Noch räthselhafter wurde Dankmarn das Geheimniß , als Lasally einen in der Nähe befindlichen Jockey , der zu seinen mitgebrachten Leuten gehörte , anrief und ihn fragte : Ist den Pferden nichts ? Was lauft Ihr da herum ? Warum nicht im Stall ? Was hab ' ich Euch gestern Nachmittag eingeschärft ? Der Reitknecht gab jede nur wünschenswerthe gute Auskunft über die vier schönen Reitpferde , die Lasally von der Residenz mitgeführt hatte . Herr von Reichmeyer fragte , ob sie Hackert ' s nicht ansichtig geworden wären ? Die Antwort lautete , daß man ihn allerdings dann und wann am Schlosse hätte umherschleichen , auch mit dem Kammermädchen des Fräuleins , Jeannette , sprechen sehen , doch wären sie Alle auf der Hut , ihn bei erster Annäherung niederzuwerfen . Die Pferde wären im sichersten Gewahrsam .... Die Kugeln beweisen seine schlimme Absicht . Es sind dieselben wie früher , sagte Reichmeyer . Warum denn dieselben ? Warum denn ? rief Melanie . Ich beschwör ' Euch , laßt diese Unwürdigkeiten . Mein Herr ! sagte Lasally jetzt zu Dankmarn im entschiedenen aber sehr höflichen , fast versöhnten Tone ; mein Herr , ich ehre die gute Meinung , die Sie von einem der abgefeimtesten Bösewichter haben . Sie kennen ihn eben nicht . Würden Sie die Gefälligkeit haben , mir diese drei Kugeln zu lassen ? Dankmar gerieth nun in Verlegenheit . Er hatte das Eigenthum an diesen Kugeln auf nur völlig äußere Anzeichen hin - ja er mußte sagen nur auf die Vision der Ursula Marzahn unter dem Ebereschenbaume - Hackerten zugeschrieben und nun begründete sich auf diese willkürliche , wenn auch sehr wahrscheinliche Annahme eine förmliche Anklage ... Er lehnte nun die Herausgabe der Kugeln ab und streckte die Hand , sie wieder an sich zu nehmen . Er bat darum . Lasally aber verweigerte sie aufs entschiedenste und sagte kategorisch : Haben Sie keine Sorge für Ihren Schützling , mein Herr ! Er ist zu feig , von diesen Kugeln einen offenen und ehrlichen Gebrauch zu machen . Wissen Sie aber , wozu diese Kugeln dienen sollten ? Ich will es Ihnen sagen . Zum teuflischsten Morde an armen , edlen , unschuldigen Thieren ! Wissen Sie , daß ich in einer Nacht drei meiner schönsten Pferde - ich bin der Stallmeister Lasally - habe müssen niederschießen lassen , weil sie toll wurden , toll durch eine Ursache , die wir nicht entdecken konnten ? Lasally zitterte . Seine Schwester bat ihn , sich zu beruhigen . Melanie wandte sich ab . Die Übrigen hörten gespannt zu , Dankmar mit einer Theilnahme , die ihn seine eigenen Angelegenheiten und die des Gefangenen im Thurme für einen Augenblick fast vergessen ließ . Auf einer Partie in den am Wasser gelegenen Fichtenwald , begann Lasally , - Sie werden ihn aus der Residenz kennen - auf dieser Partie , wo eine Gesellschaft von Damen und Herren im sogenannten Jagdhause von den elegantesten , preiswürdigsten Pferden stieg , um eine Stunde im obern Stock zu frühstücken , vernachlässigten meine Leute die Aufsicht auf die draußen festgebundenen Pferde . Wir kommen nach einer Stunde herab , wir wollen aufsteigen und finden drei meiner Thiere in der sonderbarsten Aufregung . Sie schleudern mit dem Kopf , schnauben mit den Nüstern , schlagen wild aus und Niemand wagt , sie zu besteigen . Wir erkundigen uns , was geschehen ist . Niemand weiß eine Auskunft . Wir glauben , die Thiere scheuen vor irgend einem uns selbst fremden Gegenstande . Wir binden sie los und machen das Übel ärger . Zorn erst über die Thiere , dann über meine Leute ergreift mich . Niemand weiß , was den Pferden geschehen ist . Ich besteige endlich mein liebstes Roß , um es zu bändigen . Es wirft mich fast ab , rennt wie rasend davon und wirft sich der Länge nach in den Weg mit dem Kopf gegen eine Eiche bohrend . Die Gefahr für uns selbst , bei dem Ausschlagen und wilden Toben , wuchs . An ein Besteigen war nicht mehr zu denken . Meine Leute unternahmen , um das Versehen zu büßen , die schwere Aufgabe , die drei Thiere in die Stadt zu geleiten , während die nun plötzlich Unberittenen auf einem in der Nähe gemietheten Leiterwagen bis zu dem Stadthore zurückfuhren . Schon unterwegs brach sich mein Renner beide Schenkel und blieb für todt liegen . Mit genauer Noth kamen die beiden übrigen , auf den Straßen wie rasenden und tobenden und von einem Volkshaufen verfolgten Thiere in den Stall . Die Knechte haben Lebensgefahr überstanden . Dort , wo wir nun Ruhe hofften , begann von neuem erst der Schrecken . Die Thiere schlugen über die Stangen , die sie trennten , rissen sich von der Kette los und verwundeten sich in wilder Wuth so heftig , daß ich die Heilung aufgeben mußte , selbst von Zorn übermannt , ein Doppelpistol ergriff und mit einer Ladung in blinder Wuth sie niederschoß . Bei der Obduction entdeckte der Veterinärarzt in den Ohren jedes dieser Thiere eine kleine Kugel , die , hinuntergeglitten bis ans Hirn , sie rasend gemacht hatte . Mein erster Gedanke , wer diese teuflische That vollbracht haben konnte , war aus Gründen , die Sie nicht wissen können , Hackert . Und nun urtheilen Sie , ob diese drei Spitzkugeln , die , wie Sie sagen , diesem uns hierher nachgeschlichenen , Böses im Schilde führenden Menschen gehören und völlig jenen andern ähnlich sind , mich nicht mit Schaudern erfüllen sollen und bestimmen müssen , meine Thiere zu hüten , zugleich aber auch diese Kugeln als gerichtliches Zeugniß in Verwahrsam zu nehmen ? Lasally schwieg , noch zitternd . Er konnte gewiß sein , auch Dankmarn erschüttert zu haben . Dankmar war erblaßt . War es das Entsetzen von einer an den armen edlen Thieren begangenen so ruchlosen Frevelthat , war es die wie ein lähmender Schlag ihn treffende Vorstellung , daß