ich Dich bringen ? « fragte Dagobert , um die verwunderten Gaffer an den Hausthüren unbekümmert : » Esther , sprich ! Wo hausest Du denn Mädchen ? « - » Vor die Stadt bringt mich , edler Herr ! « seufzte Esther : » Vor die Stadt nur geleitet mich . « - » So laß den garstigen Steigbügel fahren , « erwiederte Dagobert : » und ergreife die Quaste meiner Satteldecke « - Dies geschah ; ehe jedoch noch des Zwingers Graben erreicht war , ruhte Esthers Hand schon in der Rechten Dagoberts . Vor dem Thore , zu welchem kurz zuvor der Jüngling herein geritten , saß er ab , und sprach zu Esther : » Nun sage an , mein Kind , wohin Du Deine Schritte zu lenken gedenkst ? Warum entfliehst Du den Ringmauern der Stadt ? Hast Du kein sicheres Obdach in derselben ? « - Wehmüthig schüttelte Esther , das von Perlen der Kindesliebe geschmückte Haupt . - » Ei , so sage doch , um Gott , wo Du weiltest in den verflossenen Tagen ? « fuhr Dagobert betroffen fort : » Ich wähnte Dich in Deines Großvaters Haus und Armen . Sprich doch , Du armes Mägdlein , sprich . « - » Jochai liegt im Gefängniß , gleich meinem Vater ; « antwortete Esther schluchzend : » An die Thüren unsrer Nachbarn und Glaubensfreunde wandte ich mich ; aber von allen wies man die Tochter , der als Verbrecher gehaltenen Leute zurück . Als ob mich die Schule in Bann gethan , flohen mich alle Bekannte , und nur bei dem Judenarzt Joseph fand ich eine Aufnahme , nach langem , langem Bedenken von seiner Seite ; nach vielem Einreden seines Weibes . « - » O Du bemitleidenswerthes Geschöpf ! « sprach hier Dagobert theilnehmend , und schmeichelnd ihre Hand fassend : » daß Du gezungen wurdest , bei dem hoffärtigen Manne Brod und Wohnstätte zu begehren ! Daß ich Dich schonungslos solchem Zufall überließ ! Wie aber wurdest Du von ihm gehalten ? Warum kehrst Du nicht zu ihm zurück ? « - » Erlaubt mir , davon zu schweigen ! « bat Esther mit niedergeschlagenen Augen und geschämiger Wange . - » Nein , Esther ; « fuhr der heftige Jüngling fort : » Wissen muß ich ' s , Du darfst mir ' s nicht verschweigen ! « - » Daß er mich gleich einer dienenden Magd behandelte , « sagte Esther zögernd und oft innehaltend , - » hatte ich ihm gern verziehen ; die Hülflosigkeit muß ja immer Sklavendienste leisten ; - aber , - daß er eines schändlichen Handels Hoffnung auf meinen Kummer , auf meine Liebe zum Vater baute , ..... das kann ich ihm kaum vergeben , und nimmer kehre ich darum zurück zu dem abscheulichen Mann . « » Von welchem Handel sprichst Du ? « fragte der Jüngling bebend : ..... » rede , mein Kind , ich muß es erfahren ; .... hörst Du ? .... ich muß . « - » Dem Schultheiß wollte er mich verkaufen , « antwortete Esther , ihr Antlitz mit den Händen verbergend : » ich sollte für meines Vaters leichtere Haft einen Preis zahlen , den .... ach ; erlaßt mir das Übrige . « - » Schurke ! « knirschte Dagobert . - » Ich widerstand ; « sprach Esther weiter : » ich zürnte dem Unholde ; da entdeckte er mir schonungslos , was mein Vater verbrochen haben soll , und daß er gerade jetzo zum Hause seiner Väter geschleppt worden sey . Halb gekleidet , wie ich war , heulend vor Schmerz und Angst enteilte ich dem Hause Josephs , fest entschlossen , nimmer dessen Schwelle wieder zu betreten . « » Da sey Gott vor ! « entgegnete Dagobert , mit der Faust gegen die Stadt drohend : » Dem hageprunkenden Fettwanst will ich ' s gedenken , sollte er mir einst unter die Augen kommen . Wo aber , wo , mein gutes Dirnlein , wo gedenkst Du hin ? Wo leben die Freunde , wo Verwandte , die Dein Schicksal beweinen ? « - » Ach , nirgends , Herr ; « klagte die Verlassene : » ich habe Niemand , den eine Pflicht verbände , mir zu helfen . Hingehen will ich aber auf irgend ein Dorf , und in einem Stalle mich betten , und täglich nach der Stadt ziehen , und täglich zu den Füßen der Wächter meines Vaters um die Gnade betteln , ihn sehen zu dürfen in seiner Gefangenschaft . Vielleicht wird einmal doch meine Bitte erhört , - vielleicht gewährt man mir endlich die größre , im Kerker zu bleiben , bei ihm , dem meine Sorgfalt , mein Leben gehört . « - » Esther ! Mädchen ! « sprach Dagobert bekümmert : » Betrübe mich nicht also , und handle nicht wie eine Mörderin an Dir selbst ! Du solltest eine Beute des rohen Bauernvolkes werden ; - am Ende dennoch durch Deine unablässigen Bitten und Versuche in die Hände des saubern Gelichters gerathen , denen ich Dich so eben entrissen ? Wahrlich ; das gebe ich nicht zu . « - Vollbrecht gaffte mit offnem Munde dem seltnen Auftritt zu ; Dagobert , der es jedoch bemerkte , gab ihm den Befehl , die Rosse heimzuführen . Obwohl ungern , jedoch vom Gefühl des Gehorsams beseelt , that Vollbrecht , wie ihm geheißen . - Da er sich entfernt hatte , bog Dagobert , im Gespräch mit Esther , in den Sandweg ein , den er kurz vorher beritten . - » Du mußt mir eine Liebe thun , « sagte er zu Esther , die in stiller Erwartung neben ihm ging . - » Welche ? mein guter Herr ? « fragte sie , die sanftleuchtenden Augen zu ihm erhebend : » Sprecht . Nach dem Vater gehöre ich Euch allein . « - »