Bestrebungen der Vorsteher auf diesen einen Punkt gerichtet waren , so begann das Etablissement zu verfallen . Das Grunzen des Gegeseners wurde seltener , mehrere der Hellseherinnen schlichen sich im stillen weg , da sie keine regelmäßige Behandlung mehr fanden , mit ihnen verloren sich die drei Geister , die zwei Geistinnen und die Hälfte vom Kinde , denn im Zwischenreiche kann auch ein halber Geist für sich bestehen . Das Geräusch , Poltern und Schlurfen verklang , und nur die dem Hause treugebliebene andere Hälfte des Kindsgeistes wimmerte noch ein wenig ; es ließ sich aber der Tag vorhersehen , wo auch dieser Laut ersterben und das Weinsberger Etablissement ohne allen Geist sein würde . Während dieser Verlegenheit hörte ich eines Tages aus Kernbeißers Munde sonderbare Worte . Ich saß , versteckt von einem Holunderbaume hinter einem Vorsprunge der Stadtmauer lauernd bei meiner Geisterfalle . Kernbeißer kam in den Garten , sah mich nicht , ging heftig auf und nieder und rief endich : » Ich sag ' s und hab ' es stets gesagt , sie stürzt uns ins Verderben . Sie stellt die Ding ' allzusehr auf die Spitz ' . « Hier wurde er meiner ansichtig , erschrak heftig und fragte mich , ob ich seine Worte verstanden habe . Als ich verneinte , schöpfte er Atem und erklärte sie für die Reminiszenz aus einem Schwanke . VI. Die engbrüstige Nähterin Wenn ich , die Geisterfalle in der Tasche , durch die Straße nach dem Tore zu wanderte , war mir vor einem kleinen Häuschen hinter Rebstöcken eine Frauensperson aufgefallen , welche regelmäßig , sofern das Wetter nur einigermaßen hell war , draußen neben der Türe saß und im Freien nähte . Sie sah sehr blaß aus , und hielt sich zusammengekrümmt , auch wenn sie von ihrer Arbeit emporblickte . Ihre Augen strahlten von einer eigenen Bläue , und in ihrem ganzen Wesen bleichte etwas , was an die Blumen erinnerte , welche eigentlich für Sonnenschein bestimmt , zufällig im Schatten aufbrechen mußten . Ich hatte mich mit ihr in das Gespräch gelassen und von ihr erfahren , daß sie eine arme Nähterin sei , von Jugend auf an Krämpfen gelitten habe , und schon seit längerer Zeit von fortwährender Engbrüstigkeit geplagt werde , weshalb sie denn auch , sooft es nur angehe , ihr Tagwerk im Freien verrichte , weil die Stubenluft sie bedrücke . In den Antworten dieser Person zitterte hin und wieder eine Ängstlichkeit , zu welcher kein äußerer Grund vorhanden war . Als ich einst in sie drang , mir zu sagen , warum sie so häufig ohne Veranlassung seufze und in gewöhnliche Worte einen schmerzlichen Ton lege , wollte sie anfangs mit der Sprache nicht heraus , entdeckte mir aber endlich , daß sie , seitdem in dem Kernbeißerschen Hause das Wesen so mächtig geworden sei , gar keine Ruhe mehr habe . Durch alle die Dinge , welche sie von Freunden und Gevattern über die dortigen Ereignisse vernommen , sei sie in die größte Furcht gesetzt worden , daß sie , wie sie sich ausdruckte , auch einmal so werden könne , was sie nach ihrer Sinnesart für das schrecklichste Unglück halten müsse . Der Gedanke daran lasse ihr Tag und Nacht keinen Frieden , und sie bete unablässig , daß der Herr sie damit verschonen wolle . - » Haben Sie denn irgend schon Anwandlungen in sich gespürt ? « fragte ich sie . - » Ach nein « , versetzte sie , » es ist bei mir bis auf meine kränklichen Umstände alles wohl in Ordnung , ich weiß , wohin der Hohlsaum gehört und wohin die Doppelnaht . Aber es wird so viel von den Sachen gesprochen , und sie sollen hier überall in der Luft umherschweben , und wie leicht ist es da möglich , daß sich auch einmal etwas auf eine arme Nähterin setzt , besonders wenn sie viel sich draußen aufhalten muß . Es kann einen anfliegen , man weiß selbst nicht wie , besonders wenn man einen Vater gehabt hat , der nicht viel auf Gottes Wort hielt . Ich tue daher auch , wenn ich irgend Muße habe , in der Bibel lesen , um mich zu bewahren . Hätte ich nur Geld und an einem andern Orte Arbeit zu gewärtigen , da reist ' ich nach Reutlingen zu meiner Bas ' und zöge ganz weg aus der hiesigen Gegend . « Um die Zeit , da die Engbrüstige mir dieses Vertrauen schenkte , kam ich eines Tages zum magischen Schneider in seinen Stall . Er war gerade nüchtern und saß auf dem Stroh emporgerichtet . » Meister « , sagte ich zu ihm , » wäre es Euch wirklich so gar unmöglich , einmal mehrere Tage hindurch in der leeren Verfassung zu bleiben ? « - » Das heißt ohne Strich ? « fragte er . - » Ihr trefft meine Meinung « , versetzte ich . - » Wenn es um das Himmelreich ginge , wollte ich versuchen , mich zu zwingen , vorausgesetzt , daß ich dann geraume Zeit lang gänzlich zufriedengelassen würde « , sagte er . Ich stellte ihm die Not vor , worin wir uns befänden , und daß er allein uns helfen könne . Sein Ehrgeiz war erregt . Er stand auf , konnte sich so ziemlich auf den Füßen halten , reckte mit heftiger Gebärde die Faust aus und rief : » Das müßt ' ja mit dem Henker zugehen , wenn ich nicht so einen Kujon auftriebe ! Ich will ' s Zechen verschwören , bis wir einen haben und wissen , wo die Bekehrung anzugreifen steht . Für das Himmelreich kann ich alles , nur beding ' ich mir aus , so viel unterweilen zu kriegen , als nötig tut , die Kräft ' zusammenzuhalten und in die Säft ' keine Stockung zu bringen . Gebt mir ein Nößel Alten , Herr von Münchhausen . « Ich lief in das Haus