er . - » Ich kann weder die Welt verlassen , die Dir der krankhafte Träumer Lesüeur so böse geschildert hat , noch Dich dorthin führen ; denn das Eine bleibt gewiß , für Dich paßt diese Welt nicht , und Du würdest dort keinen Platz für Dich finden ! « » Ja , das dachte ich auch , « sagte Fennimor sorglos , » und immer nur , wenn Du mich darum bitten würdest , dürfte ich es thun ; denn es ist ja unser Gebot , daß wir das Böse nicht suchen sollen , weil es , wie der Staub in der Luft , unmerklich uns berührt und endlich doch die reine Farbe unseres Inneren entstellt . Aber dann ist doch Deine Heimath auch nicht dort , und warum willst Du zurück , da es Dich traurig macht und Deine schöne Seele kränkt ? « Leonin ' s Brust wollte zerspringen . Er hätte ein lautes Angstgeschrei ausstoßen mögen - die Welt mit den Füßen unter sich zerstampfen . Ungeheuer ! rief er innerlich . - Er wußte nicht , ob gegen sich oder gegen Andere ; aber die erste selbstgeführte schlechte That hatte ihm den Zügel aus der Hand gerissen - er jagte fort , verwildert von der Angst , mit der sie ihn verfolgte . » Darin irrst Du - meine Heimath darf hier nicht sein . Ich bin dem Vaterlande , dem Könige , meinen hohen Verhältnissen als Vasall der Krone eine andere Lebensweise schuldig , als diese müßige Existenz hier sein würde . « » Ha , « rief Fennimor , » das klingt schön , und ich begreife Deine hohe Bestimmung - erzähle mir recht Viel davon ! Du hast Recht , Dich so groß und kräftig zum Leben zu stellen , ein Mann muß das auch ! So waren einst die Makkabäer , und ihre Größe und Heldentugend diente auch zum Schutze des Vaterlandes . Davon wird die Seele ein mächtiger Thron erhabener Gedanken , die den Mann Gott näher führen , und doch bleibt er dabei sanft und heiter , wie ein Kind . - Wie gönne ich Dir diese große Weihe zum Leben , mein Geliebter ! Wie stolz bin ich darauf und wie begreife ich nun wohl , daß Dir das armselige , kleine Leben , von dem Lesüeur sprach , nichts anhaben kann ! - Aber , « fuhr sie fort , » in diese schöne , erhabene Welt , die Du Dir geschaffen hast , kann ich Dir folgen ; die ist es gerade , von der ich geträumt habe , bis der arme Lesüeur sie so bitter verklagte . « » Lesüeur , « erwiederte Leonin kalt und stolz , » kann gar nicht die Welt beurtheilen , zu der ich gehöre - eben so wenig kannst Du mir aber dahin folgen . Ich werde immer von Zeit zu Zeit nach Ste . Roche zurückkehren , und in Deinen Verhältnissen hier wird sich Nichts ändern ; - dort aber erlaubt Dir Deine Geburt nicht , den Rang zu theilen , den ich einnehme ; und daher würden wir Beide eben so getrennt leben müssen , als wärest Du hier und ich dort . « » Was meinst Du damit , ich verstehe Dich nicht , « rief Fennimor - und eine Anregung von Stolz und Kränkung stieg in ihren reinen Zügen auf - » da ich Dein Weib bin , bin ich dasselbe , was Du bist , und mein Vater war ja nicht geringer , als der Deinige und ein Geistlicher überdies ! « Leonin fühlte einen Krampf in den Schultern ; nur mit Mühe unterdrückte er es , sie zu zucken . Die Antwort übergehend , fuhr er fort , indessen sein Fuß den Rasen , der grün und duftend vor ihnen ausgebreitet lag , zu zerstören suchte : » Der König hat mich zum Kammerherrn und Reisekavalier der Königin ernannt . Ihre Majestät wird dem Könige in den Krieg nachfolgen , und ich muß daher zurück , sobald die Nachricht eintrifft , daß die Armee sich in Bewegung setzt . « » Sagtest Du denn nicht dem Könige , wie lange Du von mir getrennt seiest , Leonin ? « rief hier Fennimor , in Thränen ausbrechend . - » Er , der so gut , so übermenschlich begabt sein soll , hätte Dich doch wohl aus diesem harten Dienste entlassen ? « Hätte Leonin die Augen aufgeschlagen und Fennimor ' s Engelsantlitz gesehen , wie es unter seinen kalten , herzlosen Antworten nach gerade verändert ward , er wäre wenigstens vor sich selbst zurückgeschaudert . So aber wühlten seine düsteren Blicke sich in die Erde ein , die er vor sich aufriß , und er behielt Muth zu seinem Frevel . » Der König ahnt meine Verbindung mit Dir nicht ! Zu spät habe ich erfahren , daß Familien wie die meinige , als Vettern Seiner Majestät , nicht das Recht haben , sich ohne seine Bewilligung zu verbinden , daß er streng darauf hält , daß sie sich nur mit Familien des höchsten französischen Adels vermählen , daß er gewöhnlich selbst die Wahl trifft und jede andere Verfügung mit den strengsten Verfolgungen bestraft . « - » So hat Lesüeur doch Recht , Dein König ist doch nicht der rechte von Gottes Gnaden , der hier auf Erden handeln soll , als wäre er besonders erwählt , Recht und Gerechtigkeit zu üben - und Du « sagte sie jetzt , ernst und kräftig sich aufrichtend , » bist fast von der schlechten Welt dort verführt und hast zaghaft und kleinlich gehandelt , gerade wie ich es an Lesüeur beobachten konnte . Alles , was Du da gesagt hast , kann vor Gott nicht bestehen , und wenn Du es gegen sein Recht hältst , so muß man erstaunen , daß ernsthafte und gereifte Menschen dort bei Euch es für etwas nehmen , wonach sie sich richten müßten . Als wenn es