H. gesendet , für den ein Zettel von Mardochai sie , im Fall seines Todes , bestimmt hatte . Reiche Legate für » Christen , die Juda ' s Schmerz mitfühlen und Balsam für seine Wunden bereiten , « hatte der seltsame Mann ebenfalls ausgesetzt . - Die Rolle , welche auf dem altarählichen Tischchen in Bardeloh ' s Cabinet lag , enthielt seine » Doctrin des Hasses , « von der sich vielleicht später Einiges mittheilen läßt . Sara ' s Leichnam war bereits gegen die Verwesung gesichert . Rosalie wünschte dasselbe ihrem Gatten und Mardochai . Wir willfahrteten den Bitten des armen , aber doch im Besitz ihres hoffnungsvollen Sohnes glücklichen Weibes . Burton besorgte ein Fahrzeug zur Aufnahme der drei Leichen , und am dritten Tage nach dem traurigen Ereignisse , noch in neblicher Dämmerung geschah die Einschiffung . Gleichmuth , der Greis und Bonifacius standen schweigend am Ufer . Sara ' s und Bardeloh ' s sterbliche Ueberreste waren bereits am Bord , die Matrosen hissten eben Mardochai ' s Sarg herauf . Im Osten dämmerte der erste Strahl des neuen Tages . Da zerriß ein seltsamer Zufall das eine Tau , der Sarg schlug um und versank in den Wogen des Stromes . Schluchzend stürzten die Wellen darüber zusammen , der Greis faltete die Hände und sprach ein nochmaliges : » Friede seiner Asche ! « - Der Anker ward gehoben , in schnellen Stößen flog das Schiff den Rhein hinab . Wir alle standen auf dem Verdeck , Rosalie , Oskar , Lucie , Auguste , Felix , ich und Ephraim , und grüßten mit thränenschwerem Auge die Zurückbleibenden so lange wir sie erkennen konnten . Als der Morgennebel ihre Umrisse verhüllte , vernahmen wir die Töne aus Friedrich ' s Violine , und die Melodie eines alten , tief ergreifenden Kirchenliedes flog zu uns herüber , wie ein Segensruf Gottes . Da trat die Sonne hinter den Wolken hervor , und als wolle sie alle Schmerzen stillen , allen Kummer in Freude verwandeln , übergoß sie mit versöhnendem Strahle die Erde , so weit unsere Blicke reichten . Wir schieden versöhnt mit dem Geschick , mit der Menschheit vom Vaterlande , und wankten auf der Brigg » die Hoffnung , « geführt von Burtons erfahrener Hand , hinaus auf die unermeßlichen Meere . Der Anblick des gewaltigen Elementes erhob unsere Gemüther ; geeint in Liebe , riefen wir dem in den Wellen versinkenden Vaterlande ein lautes , herzliches Lebewohl zu , den hohen Trost mit uns nehmend , daß die Liebe versöhnt und der Glaube errettet , wenn sie beide das Product einer in tiefster Brust ewig verschlossenen Wahrheit sind . Lebt wohl in Europa ! Vom Ufer des Missisippi schreib ' ich Euch wieder . Nachschrift . Ehe ich diesmal von meinen Lesern Abschied nehme , habe ich ihnen noch ein Wort zuzuflüstern . Bücher sind oft seltsamen Schicksalen unterworfen und zwar meistentheils blos deshalb , weil Autor und Leser auf einem ganz verschiedenen Standpunkt der Betrachtung stehen . Kann auch die Masse der Leser , als Repräsentant einer stimmberechtigten Gesammtheit , von dem Autor verlangen , er solle für sie schreiben und also in einer Weise , die Allen gleich leicht verständlich , bequem und erquicklich sei ; so hat doch der Autor auf der andern Seite auch wieder höhere Zwecke zu verfolgen , wenn er überhaupt schreibt , weil er die Weihe dazu von der Natur empfangen zu haben überzeugt ist . Hier Jedem zu geben , was Rechtens sein mag , hat seine großen Schwierigkeiten . Ein Schriftsteller von heut , der seine Stoffe dem unmittelbaren Leben entnehmen will , um die Mistöne auflösen zu helfen , an denen es leider noch so reich ist , kommt in vielfache Conflicte . Nicht nur mit sich selbst hat er zu ringen , Stoff und Form zu berücksichtigen , ästhetischen Feinschmeckern auf die Lippen zu sehen ; auch die Freunde , die Bekannten , die sogenannten Gleichgesinnten ( wiewol es manchmal scheint , als sei dies ein leeres Wort ) , die Prüderie der Gesellschaft , die Schminke der spazierengeführten Tugendhaftigkeit , die umherstolzierende Anmaßung der liberalen Quacksalber , die große Menge , gemischt aus tausend sich widersprechenden Atomen , und endlich die Idee , diese Sonne , an deren Strahl die Zukunft lebendig wird , soll ein Autor der Gegenwart beachten ! Dabei können aber die Gedanken selbst sich verlieren , und es macht sich daher oft nöthig , aus Liebe zur Wahrheit Dies und Jenes unberücksichtigt zu lassen . Schleicht sich darüber die Lückenhaftigkeit ein , so sei man billig und bedenke , daß auch ein productiver Mensch doch immer nur Mensch ist und als solcher nicht Jedermann nach dem Munde reden kann . Auch möge man noch die etwas mißlichen Verhältnisse betrachten , unter denen es nicht erlaubt ist , den Gedanken in der geeignetsten Weise auszusprechen . Mit dem Wegfall der Gedanken verliert aber auch die Form , denn wo ich die Seele einer allgemeinen Beschneidung unterwerfe , da kann sie nicht den Körper so durchleuchten , wie es zu wünschen wäre . Findet nun dieser oder jener Leser oder Kritiker ähnliche Verwundungen an meinem Buche , so bitte ich , er möge sich dafür andern Ortes bedanken oder beschweren . Ich wasche meine Hände in Unschuld ; ich kann die Sonne nicht scheinen lassen ; denn ich fühle die Schwachheit meiner Menschennatur , und bin auch blos ein allein stehendes Individuum . Es kommen vielleicht einige geschickte Kreuzer , deren es allerwärts übergenug gibt , und schreien mir die Ohren voll über Grades und Ungrades , was angeblich in meinem Buche zu finden sein soll . Diesen habe ich blos zu sagen , daß ich kein Kreuzer bin , in der Kunst des Lavirens überhaupt schlecht bewandert , vielmehr nur mit vollen Segeln durch Wetter , Sturm und brausende See steuere , oder lieber ganz im Hafen bleibe . Ich weiß , daß ich mir keinen