alles ist mir wie Gold . « Er spielte nicht gern mit kleinen Kindern , sie mußten denn sehr schön sein . In einer Gesellschaft fing er plötzlich an zu weinen und schrie : » Das schwarze Kind soll hinaus , das kann ich nicht leiden « , er hörte auch nicht auf mit Weinen , bis er nach Haus kam , wo ihn die Mutter befragte über die Unart , er konnte sich nicht trösten über des Kindes Häßlichkeit . Damals war er drei Jahr alt . - Die Bettine , welche auf einem Schemel zu Füßen der Frau Rat saß , machte ihre eignen Glossen darüber und drückte der Mutter Knie ans Herz . Zu der kleinen Schwester Cornelia hatte er , da sie noch in der Wiege lag , schon die zärtlichste Zuneigung , er trug ihr alles zu und wollte sie allein nähren und pflegen und war eifersüchtig , wenn man sie aus der Wiege nahm , in der er sie beherrschte , da war sein Zorn nicht zu bändigen , er war überhaupt viel mehr zum Zürnen wie zum Weinen zu bringen . Die Küche im Haus ging auf die Straße , an einem Sonntag morgen , da alles in der Kirche war , geriet der kleine Wolfgang hinein und warf alles Geschirr nacheinander zum Fenster hinaus , weil ihn das Rappeln freute und die Nachbarn , die es ergötzte , ihn dazu aufmunterten ; die Mutter , die aus der Kirche kam , war sehr erstaunt , die Schüsseln alle herausfliegen zu sehen , da war er eben fertig und lachte so herzlich mit den Leuten auf der Straße , und die Mutter lachte mit . Oft sah er nach den Sternen , von denen man ihm sagte , daß sie bei seiner Geburt eingestanden haben , hier mußte die Einbildungskraft der Mutter oft das Unmögliche tun , um seinen Forschungen Genüge zu leisten , und so hatte er bald heraus , daß Jupiter und Venus die Regenten und Beschützer seiner Geschicke sein würden ; kein Spielwerk konnte ihn nun mehr fesseln , als das Zahlbrett seines Vaters , auf dem er mit Zahlpfennigen die Stellung der Gestirne nachmachte , wie er sie gesehen hatte ; er stellte dieses Zahlbrett an sein Bett und glaubte sich dadurch dem Einfluß seiner günstigen Sterne näher gerückt ; er sagte auch oft zur Mutter sorgenvoll : » Die Sterne werden mich doch nicht vergessen und werden halten , was sie bei meiner Wiege versprochen haben ? « - Da sagte die Mutter : » Warum willst du denn mit Gewalt den Beistand der Sterne , da wir andre doch ohne sie fertig werden müssen « , da sagte er ganz stolz : » Mit dem , was andern Leuten genügt , kann ich nicht fertig werden « ; damals war er sieben Jahr alt . Sonderbar fiel es der Mutter auf , daß er bei dem Tod seines jüngern Bruders Jakob , der sein Spielkamerad war , keine Träne vergoß , er schien vielmehr eine Art Ärger über die Klagen der Eltern und Geschwister zu haben , da die Mutter nun später den Trotzigen fragte , ob er den Bruder nicht lieb gehabt habe , lief er in seine Kammer , brachte unter dem Bett hervor eine Menge Papiere , die mit Lektionen und Geschichtchen beschrieben waren ; er sagte ihr , daß er dies alles gemacht habe , um es dem Bruder zu lehren . Die Mutter glaubte auch sich einen Anteil an seiner Darstellungsgabe zuschreiben zu dürfen , » denn einmal « , sagte sie , » konnte ich nicht ermüden zu erzählen , so wie er nicht ermüdete zuzuhören ; Luft , Feuer , Wasser und Erde stellte ich ihm unter schönen Prinzessinnen vor , und alles , was in der ganzen Natur vorging , dem ergab sich eine Bedeutung , an die ich bald selbst fester glaubte als meine Zuhörer , und da wir uns erst zwischen den Gestirnen Straßen dachten , und daß wir einst Sterne bewohnen würden , und welchen großen Geistern wir da oben begegnen würden , da war kein Mensch so eifrig auf die Stunde des Erzählens mit den Kindern wie ich , ja , ich war im höchsten Grad begierig , unsere kleinen eingebildeten Erzählungen weiterzuführen , und eine Einladung , die mich um einen solchen Abend brachte , war mir immer verdrießlich . Da saß ich , und da verschlang er mich bald mit seinen großen schwarzen Augen , und wenn das Schicksal irgendeines Lieblings nicht recht nach seinem Sinn ging , da sah ich , wie die Zornader an der Stirn schwoll , und wie er die Tränen verbiß . Manchmal griff er ein und sagte , noch eh ich meine Wendung genommen hatte : » Nicht wahr , Mutter , die Prinzessin heiratet nicht den verdammten Schneider , wenn er auch den Riesen totschlägt « ; wenn ich nun Halt machte und die Katastrophe auf den nächsten Abend verschob , so konnte ich sicher sein , daß er bis dahin alles zurechtgerückt hatte , und so ward mir denn meine Einbildungskraft , wo sie nicht mehr zureichte , häufig durch die seine ersetzt ; wenn ich denn am nächsten Abend die Schicksalsfäden nach seiner Angabe weiter lenkte und sagte : » Du hast ' s geraten , so ist ' s gekommen « , da war er Feuer und Flamme , und man konnte sein Herzchen unter der Halskrause schlagen sehen . Der Großmutter , die im Hinterhause wohnte , und deren Liebling er war , vertraute er nun allemal seine Ansichten , wie es mit der Erzählung wohl noch werde , und von dieser erfuhr ich , wie ich seinen Wünschen gemäß weiter im Text kommen solle , und so war ein geheimes diplomatisches Treiben zwischen uns , das keiner an den andern verriet ; so hatte ich die Satisfaktion , zum Genuß und Erstaunen der Zuhörenden , meine Märchen vorzutragen , und der