es erheiratet , und welche Schande erleben müssen wenn er eine Frau heimgebracht , welche etwas an sich hatte das man bei ihnen nicht kannte , das gerade aussah , als wäre sie vors Hüsli use , und von dem er nicht wußte , wie oft es sie ankam und ob vor den Leuten oder nur privatim vor den Eltern und dem Manne . Vom fallenden Weh hatte er schon viel gehört , und immer hatte es ihm darob gegruset , aber dieses Weh schien ihm noch viel ärger . Es hatte das Mädchen verzerrt , daß er es gar nicht wieder erkannte ; es war ein durchaus Anderes geworden , eines , das er lieber nicht mit einem Stecklein anrührte , geschweige dann lieben mochte und gar noch zur Frau es haben . So stellte die letzte Erinnerung dem armen hin- und hergeworfenen Resli das Mädchen immer greller dar , daß er sich fast seiner Liebe zu schämen , sich zu freuen begann über das letzte Ereignis . Die letzte Erinnerung , der letzte Blick , das letzte Wort setzt so gerne sich fest dem Abgehenden , alles Außergewöhnliche so leicht jedem , der es sieht , daß eine große Bedeutsamkeit in der letzten Gebärde liegt , daß überhaupt eine große Bedeutsamkeit darin liegt , wie jemand Gebärden macht , die bei andern Menschen Eindruck hinterlassen , und ganz besonders bei einem Mädchen sind diese Gebärden von Bedeutsamkeit . Kokettisieren , die Schöne und Liebliche machen soll kein Mädchen , aber so viel Herr über sich selbst sein sollte jedes , daß es sich nie selbst unschön , wüst macht , unschön , wüst werden läßt . Es gibt einen hohen , schönen Zorn , der die Jungfrau zur Göttin macht , der aber ist selten , jeder andere verzerrt das Mädchen , und der gröbste Benz , der gar nicht weiß , was schön oder unschön ist , sagt : » Nei aber , das cha afe wüest tue , so eins begehr ih nadisch nit ! « Es ist freilich viel gefordert von einem Mädchen , daß es immer seiner Herr bleibe , sich nicht fortreißen lasse , kanns doch mancher Mann nicht ! Nun ists sicher ebenso unrecht und noch unendlich unrechter , wenn ein Mann sich hinreißen läßt , als wenn es ein Mädchen tut , und schaden tut es ihm , und öppe viel hält ihm niemand darauf , aber so unschön , so widerlich macht es ihn doch nicht , wie es das Mädchen , wie es die Frau macht . Das ist halt Sache des Gefühls , und weil es das Gefühl ist , welches uns von wegen der Schönheit und dem freundlichen Maße in allem zum Weibe zieht , so kann man halt nichts dafür , wenn dieses Gefühl durch widerliche Ausbrüche verletzt wird , halt lieber im Heidenland wäre oder gar bei den Heiducken als so einem kannibalischen Weibsgesicht gegenüber . Wie es nun Zufälle geben , Umstände sich häufen können , wo ein Mann in einen Zorn gebracht wird , der ihn zum Mörder macht , des Mörders Strafe er auch ausstehen muß , während man ihn allgemein bedauert und Barmherzigkeit bei Gott für ihn hofft , so kann Weh , Leid und Zorn ein Mädchen in einen Zustand versetzen , durch welchen es seinen Liebhaber absprengt . Es war ihm nicht möglich , anders zu sein , es war ihm auch nicht zuzumuten ; aber die Wirkung , der Eindruck sind einmal da , sind geborne Dinge , ein fait accompli , welches selbst die Tagsatzung anerkennt ; wer wischt sie nun aus , wer macht sie ungeschehen , übertüncht das Bild wieder , das vor den Augen des Liebhabers schwebend bleibt ? Wer bricht die Folgerungen ab , die aus dem Bilde entspringen , denn das ist gleich , wie wenn ein Mädchen einen bösen Beinbruch tut . Heilen werde es wohl , ansehen werde man ihm einstweilen nicht viel , aber sellige Ding gäbten halt böse Alter , so redet man . Bei allem , was auf Anne Mareili lastete , bei dem innigen Wunsche , aus ihrem Hause in Reslis Haus zu kommen , bei dem Glauben , niemand könne ihm dazu helfen als Resli , bei dem Glauben , der Liebhaber müsse , wenn er treu liebe , alles hintansetzen und zum Opfer bringen , bei dem Glauben an den eigenen guten Willen , der das Opfer nur scheinbar machen , alle Folgen und Schwere ihm nehmen würde , bei allem dem , wem wäre nicht so geworden wie dem armen Meitschi , wer hätte nicht Augen gemacht und hintendrein noch was ganz anderes als geweint und geschluchzt ? Aber was die Augen sehen , das haben sie halt gesehen , und woher es gekommen , daran denken Viele nicht ; bei Andern kommen wohl Gedanken daran , aber die Gedanken kommen meist lang hintendrein , werden leicht verweht , wenigstens immer von neuen Zweifeln angeweht . Bei Resli war es umgekehrt gegangen , die Gedanken waren vor dem Bilde da , von wegen , der gute Boden in seiner Seele war ziemlich tief und trug lieber das Gute als das Böse , und die Liebe ging als Samen über ihn hin . Das Bild trat Reslis Gedanken gegenüber und kämpfte mit ihnen . Das Bild war die böse Fee , welche in seinen Liebesgarten schlich und seine Geliebte verzaubern wollte in ein scheußlich Drachenbild , zum Werwolf mit feurigen Augen , zur wütenden Hyäne mit den grimmigen Zähnen , das Haar bolzgradauf vor Zorn und Wut . Aber als ein treuer Ritter kämpfte er redlich gegen die böse Fee , und wie sie auch immer neu ansetzte und mit List und Kunst in immer neuen Gestalten daherfuhr , stund er als wie mit breitem Schwerte vor der Geliebten und wehrte dem bösen Zauber . Wie der Kampf ein innerlicher ward , verschwand die äußere Aufregung , ernst saß er im Sattel , ruhig