sie sich recht besinnen konnten , war der fürchterliche Mann mitten in ihren Reihen , die Württemberger brachen , trotz des entscheidenden Augenblickes , in ein lustiges Gelächter aus , und auch dieses mochte beitragen , die tapfern Truppen von Ulm , Gmünd , Aalen , Nürnberg und noch zehn andern Reichsstädten , welche dieser unerwartete Angriff traf , zu verwirren ; sie zerstiebten vor der ungeheuren Wucht der zweihundert Pferde , und die ganze Schar war im Rücken des Feindes . Sie setzte eilig ihren Marsch fort , und ehe noch die bündische Reiterei zum Nachsetzen herbeigerufen werden konnte , hatte der Herzog mit wenigen Begleitern sich zur Seite geschlagen ; er gewann einen großen Vorsprung , denn die Reiterei des Bundes erreichte die berittene Schar der Bürger erst vor den Toren von Stuttgart , und es fand sich unter ihnen weder der Herzog , noch einer seiner wichtigeren Anhänger , außer dem Kanzler Ambrosius Volland , den man halbtot vom Pferde hob . Die bündischen Kriegsleute behandelten ihn , nachdem man ihm die gewölbte Rüstung vom Leib geschält hatte , sehr übel , denn nur seiner fürchterlichen , alle Begriffe übersteigenden Tapferkeit , schrieben sie es zu , daß ihnen der Herzog und mit ihm eine Belohnung von tausend Goldgulden entgangen war . So geschah es , daß dieser tapfere Kanzler , nicht wie sein Herzog in der Schlacht , sondern nach der Schlacht geschlagen wurde . X Wohl wieget eines viele Taten auf - Sie achten drauf - Das ist um deines Vaterlandes Not Der Heldentod . Sieh hin , die Feinde fliehen , blick hinan , Der Himmel glänzt , dahin ist unsre Bahn . L. Uhland Die Nacht , welche diesem entscheidenden Tag folgte , brachten Herzog Ulerich und seine Begleiter in einer engen Waldschlucht zu , die durch Felsen und Gesträuche einen sicheren Versteck gewährte , und noch heute bei dem Landvolk die » Ulerichshöhle « genannt wird . Es war der Pfeifer von Hardt , der ihnen auf ihrer Flucht als ein Retter in der Not erschienen war , und sie in diese Bucht führte , die nur den Bauern und Hirten der Gegend bekannt war . Der Herzog hatte beschlossen , hier zu rasten , um dann , sobald der Tag graute , seine Flucht nach der Schweiz fortzusetzen . Wohl wäre ihm hiezu die Nacht günstiger gewesen , denn die Bundestruppen hatten schon das Land besetzt , und es war wenig Wahrscheinlichkeit vorhanden , daß er sie täuschen und ungehindert entkommen werde ; aber die Pferde waren von dem heißen Schlachttag ermüdet , und es war unmöglich , den Herzog und seine notwendige Begleitung von neuem beritten zu machen , ohne die Nachforschung des Feindes nach diesem Schlupfwinkel zu leiten . Die Männer hatten sich um ein spärliches Feuer gelagert . Der Herzog war längst dem Schlummer in die Arme gesunken , und vergaß vielleicht in seinen Träumen , daß er ein Herzogtum verloren habe ; auch der alte Herr von Lichtenstein schlief , und Marx Stumpf von Schweinsberg hatte seine mächtigen Arme auf die Kniee gestützt , sein Gesicht in die Hände verborgen , und man war ungewiß , ob er schlafe oder in Kummer versunken , über das Schicksal des Herzogs nachdachte , das sich mit einem Schlag so furchtbar gewendet hatte . Georg von Sturmfeder besiegte die Macht des Schlummers , der sich immer wieder über ihn lagern wollte ; er war der jüngste unter allen , und hatte freiwillig in dieser Nacht die Wache übernommen . Neben ihm saß Hanns , der Pfeifer von Hardt ; er sah unverwandt ins Feuer , und seine Gedanken schienen sich in einem Liedchen zu sammeln , dessen melancholische Weisen er mit leiser unterdrückter Stimme vor sich hin sang . Wenn das Feuer heller aufflackerte , schaute er mit einem trüben Blick nach dem Herzog , und wenn er sah , daß jener noch immer schlafe , versank er wieder in den flüsternden , traurigen Gesang . » Du singst eine traurige Weise , Hanns ! « unterbrach ihn Georg , den die melancholischen Töne dieses Liedes unheimlich anregten ; » es tönt wie Totengesang und Sterblieder , ich kann es nicht ohne Schaudern hören . « » Wir können alle Tage sterben « , sagte der Spielmann , indem er düster in die Flamme blickte ; » drum sing ich gerne ein solches Lied , es ist mir , als könnte ich mit solchen Gedanken würdiger sterben . « » Wie kommst du auf einmal zu diesen Todesgedanken Hanns ? Du warst doch sonst ein fröhlicher Bursche zur Herbstzeit , und deine Zither tönte auf mancher Kirchweih . Da hast du gewiß keine Totenlieder gesungen . « » Meine Freude ist aus « , erwiderte er und wies auf den Herzog ; » all meine Mühe , all meine Sorge war vergebens ; es ist aus mit dem Herrn und ich - ich bin sein Schatten ; auch mit mir ist ' s aus ; hätte ich nicht Frau und Kind , ich möchte heute nacht noch sterben . « » Wohl warst du immer sein getreuer Schatten « , sagte der junge Mann gerührt , » und oft habe ich deine Treue bewundert ; höre Hanns ! wir sehen uns vielleicht lange nicht mehr . Jetzt haben wir Zeit zu schwatzen , erzähle mir was dich so ausschließlich und enge an den Herzog knüpft ; wenn es etwas ist , das du erzählen kannst . « Er schwieg einige Augenblicke und schürte das Feuer zurecht ein unruhiges Feuer blitzte in seinen Augen , und Georg war ungewiß ob es die Flamme oder eine innere Bewegung sei , was seine ausdrucksvollen Züge mit wechselnder Röte übergoß . » Das hat seine eigene Bewandtnis « , sagte er endlich , » und ich spreche nicht gerne davon . Doch Ihr habt recht , Herr , auch mir ist es als werden wir uns lange nicht mehr sehen , so will ich