Arm fast wie ein Gsüchti , ich mußte dich anrühren , dich um ein Müntschi fragen . Anfangs glaubte ich , ich hätte eins erhalten , allein später dachte ich , es könnte doch nicht sein , du hättest mich sonst nicht so wild in die Stube hinausgeschossen ; ich dachte , du hättest mich nicht gerne , und das machte mich betrübt im Herzen , und ich dachte , wenn nur Weihnacht da wäre , daß ich fort könnte , da wollte ich weit weit ins Weltschland hinein , daß nie jemand mehr etwas von mir höre . Und so ists mir noch , Vreneli ; wenn du mich nicht willst , so will ich vom Lehen nichts , will fort , fort , so weit mich die Füße tragen , und kein Mensch soll erfahren , wohin ich gekommen . « Er war aufgestanden , vor Vreneli getreten , das Wasser stund ihm in den treuherzigen Augen , der Base aber rollte es die Backen ab . Da sah Vreneli zu ihm auf , die Augen wurden ihm feucht ; aber um den Mund zuckte noch der Spott und der Trotz , die niedergehaltene Liebe brach auf und begann durch die Augen ihre leuchtenden Strahlen zu werfen , während das jungfräuliche Widerstreben die Lippen aufwarf als Schanze gegen das Ergeben an die männliche Zudringlichkeit . Und während die Augen Liebe leuchteten , kamen doch hinter den aufgeworfenen Lippen hervor die spottenden Worte : » Aber Uli , was sagt dann Stini , wenn du schon wieder eine Andere willst ? Wird es dir nicht singen : Er hat ein Herz wie es Tubehus : Flügt die Eini dry , flügt die Anderi drus ! « » Aber wie magst du auch mit ihm den Narren treiben ! « sagte die Base , » du siehst ja , wie es ihm Ernst ist . Wenn ich ihn wäre , ich kehrte dir das Nest und sagte dir : Blase mir , wo ich schön bin ! « » Er hat dWehli , Base , und Ihr wisset nicht , ob es mir nicht recht wäre « , sagte Vreneli . » Nein , es wäre dir nicht recht , Meitschi , « sagte die Base , » ich höre es dir schon an . Und Uli , wenn du nicht ein Löhl bist , so nimmst du es jetzt um den Hals ; es schießt dich nicht mehr in die Stube hinaus , glaub es mir . « Indessen hätte die Base fast unrecht erhalten . Noch einmal bot das Mädchen seine Kraft auf , und Uli wäre in raschem Umschwunge bald wieder geflogen . Allein des Mädchens Kraft hielt nicht aus . Das Mädchen fiel an Ulis treue Brust und brach in lautes , fast krampfhaftes Weinen aus . Es wurde den beiden Andern , als das Schluchzen nicht aufhören wollte , fast angst dabei , sie begriffen nicht , was das sein solle . Uli tröstete , so gut er konnte , und sagte , es solle doch ja recht nicht so tun , und wenn es ihn lieber nicht wolle , so könne er ja gehen , er wolle ihns nicht plagen . Die Base balgete erst , es sei dumm getan , zu ihrer Zeit hätten die Mädchen nicht die Schloßhunde verspottet , wenn sie einen gefunden . Dann ward ihr aber auch bange , und sie sagte , sie wolle es nicht zwingen ; wenn es lieber nicht wolle , so könne es ja ihretwegen machen , was es wolle . Es solle doch nur dr Gottswillen nicht so tun , die Wirtsleute könnten sonst glauben , was es wäre . Endlich konnte ihnen Vreneli sagen , sie sollten es doch nur ruhig lassen , es wolle sich zu überwinden suchen . Es sei sein Lebtag eine arme Waise gewesen und verstoßen von Jugend auf . Es habe nie ein Vater es auf den Schoß genommen , die Mutter es nie geküßt , nie habe es seinen Kopf an irgend einem Halse verbergen können . Es hätte ihns manchmal gedünkt , gerne wollte es sterben , wenn es nur dabei jemand auf den Knien sitzen , jemand dabei um den Hals nehmen könnte ; aber solange es Kind gewesen sei , habe niemand ihns lieb gehabt , nirgends hätte es sein sollen . Es könne nicht sagen , wie oft es einsam geweint . Sein Sehnen sei immer und immer dar , auf gegangen , irgend einmal jemand so von ganzem Herzen , ganzem Gemüte lieb haben zu können , jemand zu finden , an dessen Brust es sein Haupt in Leid und Freud legen könnte . So eine Freundin aber habe es keine gefunden . Da habe es gedacht , wenn man ihm vom Heiraten gesprochen , es wolle es nie , es sei denn , es könne so von Herzensgrund glauben , daß das die Brust sei , an die es in Leid und Freud sein Haupt legen , die ihm treu sein werde im Leben und im Sterben . Aber es habe keine gefunden , zu der es diesen Glauben hätte haben können . Uli sei ihm lieb , sei ihm schon lange lieb , mehr als es sagen wolle , aber diesen Glauben zu ihm habe es noch nicht finden können . Und wenn es diesmal getäuscht würde , wenn Uli nicht die rechte Liebe , die rechte Treue für ihns hätte , dann wäre ja sein letztes Hoffen dahin , dann würde es keine mehr finden , dann müßte es unglücklich sterben . Dar , um mache es ihm so angst , und sie sollten es doch jetzt dr Gottswillen ruhig lassen , damit es so recht überlegen könne , was es mache . Ach , sie wüßten es nicht , wie es einer armen Waise zumute sei , welche der Vater nie auf dem Schoße gehabt , die Mutter nie geküßt ! » Du bisch es Göhl !