unvergänglicher Trost , der es so ganz erfüllte , daß ich mich kaum erinnere , damals geweint oder sonst getrauert zu haben . Nur jetzt , nach manchem Jahre fließen meine Tränen zuweilen . Als die Ruhe hergestellt war , beschäftigte uns alle , die wir ihn geliebt hatten , sein Wunsch . Ein treuer Gefährte seiner Tage machte sich endlich in der Stille auf , scheute nicht Mühe noch Gefahr unter dem noch immer schmerzlich empörten Volke , fand die Grube , in welcher man den Körper verscharrt hatte , kaufte die teuren Reste los , und brachte sie in die Heimat . « Sie näherte sich einer schmalen , länglichen Kiste , welche in der Ecke des Gemachs stand , öffnete sie und warf sich mit Lauten des tiefsten Schmerzes über sie . Hermann trat hinzu und fuhr zurück ; ein menschliches Gerippe starrte ihm aus der Kiste entgegen . » Warum erschrickst du ? Was macht dich zu fürchten ? « rief sie . » Dies ist mein lieber , mein einziger Freund , den ich nun wiederhabe , und nicht von mir lasse . Betrachte den holdseligen Mund , die guten , schönen Augen , die denkende Stirne ! Nun ruht er , umweht vom Hauche der Liebe , nun ist ihm wohl ! « » Teure , warum gaben Sie der Erde nicht wieder , was der Erde gehört ? « fragte Hermann , als er sich einigermaßen von seinem Erstaunen erholt hatte . Sie versetzte nichts . Mit den zärtlichsten Namen rief sie den geschiednen Freund , schmeichelnd strich sie über den kahlen Schädel , ihre Lippen küßten die leeren Augenhöhlen . Dazwischen führte sie Reden , deren Sinn und Bedeutung Hermann nicht verstand . Sie sprach von dem Vampir , der , auferstandne Leiche , umhergehe und den Lebenden das Blut aussauge , und beschwor die Gebeine des Toten , sie wie bisher , so auch ferner vor dem Schrecknis zu schützen . Achtes Kapitel Es schien , als seien die nächsten Tage bestimmt , unsres Freundes Herz , welches schon in kalten , seltsamen Umgebungen zu frieren begann , wieder von neuem auszuwärmen . Johannas Not regte mächtig sein Gefühl auf , und kurz nach jenem Abende sollte er auch einen alten Freund wiedersehn . Er war in Madame Meyers Gesellschaft gewesen . Als geborner Hansestädter an reichliche Mahlzeiten gewöhnt , empfand er nach den dort landüblicherweise genossenen dünnen Butterschnittchen immer noch einen lebhaften Appetit , den er nun in einer Restauration stillen wollte . Aber obgleich es erst eilf Uhr war , so herrschte in diesem Teile der Stadt doch schon eine Totenstille , die Fenster waren dunkel , die Läden geschlossen und nur die Laternen warfen ihr mattes Licht über die menschenleeren Straßen . Er kam endlich in die Nähe eines Gasthofs , vor dessen Türe sich jemand in ähnlicher Not befand , wie er . Ein Reisender suchte mit Rufen , Schelten und Klopfen vergebens Einlaß durch die bereits fest verschloßne Pforte zu gewinnen . Das Geräusch zog Hermann mechanisch näher , und er erkannte mit freudigem Schreck die Stimme seines Freundes Wilhelmi . Dessen Freude war nicht geringer , beide begrüßten einander auf das herzlichste . Nachdem sie durch vereinte Bemühungen die Öffnung des Wirtshauses erwirkt hatten , Wilhelmis Wagen und Gepäck untergebracht worden war , blieben sie noch einen Teil der Nacht in traulichen Gesprächen beisammen . Hermanns erste Frage war , was Wilhelmi so unerwartet herführe ? worauf jener ihm erwiderte , daß sein Verhältnis zum herzoglichen Hause gelöset sei , und daß er komme , um seine Sammlung dem großen Museum zu verkaufen . Man habe ihm die bestimmte Hoffnung gemacht , ihm als Preis eine feste Anstellung bei jenem Institute zu geben . Hermann wußte , wie leicht man es mit solchen Versprechungen des Orts nehme , und erschrak über den unbedachten Entschluß des Freundes . Er hütete sich indessen , seine Befürchtungen ihm mitzuteilen , um Wilhelmis Hypochondrie nicht rege zu machen . Wahrhaft schmerzlich war ihm aber die Lösung der Bande , welche er in Achtung , Liebe und Bedürfnis fest gegründet erachtet hatte . Auch der Arzt , so hörte er von Wilhelmi , sinne darauf , dem Schlosse Lebewohl zu sagen . Am befremdlichsten klang , was er über die Herzogin vernahm . Sie sei , erzählte Wilhelmi , nach Hermanns Abreise in eine düstre Melancholie verfallen , welche sich durch einen sonderbaren Widerwillen gegen die Gesellschaft ihres Gemahls ausgezeichnet habe . In dieser Stimmung habe sich der Geistliche ihrer bemächtigt , mit welchem sie nun den größten Teil ihrer Zeit in Andachtsübungen , die zuweilen selbst in Kasteiungen ausarten sollten , verbringe . Der Herzog sei über diesen Zustand um so bekümmerter , als ihm grade jetzt der vom Kaufmann nun mit vollem Eifer betriebne Prozeß viel zu schaffen mache . Alles dieses konnte Hermann wenig erfreun . Es tat ihm wehe , daß ein so treuer gefühlvoller Mann , wie Wilhelmi , sich seinen Gönnern in einem solchen Augenblicke hatte entziehen können . » Ich will mich nicht rechtfertigen « , sagte dieser , als Hermann nach einigen Tagen eine leise Andeutung seiner Empfindung blicken ließ . » Es gibt Dinge und Worte , die mit magischer Kraft das Gemüt unwiderstehlich nach sich reißen , und so muß ich dir gestehn , daß ich , in abgelegnen Winkelverhältnissen hingehalten , nicht zu widerstehn vermochte , als mir die Aussicht erschien , mich dem Öffentlichen angereiht zu sehn . Wie einst das Heilige Grab und späterhin die Neue Welt jeden strebenden Geist siegreich lockte , so ist es jetzt mit dem Staate . Nur das , was an ihn sich lehnt , nur das , was von ihm erkannt wird , hat Glauben an sich selbst , die Zeit der Privatdienstbarkeit ist durchaus vorüber . « » Du sprichst da etwas aus , welches mir schon lange das Herz beschwert hat « , versetzte Hermann . » Wenn ich