die tiefste und zärtlichste Bewegung des Herzens denken konnte . Ihr blieb jetzt kaum ein Zweifel , daß es der verfolgte Lord Saville war , dem sie diese Rechte zugestehen mußte , daß Lord Membrocke ihr Wahrheit gesagt und sie im Begriff sei , zu dem zu fliehen , der den Verfolgungen ihrer Beschützer preisgegeben war . Riesenhaft groß trat ihr hartes Schicksal vor sie hin , bereit , alle die zarten Fäden zu zerreißen , die sie mit diesen geliebten Menschen hier verbunden hatten . Die Herzogin mißdeutete dieses Zeichen tiefer Theilnahme , und ihre Hand sanft drückend , sprach sie : Gott behüte Euch vor ähnlichen Sorgen , liebes Kind , Euer allzu weiches Herz erläge solchen Leiden . Die Schicksale der Menschen , sprach hier mit tiefer Bewegung Richmond , sind verschieden ; nicht zweien wird ein gleiches zu Theil ; aber der Schmerz findet zu jeder Brust den Weg , und nur , wie er uns innerlich gefaßt findet , macht den Unterschied . Doch die geringsten Schmerzen bleiben immer jene , die das eigne verfehlte Glück uns giebt . Wer widersteht aber mit dauerndem Muthe , wenn er das Edelste und Liebste , was die Erde für ihn trägt , in der Gewalt einer bösen Macht leiden und untergehen sieht , ohne daß ihm das Recht verliehen ward , es zu schützen oder zu vertheidigen . Wir wollen damit schließen , so heftige Auskunftsmittel , wie Deinem jugendlichen Eifer zusagen , nicht für nöthig zu halten , sagte die Herzogin mit beschwichtigendem Tone und schien nicht zu gewahren , wie Richmonds Augen an den bleichen , kummervollen Zügen Maria ' s hingen . Maria sah diese Augen nicht , denn die ihrigen hafteten melancholisch am Boden ; aber seine Stimme drang zu ihrem Herzen , und ein wunderbar wonnevoller Schmerz durchzuckte sie . Das gebe Gott ! seufzte er tief auf , und vergeben mögt Ihr meinen trüben Worten . Aber ich glaube , setzte er , zur Heiterkeit sich zwingend , hinzu , der Nebel dieser letzten Tage thut es bei mir , ich bin nicht mehr ich selbst , ich fühle es wohl , denn trübe liegt auf mir die Erwartung jedes nächsten Morgens . Maria ' s Haupt senkte sich hier auf die Armlehne des Stuhles , in dem die Herzogin saß . Doch diese sah die fallenden Thränen nicht , die sie zu verbergen strebte , sondern ganz Mutter , schaute sie besorgt ihrem Liebling ins Angesicht und prüfte mit ihrer Hand ängstlich die kalte Stirn . In Wahrheit , Du bist krank , ich selbst habe , glaub ' ich , übersehen , daß wir vielleicht zu lange hier verweilten . Laß uns zurückkehren nach Godwie-Castle . Seine hohe gesunde Lage wird Dich am besten wieder herstellen , auch sind wir dort London um so viel näher , und leicht läßt sich jetzt dort ein Kreis versammeln , der Dir Zerstreuung und Erholung giebt . - O , sorgt nicht um meinetwillen , theure Mutter , rief Richmond , nicht diese Luft ist ' s , die mein Herz so preßt , und keine andere Luft lindert dies Weh . Glaubt und vertraut mir nur , aus mir selbst muß ich mich erheben , und ich werde es ! Doch Eurem Plan , nach Godwie-Castle zu gehn , widerspreche ich nicht . Wir sind dort London näher , das sage ich auch , und dort muß unser aller Schicksal sich jetzt lösen . - So gieb denn Befehl zu unserm Empfange dort ! sprach die Herzogin , noch immer ganz von Besorgniß eingenommen . Alle hatten sich erhoben , Richmond wollte gehen . Maria stand vor dem Augenblick , der sie auf immer von ihm trennen sollte . Kaum trugen sie noch ihre wankenden Füße , und sie hielt sich an dem Lehnstuhle der Herzogin , welche , an einen Tisch getreten , noch einige Papiere für den Sohn zurecht legte . Richmond betrachtete Maria , er sah ihre Erschütterung und trat ihr näher . Und wird Lady Maria noch länger ihren besten Freunden das bisherige Recht zugestehn , sie mit sich zu führen ? Darf ich ihre Zimmer in Godwie-Castle bereit halten lassen ? - Maria versuchte umsonst zu antworten . Nach einigen vergeblichen Bemühungen , die bebenden Lippen zu öffnen , schüttelte sie leise das Haupt . Ihr wollt uns nicht folgen , fuhr er nun bewegter fort ; Ihr verschmäht die Herzen , die Euch so innig ergeben sind , die Ihr durch Eure Nähe habt vergessen lassen , daß ohne Euch zu leben möglich sei ? Es ist Euch Niemand etwas unter uns , Niemand darf sich des Glückes rühmen , Euch so nöthig zu sein , wie Ihr es uns geworden . Ihr seid so gut , so großmüthig ; aber gefühlvoll wenigstens nicht . - Er schwieg ; seine Stimme bebte zu heftig und Maria vergingen bei dieser nie gehörten Sprache fast die Sinne . Wie mit einem Siegel waren ihre Lippen verschlossen , und nur die Angst dieses Verstummens hielt sie aufrecht . Sie drückte die Hand endlich auf ihr Herz und hob die Augen zu ihm auf , die das ganze Geheimniß ihres Herzens trugen . Ich verstehe nicht , sagte die Herzogin und wandte sich , wollt Ihr nicht mit nach Godwie-Castle , Lady Maria ? Ich habe keinen freien Willen , erwiederte jetzt Maria mit dem Ausdrucke der Ergebung . Gewiß ! sagte die Herzogin , welche Kleinmüthigkeit ! Was ist Euch ? Womit haben wir es versehen , und worin haben wir Euch Zwang aufgelegt ? Bestimmt ganz nach Gefallen , ob Ihr uns begleiten oder später mit meiner Schwiegermutter folgen wollt ? - Ich empfinde tief Eure Güte und habe Euch nur aus voller Seele zu danken für die unendliche Großmuth , die Ihr mir unablässig beweist . Seid sicher , daß ich nirgends lieber bin , als wo Ihr seid , daß es die süßeste Empfindung meines