gewesen , er wäre es , dann aber auch im Grabe geblieben . Sie betrachteten ihn als einen verlornen Mann , und von solchen hat man es lieber , wenn sie einem aus den Augen kommen , solche setzen die meisten Leute in die größte Verlegenheit . Bloß die , welche allen feinern Gefühlen abgestumpft sind , die gröbste Selbst , sucht für die größte Tugend halten , haken ihnen kaltblütig stand und fertigen sie sackgrob ab . Andere kommen aber eben in große Verlegenheit . Den Einen sagt das Gewissen , sie könnten helfen und sollten helfen , aber sie mögen nicht ; Andere fürchten , sie möchten um Hülfe angesprochen wer , den , sie wollen sie abschlagen , natürlich , aber ihnen fällt nicht gleich eine Ausrede ein ; noch Andere glauben , herabgekommene Leute müsse man verachten , man schade der eigenen Ehre und seinem Kredit , wenn man mit ihnen freundlich sei , gut bekannt scheine , aber es drückt sie eine gewisse Unbeholfenheit , mit Manier das alte Verhältnis abzubrechen und ein neues festzustellen . Das Kürzeste und Kommodeste wäre immer in alle Wege , einen solchen Menschen totzuschlagen und sechs Fuß hoch mit Erde zu bedecken , da kriegte man ihn nicht mehr zu Gesichte . Wir sind halt in alle Wege von Natur schwache , schlechte Geschöpfe und zwar ehemals und jetzt , siehe Petrus in Kaiphas Hofe , siehe auf jeder Börse und an jeder Kirchtüre , absonderlich auf den Rathaustreppen . Das sind aber harte Erfahrungen für einen Menschen , der ohne seine Schuld , wie man zu sagen pflegt , obgleich es nur teilweise richtig ist , ins Unglück gekommen , wenn er sieht , wie man ihm ausweicht , ihn aufgibt . Da gibt Mancher sich selbst auch auf . Es braucht Mut dazu , das Vertrauen festzuhalten , wenn man sieht , daß alle keines mehr zu uns haben . An die Stelle des Vertrauens kömmt der Zorn , der Haß und die Rache , und aus einem , der zu retten gewesen , wird ein unversöhnlicher Feind der Menschen . So geschah es jedoch mit Uli nicht . Er bemerkte das Benehmen der Menschen wohl , und Vreneli fühlte es noch besser , da sogar Bettelweiber sich seiner verschämten und ihm auswichen . Anfangs tat es Uli im Herzen weh , als er aber in die Kirche kam , die Orgel rauschte , die Gemeinde sang , der Pfarrer betete und predigte , die Gemeinde zum heiligen Tische wallte , da vergingen ihm die bittern Gefühle ; er vergaß das Tun der Einzelnen , er fühlte nur die Wonne , der Gemeinde Christi anzugehören und Pfänder und Siegel zu empfangen , daß auch ihm seine Sünden vergeben und Gerechtigkeit und ewiges Leben um Jesu willen aus Gnaden geschenket sei . Wenn schon die Einzelnen von ihm wichen , er blieb doch in der Mitte der Gemeinde , blieb teilhaftig der Schätze und Gaben , welche unser große Meister und Herr seiner Gemeinde erworben hat . Was hat das Abwenden Einzelner zu bedeuten , wenn man dabei ein lebendig Glied des großen Ganzen wird , dessen Herr und Meister der ist , von dem sich auch alle gewandt , über den ein toll und töricht Volk das » Kreuzige ! « gerufen hat . Aber wenn einer die Gemeinde Gottes verlassen und Fleisch für seinen Arm gehalten hat , und nun wird er auch von den Menschen verlassen , der ist dann allerdings ein armer Verlassener , ein unglücklicher Tropf . Ein Herz voll reichen Segens trug Uli aus der Kirche , sein Sinn war so mild wie die Sonne , welche den Nebel durchbrochen hatte und gar lieblich schien , er konnte von Herzen sagen : Vater , vergib ihnen , sie wissen nicht , was sie tun . Er konnte wie ein Kind sich freuen und sagen : Weichet nur von mir , ich gehöre euch doch an und es kommt die Zeit , wo ihr mich werdet als Bruder erkennen , euch meiner freuen werdet und mir danken , daß ich nicht Gleiches mit Gleichem vergalt , in Gott die Gemeinschaft festhielt , als die Welt feindselig sich zwischen uns stellen wollte . Als sie alleine auf dem Wege wieder waren und Vreneli frug : » Und was sagst zu den Leuten ? « , antwortete Uli : » Nicht viel , es ist immer wie immer und wird also bleiben , man kann es zum voraus wissen , und doch tut es anfangs weh , wenn man es selbst er , fährt . « Nun erzählte er Vreneli , was ihn getröstet , das freute Vreneli sehr , und einiger als nie kamen sie heim . Es war , als hätten sie neu ihren Bund geschlossen , und mit neuer Kraft und Besonnenheit gingen sie an ihr schweres Tagewerk . Eine große Freude hatten sie . An einem schönen Morgen kam ein Wägelchen daher , fast anzusehen wie ein Müller , wägelchen , denn Kornsäcke lagen darauf Den muntern Jungen auf demselben kannten sie nicht , und erst als er den Gruß von Vater und Mutter vermeldete , erkannte ihn Uli als des Bodenbauern Kind , welches ihm aber aus den Augen gewachsen war . Der brachte einige Scheffel vom schönsten Samenkorn und anderes Gesäme . Der Vater habe gesagt , sie könnten es wohl entbehren und hier werde man es brauchen können , berichtete der Junge . Eine solche Gabe in der Not hat nicht bloß einen äußern Wert , sondern einen noch viel größern innern , ist so gleichsam das Ölblatt , welches die Taube dem Noah brachte als das Zeichen , daß Gottes Zorn im Aufhören sei und seine Güte wieder hervorbreche im Grünen und Blühen der Erde . Joggeli ärgerte sich über des Bodenbauern Güte , wahrscheinlich nahm er sie als Vorwurf für sich . Er fragte den Jungen , was das Malter kosten solle ? Soviel er wisse