aber doch dabei immer auf Ehre hält , trotz dem ersten Edelmann . « » Hören Sie mich aber endlich einmal an , lieber Kleeborn , was ich Ihnen zu sagen habe ist ganz andrer Art als Sie wohl vermuthen , « sprach Anna , indem sie ein großes Packet Papiere vor sich auf den Tisch hinlegte . Kleeborns gewohnte Ehrfurcht vor allem , was einem Geschäfte ähnlich sah , bewog ihn , bei diesem Anblicke ihr alle Aufmerksamkeit zu schenken , die sie nur verlangen konnte ; er unterbrach sie nicht ein einzigesmal , während sie Alberts und dessen Sohnes Geschichte ihm theils erzählte , theils durch Vorlesung einzelner Stellen aus den vor ihr liegenden Papieren ihm deutlicher machte . Zuletzt legte sie ihm noch eine Abschrift der Anerkennungs-Urkunde des Lehnhofes vor , durch welche Raimund Holm als der letzte Zweig der von Leuen in den Besitz des Erbtheils seiner Väter eingesetzt ward , und einen Anschlag seiner jetzt ganz schuldenfreien Güter . » Sie sehen wohl ein , « sprach Anna lächelnd , während Kleeborn die ihm vorgelegten Documente sehr aufmerksam durchging , » Sie sehen wohl ein , daß jetzt von des jungen von Leuen Verbindlichkeiten gegen Herrn Fischer nicht mehr die Rede seyn kann , und auch , daß bei dessen noch immer bestehender treuen Liebe zu Ihrer Tochter kein niedriger Eigennutz im Spiele ist ; um so weniger , da das von seinem Vater ererbte Vermögen des jungen Mannes bedeutender ist , als Sie wohl glauben , und ich mich auch jetzt in meinem Gewissen für verpflichtet halte , ihn zum Erben des größten Theils meiner Habe einzusetzen . Sie wissen , ich bin wohlhabend , aber ich verdanke dies einem Vermächtnisse des ältern Herrn von Leuen , der damals nicht wußte , daß sein Bruder , der Vater dieses Raimunds , noch am Leben sey , welcher sonst dessen natürlicher Erbe gewesen wäre . « » Ich sehe , Fräulein Schwester , « erwiederte Kleeborn recht freundlich , » daß Sie mir hier eine Parthie für meine Tochter anbieten , die alles weit übertrifft , was ich jemals für das Mädchen erwarten konnte . Und dennoch bin ich gezwungen , sie zurückzuweisen . « Anna erschrack gewaltig über diese deutlich ausgesprochene Erklärung , doch Kleeborn fuhr ganz gelassen fort zu reden . » Von allem dem Merkwürdigen , was ich heute von Ihnen vernommen habe , hat nichts einen tiefern Eindruck auf mich gemacht , als der Brief jenes Herrn Bernhard von Leuen , der ein sehr respektabler Mann gewesen seyn muß . Was er von den Verpflichtungen schreibt , die von solchen großen Besitzungen unzertrennlich sind , hat meinen vollkommensten Beifall . Was indessen damals dem Vater galt , muß jetzt dem Sohne gelten , er kann nicht mehr daran denken , Kaufmann bleiben zu wollen . Wenn er rechtlich handeln will , darf er um Vicktorinens willen den ihn angebornen Pflichten nicht entsagen . Zwischen dem Gutsbesitzer und dem Kaufmann darf er sich nicht theilen wollen , denn dieser besonders erfordert einen ganzen Mann , namentlich in unsern Tagen , wo alles auf die Spitze gestellt wird . « » Aber , lieber Herr Bruder , so bedenken Sie doch das Glück Ihres einzigen Kindes ! « rief Anna . » Glauben Sie nicht , « fuhr Kleeborn fort , der einmal ins Reden gekommen war , » glauben Sie nicht , daß ich aus blinder Anhänglichkeit an meinen gewiß nicht ungegründeten Widerwillen gegen Verbindungen Adliger mit Bürgerlichen hier so entscheidend spreche . Keine Regel ohne Ausnahme , pflege ich immer zu sagen , und wäre Vicktorine nicht meine einzige Erbin , nun so - aber wie die Sache steht ist es unmöglich . Was der alte Herr von Leuen in seinem Briefe über die Erhaltung seines alten edlen Namens schreibt , ist mir ebenfalls wie aus der Seele gesprochen . Zwar habe ich keine Gallerie von Ahnenbildern aufzuweisen , ich weiß kaum , wer der Vater meines Großvaters war , aber was nicht ist , kann werden ; warum sollte nach hundert oder zweihundert Jahren eine rechtliche bürgerliche Familie nicht auch mit Stolz auf ihre Vorfahren zurück sehen können ? Wir haben schon der Beispiele . Ich will der Stammvater meines Hauses seyn , so gut als der erste von Leuen es der des seinigen war , den Ihr verstorbener Freund mit Recht über alle seine Nachfolger erhebt , und der vielleicht von seinem Eltervater weniger wußte als ich von dem meinen . Mein Name , meine Firma dürfen nicht untergehen . Vicktorine muß sich darin ergeben . « » Einem Namen , einem bloßen Schalle soll die Arme geopfert werden ! « rief Anna , hingerissen von ihrem Gefühl , auch wohl ein wenig vom Zorne gegen sich selbst , weil sie , ohne es zu denken , dem alten Kleeborn die Waffen in die Hände gegeben hatte , die er jetzt ganz unerwartet gegen sie wandte . » Handelten denn nicht in tausend ähnlichen Fällen Ihre Standesgenossen eben so ? « erwiederte Kleeborn ebenfalls etwas gereizt . » Vicktorine aber wird nicht geopfert , Fräulein Schwester . Ich denke Kleeborns Tochter soll auch ferner noch unter Vielen die Wahl haben , wie sie bis jetzt sie gehabt hat , und ich will nichts weiter , als diese Wahl verständig zu leiten suchen , wie es dem Vater von Rechtswegen zukommt . « Anna fühlte , daß heftiger Widerspruch den Alten leicht dahin bringen könnte ein Wort auszusprechen , welches er , wie sie ihn kannte , hernach nimmermehr zurückgenommen hätte . Sie unterdrückte daher den eignen Unmuth , den seine letzten Reden in ihr erweckten . » Ich räume Ihnen ein , « sprach sie , » daß sich für Ihre Ansicht vieles sagen läßt , ich bin auch weit davon entfernt , das Gefühl zu tadeln das Sie zu diesen bestimmte . Aber ich bin auch Ihnen und den Ihrigen zu nahe verwandt und zu herzlich zugethan ,