, und sich hernach im Stillen Vorwürfe genug machen müssen ! Dir ehrlich gestanden , mir kommt es so vor , als wäre sein Antrag nur so ein Angst- und Nothgeschrei gewesen . Er fürchtete , es würde ihm eben so mit Dir gehen , und die Welt noch scheeler dazu sehen , als das Erstemal . An Deiner Stelle hätte ich gar nicht darauf geachtet . Er war dann beruhigt , und über alle Nackenschläge weg . Du konntest Dich wieder selbst respektiren , und vor den Menschen , da kriegte Alles ein ganz anderes Ansehen . Ich begreife die Leute gar nicht , die Du um Dich hast ! ob das keiner einsieht oder Dir nur nicht sagen will ? Die Freude und der Jubel über solche unschickliche Verbindung ist mir ganz unverständlich . Denke Dir mal selbst die Sache so recht deutlich , wie sie sich wirklich begeben hat , und dann frage Dich , ob es Dich nicht beleidigen würde , wenn Du es bei Andern so zugehen sähest ? Ich stelle mir manchmal vor , der würdige , alte Herr und die kluge Stiftsdame könnten gar nicht im Irrthum sein , dazu besitzen sie wohl viel zu viel wahre Delicatesse . Allein der Umstand , Elischen , daß Du so sehr daran hängst , und daß sie wohl sehen , Du willst Dich sonst nicht auf andere Art vor der Welt wieder herstellen , Dir fehle es ganz an Muth und Entschluß , Deine Parthie zu nehmen , und Deine unbegreifliche Leidenschaft werde Dich noch unzählig viel unvorsichtige Schritte begehen lassen , das macht es , daß sie denken , lieber ein Uebel als so viel ärgerliches Aufsehen . Nun sieh ' mal , bist Du es denn nicht , deren Schwäche sie nachgeben ? Habe ich unrecht , wenn ich jetzt schelte , indeß Andere Dich loben ? Was dabei zu loben ist , das kann doch wohl kein gescheuter Mensch einsehen ! Nein , mein Kind , darin irrst Du sehr , gut geheißen habe ich früher auch nicht , was die Welt tadelte , tadeln mußte . Aber , es schien mir barbarisch , eine Gefallene vollends niederzutreten . Und dann kam auch damals die Weisheit hintendrein . Doch jetzt ist es noch Zeit . Wenn Du wolltest ... wahrhaftig , ich schweige ganz von Curd , ich will nicht einmal an ihn denken , ob ich gleich gewiß bin , er wäre ganz der Mann darnach , alles Geschehene vergessen zu machen . - Doch Gott bewahre mich ! Nein , ganz abgesehen davon , um Dich allein , mein Herzchen . Du sonnest Dich jetzt so recht bequem und ruhig in Deinem Glück , aber , aber ! Die Herbstsonne , die leihet uns nur ihre Strahlen , das hat keine Art mehr ! Das Gewölk fliegt drüber hin , ehe man es denkt , und Sturm und Regen sind da . Ueberlege dies , liebe Elise ! Ich meine es gut . Du kennst mich , aber Dich selbst kennst Du nicht . Elise an Hugo Stellen Sie sich vor , die Gräfin Ulmenstein ließ sich vor einer Stunde bei mir ansagen , eben fährt sie wieder weg . Was in dieser Stunde alles hier in dem kleinen Zimmerchen geschwatzt worden ist , das möchte ich nicht behalten können , und Ihnen auch nicht wiederholen . Doch der große Gegenstand dieses formellen Besuchs war eine Verlobungsanzeige . Curd und Agathe ! Ich hatte Mühe , nicht zu lachen . Lieber Freund , mir ist ein Stein vom Herzen . Nun bin ich ihn und die redliche Mutter los . Die weiß noch nicht ein Wort von der Geschichte . Sie wird Augen machen . Mag sie sehen , was sie mit ihm anfängt . Ach , er ist ein sogenannter guter Mensch ! Man ist gegen diese Sorte in der letzten , überklugen Zeit oft sehr unbillig gewesen , Sophie ist es noch . Ich streite mit ihr darüber . Sie behauptet , da liege das Gegengewicht alles höhern Strebens . Die plumpe Masse hänge sich unversehens an , und ziehe Andere herunter . Ich leugne ihr überall das Wagerecht ab . Wer hält die Schaale ? Man soll nicht so den Richter spielen . Aufgeblasene Leerheit hat freilich etwas Lächerliches . Nun , so lache man ! Ich bin eher hierzu , als zum Unwillen gestimmt , und wahrhaftig , wenn mir Curd auch lästig war , Sophie thut ihm doch zu viel . Aber wie breit und stolz und wichtig unsere Nachbarin hier vorfuhr ! Ich mußte mir in die Lippen beißen über diesen Triumphzug . Der Bräutigam hat sich begnügt , mir eine Karte zu schicken . Mein Gott , warum ? daß die Menschen aus Verlegenheit so oft unnatürlich werden ! Hätte der gute Vetter seine Blödigkeit überwunden , wir würden im Augenblick unser Verhältniß festgestellt , und uns später unvermeidliche Verdrüßlichkeiten erspart haben ; denn ich kann einmal das stramme Nichtachten und Fremdthun unter Menschen , die sich besser kennen , nicht leiden . Der Unwille springt mir über die Lippen und es giebt Auftritte . Apropos ! wissen Sie , daß unser Räthsel hier in Eduards Hause , eine Verwandte vom * * * schen Hofe sein soll ! Man weiß ganz gewiß , daß sie in Verbindung mit diesem steht . Die Oberhofmeisterin correspondirt mit der Kammerfrau oder Gesellschafterin . So viel hat Walter ausspionirt . Sie ist Aebtissin eines Florentinischen Klosters . Das Geheimniß , das sie umgiebt , soll politische Ursachen haben , so wie ihre Entfernung aus Italien ; die Gräfin wußte auch davon , und gab zu verstehen , eine aufgelöste Heirath aus Familienrücksichten , Hof-Intriguen , Vergiftung , und Gott weiß , welches romanhafte Quodlibet , habe sie um den Verstand gebracht . Ihrer Aehnlichkeit mit der Fürstin von * * * schreibt man es zu , daß sie stets verschleiert umhergeht . Ich möchte sie wohl