen Hirnschädel , mit denen sie Mauern einbrechen wollten , am ersten besten Zaunpfahl . Daher diese Idealisten , Staatskünstler , Menschheitsverbesserer ! Was war es , das sie den Größen abstehlen sollten ? - Die richtige Erkenntniß ihrer Sphäre , die sie füllen , der Kräfte über die sie gebieten können . Der achtzehnte Brümaire , wäre ein Verbrechen , nein eine Dummheit gewesen , wenn der Lieutenant von Toulon ihn gewagt , für den Sieger an den Pyramiden ward es eine Tugend , die Europa und die Welt bewunderte ; er wusste was er konnte . « » Und was können wir , die wir nicht wissen , was wir wollen , können ? « » Kein Mensch ist so gering , daß er nicht etwas will , was scheinbar über die Verhältnisse , über seine unentwickelten Kräfte hinausgeht . Aber wenn er den Muth hat , es sich zu gestehen , so wachsen schon dadurch unvermerkt diese Kräfte . Liegt das Ziel im Kreise des Möglichen , wohlverstanden für ihn , so ist es auch für ihn erreichbar . - Ich bin entfernt davon , in Ihre geheimen Wünsche dringen zu wollen : aber denken Sie sich , meine Freundin , einen solchen Wunsch , den Sie bisher für unerreichbar hielten , verkörpern Sie ihn sich , und überrechnen Sie dann die Mittel , die Ihr Geist , Ihr Vermögen , Ihre physische Kraft , Ihre Freunde Ihnen bieten . Reichen diese Mittel aus , so sind Sie am Ziel ; denn es ist allein Ihre Schuld , wenn Sie es nicht erreichen . « » Das ist ein gefährlicher Gedanke . « » Warum ? - Gesetzt , Sie fühlten sich unglücklich mit Ihrem Gatten - « » Ich bitte Sie , Herr Legationsrath - « » Nun , Sie wünschten ihn zu einem lebenslustigen Mann zu machen . Ist das etwas Unrechtes ? - Doch es ist ein indiskretes Beispiel , Verzeihung ! Also umgekehrt - Sie wollten sich ganz der Armenpflege widmen , Ihr Haus zum Hospital umschaffen , selbst Krankenwärterin werden . Ihre Mittel wären endlich erschöpft , ja , meine Freundin , die Möglichkeit wäre da , daß Sie ihm auch seine Stube nähmen , seine Bibliothek verkauften - « » Ach der arme Mann ! « » Nur nicht Mitleid ! Wer etwas will , muß diese Rücksichten verbannen . Sehn Sie , die Fürstin Gargazin möchte uns Alle zu Konvertiten machen , sie scheut keine Mittel - gar keins , wenn sie nur Einen bekehren kann . « » Mein Mann stürbe , wenn er von seinen Büchern lassen müsste . « » Und wird von ihnen lassen müssen , wenn er von Allem lässt ; Doch , um wieder auf Bonaparte zu kommen , wie viel Peripherien hat er , eine nach der andern , um seinen jeweiligen Standpunkt gezogen , weit , weiter , und das ist das Bewunderungswürdige , nicht seine gewonnenen Schlachten , sondern daß er , im Mittelpunkt des Kreises , nie über den Kreis hinausgriff ! So ward er Konsul , Kaiser - « » O ich bin ungemein begierig , Ihre Ansichten darüber zu erfahren . « » Wozu das , Freundin ? Wozu die eigne Kraft anstrengen und uns vergessen ? « » Aber es ist so interessant - « » Sie haben Recht - seine Familienverhältnisse ! Da liegt der Hemmschuh für den Giganten . « » Die Familie erhebt er mit sich . « » Aber Josephine hat keine Kinder . - Sie muß fort . « » Wie ! Sie hob ihn . Er kann sie doch nicht verstoßen . « » Ei , seine Bewunderin hält ihn für so klein . Gefühle der Dankbarkeit sollen ihn an seinem Weltberuf hindern . « » Aber das Urtheil der Welt würde - « » Den Titanen regieren ! Da habe ich keine Skrupel . Aber die Kreolin ist eigensinnig , reizbar . Wenn sie sich nun nicht scheiden lassen will ? « » Sie meinten neulich , daß Josephine gegen ihren Mann contre operiren könnte ? « » Darüber bin ich hinaus . Sie ist nur eine Frau mit den gewöhnlichen Affekten eines Weibes . Groß im Kleinen , zu klein zu einer That , zu weich , gutherzig . Nein , nein , von der Seite ist nichts zu besorgen , aber er - Napoleon muß sich von ihr scheiden , er muß Söhne haben , er ist in voller Manneskraft , er ist durch die Verhältnisse wie von selbst zu einer Ehe gedrängt , die seine Nachkommenschaft vor der Meinung legitim macht , welche aus dem Schutt und Staub der Revolutionen aufsteigt und die Throne wieder mit einem Nimbus umzieht . Das ist ganz unabänderlich , daß muß er . Und wenn sie sich nun nicht scheiden lassen will , was muß er thun ? Was wird er thun ? Da , Freundin , wird sich ' s bewähren , ob er - er ist . « » Mein Gott , Sie meinen - « » Bisher war er sich immer klar . Aber diese Differenz - « » Er liebt Josephinen ! « » Was ist Liebe ? Verstehn wir uns ! Wir Beide meinen nicht jene Veilchenduft- , jene Vergißmeinnichtschwärmerei zartgeschaffener Seelen , noch jene dämonische Leidenschaft , die Mauern einreißt , um im Genuß sich zu tödten . Das sind Kinderspiele . Ich meine die Liebe , vor der Jahre und Verhältnisse wie Plunder versinken , das in den Mysterien der Natur geborne Bündniß Derer , die sich verstehen , sich das Zeugniß der Ebenbürtigkeit Einer dem Andern ausstellen . Diese Liebe bedarf keiner Besiegelung durch Lieder ,