Deshalb war ich auch gewohnt , alles , was an Kleinigkeiten am Fußboden lag , dem Herrn ohne weitere Aufforderung zu apportieren . Nun ! - Du weißt vielleicht , daß der Professor Lothario eine blutjunge und dabei bildhübsche Frau hat , die ihn auf das zärtlichste liebt , woran er gar nicht zweifeln darf , da sie es ihm jeden Augenblick versichert und ihn gerade dann mit Liebkosungen überhäuft , wenn er , in Büchern begraben , sich auf die zu haltende Vorlesung vorbereitet . Sie ist die Häuslichkeit selbst , da sie das Haus niemals vor zwölf Uhr verläßt , da sie doch schon um halb eilf Uhr aufgestanden , und , einfach in ihren Sitten , verschmäht sie nicht , mit der Köchin , mit dem Stubenmädchen die häuslichen Angelegenheiten bis ins tiefste Detail zu beraten und sich , ist das Wochengeld gewisser , nicht etatsmäßiger Ausgaben halber zu früh aus dem Beutel entwischt , und darf der Herr Professor nicht angegangen werden , ihrer Kasse zu bedienen . Die Zinsen dieser Anlehne trägt sie ab in kaum getragnen Kleidern , sowie diese und auch wohl Federhüte , in die die erstaunte Welt der Mägde Sonntags das Stubenmädchen geputzt sieht , als Lohn für gewisse geheime Gänge und andre Gefälligkeiten gelten dürften . Bei so vielen Vollkommenheiten mag wohl einer liebenswürdigen Frau die kleine Torheit ( ist es überhaupt Torheit zu nennen ) kaum verargt werden , daß ihr eifrigstes Streben , all ihr Tichten und Trachten dahin geht , stets nach der letzten Mode gekleidet zu gehen , daß ihr das Eleganteste , das Teuerste nicht elegant , nicht teuer genug ist , daß sie , hat sie ein Kleid dreimal , einen Hut viermal getragen , den türkschen Shawl einen Monat hindurch umgehängt , eine Idiosynkrasie dagegen empfindet und die kostbarste Garderobe wegwirft um einen Spottpreis oder , wie gesagt , die Mägde sich darin putzen läßt . Daß die Frau eines Professors der Ästhetik Sinn hat für schöne äußere Gestaltung , ist wohl gar nicht zu verwundern , und nur erfreulich kann es dem Gemahl sein , wenn dieser Sinn sich darin offenbart , daß die Gemahlin mit sichtlichem Wohlgefallen den Blick der feuerblitzenden Augen auf schönen Jünglingen ruhen läßt , diesen auch wohl zuweilen etwas nachläuft . Manchmal bemerkte ich , daß dieser , jener artige junge Mann , der die Vorlesungen des Professors besuchte , die Türe des Auditoriums verfehlte und statt dieser die Türe , welche zum Zimmer der Professorin führte , leise öffnete und ebenso leise hineintrat . Beinahe mußte ich glauben , daß diese Verwechslung nicht ganz absichtslos geschah oder wenigstens niemanden gereute , denn keiner eilte , seinen Irrtum zu verbessern , sondern jeder , der hineingetreten , kam erst nach einer guten Zeit heraus und zwar mit solch lächelndem zufriednem Blick , als ob ihm der Besuch bei der Professorin ebenso angenehm und nützlich gewesen als eine ästhetische Vorlesung des Professors . Die schöne Lätitia ( so hieß des Professors Frau ) war mir nicht sonderlich gewogen . Sie litt mich nicht in ihrem Zimmer und mochte recht haben , da freilich der kultivierteste Pudel nicht dort hingehört , wo er bei jedem Schritt Gefahr läuft , Florspitzen zu zerreißen , Kleider zu beschmutzen , die auf allen Stühlen umherliegen . Doch wollt ' es der Professorin böser Genius , daß ich einmal bis in ihr Boudoir hineindrang . - Der Herr Professor hatte eines Tages bei einem Mittagsmahl mehr Wein getrunken als gerade dienlich und war darüber in eine hochbegeisterte Stimmung geraten . Zu Hause angekommen , ging er , ganz gegen seine Gewohnheit , geradezu in das Kabinett seiner Frau , und ich schlüpfte , selbst wußte ich nicht , was für eine besondere Lust mich dazu antrieb , mit hinein durch die Türe . Die Professorin war in Hauskleidern , deren Weiße dem frischgefallnen Schnee zu vergleichen , ihr ganzer Anzug zeigte nicht sowohl eine gewisse Sorglosigkeit als die tiefste Kunst der Toilette , die sich hinter dem Einfachen verbirgt und wie ein versteckter Feind desto gewisser siegt . Die Professorin war in der Tat allerliebst , und stärker als sonst empfand dies der halbberauschte Professor , der , ganz Liebe und Entzücken , die holde Gattin mit den süßesten Namen nannte , mit den zärtlichsten Liebkosungen überhäufte und darüber gar nicht eine gewisse Zerstreuung , ein gewisses unruhiges Mißbehagen bemerkte , das sich in dem ganzen Wesen der Professorin nur zu deutlich aussprach . Mir war die steigende Zärtlichkeit des begeisterten Ästhetikers unangenehm und lästig . Ich kam auf meinen alten Zeitvertreib und suchte am Boden umher . Gerade als der Professor in der höchsten Ekstase laut rief : Göttliches , hehres , himmlisches Weib , laß uns - tänzelte ich auf den Hinterbeinen zu ihm heran und apportierte ihm zierlich und wie bei diesem Akt jedesmal ein wenig mit dem Stutzschweif wedelnd , den feinen pomeranzfarbnen Männerhandschuh , den ich unter dem Sofa der Frau Professorin gefunden . - Starr blickte der Professor den Handschuh an und rief , wie plötzlich aufgeschreckt aus einem süßen Traum : Was ist das ? - Wem gehört dieser Handschuh ? wie ist er in dies Zimmer gekommen ? - Damit nahm er den Handschuh mir aus der Schnauze , besah ihn , hielt ihn an die Nase und rief dann wieder : Wo kommt dieser Handschuh her ? Lätitia , sprich , wer ist bei dir gewesen ? - Wie du , erwiderte die holde treue Lätitia mit dem ungewissen Ton der Verlegenheit , den sie sich vergebens mühte zu unterdrücken wie du nun auch seltsam bist , lieber Lothar , wem soll , wem wird der Handschuh gehören ? Die Majorin war hier und konnte bei dem Abschiede den Handschuh nicht finden , den sie auf der Treppe ausgestreut zu haben glaubte . - Die Majorin , schrie der Professor ganz außer sich , die Majorin , die kleine zartgebaute Frau , deren ganze