Graf ist , wo er hingehört , im Gefängnisse . Mein Bruder , mein unglücklicher Bruder ! schrie Mamsell Adele in Verzweiflung , und wurde bleich und starr wie eine Leiche . So groß mein Schmerz war , so ging mir doch ein Licht auf , und ich war recht böse , daß Sie mir die Sache nicht gehörig vertraut hatten , ich hätte nichts verrathen und hätte den gehörigen Respekt vor Mamsell Adele haben können , statt , daß ich sie geärgert hatte , wo ich konnte , denn ich hielt sie für hochmüthig und von Ihnen begünstigt , und ich dachte , ich wollte sie dadurch aus dem Dienst treiben , denn sie kam mir unnöthig im Hause vor . Jetzt sah ich das alles anders ein durch dieß einzige Wort , das sie im Unglücke und im Schrecken ausgesprochen . O mein Gott ! seufzte die Gräfin und bedeckte ihre überströmenden Augen mit den Händen . Die rohe , aber gutmüthige Erzählerin sah , welche Schmerzen ihre Worte erregten , und zog mit sanfter Gewalt die Hände der ehemaligen Herrin von den weinenden Augen derselben zurück , um sie mit Küssen und mit warmen Thränen zu bedecken . Weiter , meine Liebe , sagte die Gräfin mit zitternder Stimme , um Gottes Willen fahren Sie fort . Ja , weiter in der unglücklichen Geschichte , rief die Wittwe des Professors , Sie wissen nicht , wie mir das Herz blutet , wenn ich an all den Jammer und Trübsal denke . Ich wußte nicht , was ich mit Ihrer armen Schwägerin anfangen sollte , die bleich und starr da saß , ohne zu weinen , ohne zu reden , ja ohne ein Glied zu rühren . Ich war ganz allein mit ihr , der Hausherr hatte uns wieder verlassen , und ich wußte nicht , was ich anfangen sollte , denn ich hatte nicht den Muth , die Arme zu verlassen und einen Arzt zu rufen . Endlich brachte ich sie doch wieder etwas zur Besinnung , sie sprang nun auf ein Mal auf , faßte heftig zitternd meinen Arm und sagte leise : Komm , wir müssen meinen Bruder aufsuchen . Ich war bereit und wir stürmten der Thüre zu , ohne zu wissen wohin . In der Thüre begegnete uns ein alter Herr , den das arme Fräulein Adele zu kennen schien . Mit gerungenen Händen fiel sie vor ihm auf die Knie und rief : Helfen Sie , retten Sie ! Der gute Mann weinte selber und sagte : zuerst müssen Sie fort von hier und zwar sogleich , damit Sie nicht ebenfalls verhaftet werden , denn alsdann würde es noch schwieriger werden , etwas für Ihren Bruder zu thun . Ich fürchte , der Herr des Hauses ist schon ausgegangen , die Anzeige zu machen , denn ich traf ihn nicht zu Hause , deßhalb lassen Sie uns eilen . Als ich diese Worte hörte , kam mir schnell von Gott der gute Gedanke , daß Ihnen nicht damit geholfen wäre , wenn uns die unmenschlichen Jakobiner einsperrten , und ich sagte also dem guten alten Manne , der sich unserer annehmen wollte , daß man Mamsell Adele gar nicht fragen müsse , denn sie sei so außer sich , daß der Hausherr mit der Wache kommen würde , ehe sie nur begriffe , wovon die Rede sei . Der verständige Mann sah das ein , und wir faßten jeder die arme Weinende unter einem Arm und brachten sie mit Gewalt die Treppe hinunter in den Wagen des alten Herrn , und der Schurke , der Wirth , behielt nichts als das leere Nachsehen , wenn er mit seinen Jakobinischen Wachen wird angekommen sein . Wie lange wir gefahren sind , weiß ich nicht , denn sowohl ich , als unser alter Begleiter , wir waren während des Weges nur bemüht , die arme Mamsell Adele ein wenig zu beruhigen , aber Gott weiß , es gelang uns schlecht . Endlich hielt der Wagen vor einem kleinen Hause in der Vorstadt ; der alte Herr hieß mich ausstiegen und ging mit mir in dieß unscheinbare Haus , das , nachdem er drei Mal leise geklopft , geöffnet und hinter uns sogleich wieder verschlossen wurde . Eine alte Frau kam uns entgegen , und ich hörte wohl , wie mein Führer ihr auftrug , für mich auf ' s Beste zu sorgen , aber um Gottes Willen mich nicht ausgehen zu lassen , weil wir alle durch meine Unvorsichtigkeit unglücklich werden könnten . Als er mich verlassen wollte , fragte ich , was aus Fräulein Adele werden sollte . Er antwortete mir , wir dürften nicht zusammen bleiben , es wäre für uns beide sicherer , wenn Jede einen andern Zufluchtsort fände , er sei ein Freund ihres Hauses und sorge für unser aller Bestes mit großer eigener Gefahr . Ich hatte lange genug unter den Heiden in Paris gelebt , ich konnte also wohl einsehen , daß wir behutsam sein müßten , und fügte mich in mein Schicksal . Als ich mit der guten Frau allein war , hatte ich Zeit genug , über unser Unglück nachzudenken , und ich brachte die ganze Nacht weinend und jammernd zu , denn nun , da die größte Angst vorbei war , dachte ich auch an unsern kleinen Herrn . Endlich am Abende des andern Tages kam der Herr wieder , der mich hieher geführt hatte , und sagte mir , er würde mich des andern Abends um dieselbe Zeit abholen und zu einer deutschen Herrschaft bringen , die mich als Kammerjungfer mitnehmen und in Frankfurt am Main zurücklassen wolle , von wo ich meine Heimath leicht erreichen könne . Ich fragte nach Ihrem Schicksale . Er trocknete sich die Thränen und sagte , man müsse auf Gottes Beistand hoffen , er könne mir nichts darüber sagen . Als ich nach Fräulein Adele fragte , antwortete er etwas ungeduldig , er könne mir weiter keine Nachricht