in die Fenstermauer . JOHANNA . Ach Gott , nie hatte ich größere Trauer . Dir hätt ich die Bohnen und die Schoten einst alle zum Geburtstag geboten . SPIEGELGLANZ . Zum Teufel , mach mir den Kopf nicht heiß , daß ich dich heut nicht schlage und schmeiß , das ist ein Heulen , ein Lamentieren , mit jedem Quark ein Mitleid spüren ; da ist kein Winkel dir zu klein , es muß dir zu was noch brauchbar sein , ich glaube , du hättest die ganze Welt mit lauter Spielzeug vollgestellt . Ich will doch endlich auch aufräumen , was klebt mir denn hier an beiden Däumen ? JOHANNA . Das hatte ich dir zum Geschenke bestimmt , nun wirfst du es in den Garten ergrimmt , es ist Bdellium vom Paradies , von einem Baum ich ' s heut abstieß . SPIEGELGLANZ . So soll dich ja der Teufel holen , wenn du mich aufziehst mit solchen Sachen , ich muß mir die Finger schmutzig machen , dir muß ich einmal die Hände besohlen . Als diese Strafe eben vollstreckt werden sollte , trat der Teufel als ein berühmter griechischer Professor Chrysolor herein , verwundert steht er still und lächelt : » Zucht bringt Frucht . « Er grüßte den ergrimmten , selbsterhitzten Lehrer mit spottender Sanftmut ; es freute ihn , daß alles Böse in ihm so rasch wie Unkraut aufwachse , er hatte ihn unterweges in anderer Gestalt schon geärgert , indem er ihn , der doch alles zu wissen vermeinte , einer Unwissenheit gezeiht , was eigentlich die ganze Veranlassung seines Ärgers über die kindische Spielerei war , die er selbst oft unterstützt und mitgemacht hatte . Der Teufel begrüßte ihn feierlich , sprach von seinem großen Rufe in der Metrik , der sich selbst bis Athen ausbreite , wo er jetzt das Richtmaß aller Poeten abgebe , und das Vorbild aller Erzieher . Nun erzählte er ihm von seinem Knaben , wie er den im fünften Jahre schon so weit gebracht , daß er den ganzen Plato vorwärts und rückwärts auswendig gewußt , die Verszahl jedes Homerischen Verses angeben konnte , und wie dieses Wunderkind jetzt schon seit einem Jahre nicht mehr schliefe , von Zuckerwasser sich nährte und von der Unsterblichkeit der Seele rede . Spiegelglanz hörte ihm verwundert zu ; mit heimlicher Tücke sah er auf die arme Johanna , sagte ihm aber dagegen , daß er den tiefsinnigen Erklärer des Aristoteles beim ersten Blicke in ihm erkannt . DER TEUFEL . Doch diesem Kind , so muß ich meinen , wird alles dies ein Geringes nur scheinen , in eigner Erziehung , da zeigt sich der Meister , da löset und richtet er alle Geister ; in wie viel Sprachen , darf ich fragen , kannst du mir das Vaterunser sagen ? SPIEGELGLANZ . Mein göttlicher Freund verschonen Sie heut , der Knabe ist heut gar sehr zerstreut . JOHANNA . Nein lieber Herr , ich bete gern , es hilft mir dabei etwas von fern . SPIEGELGLANZ . Wie werd ich beschämt , wie rett ich den Schein , in einer Sprache weiß sie es allein . - Aber ein Engel kam über das Kind , und sagte , wie sie da andächtig betete , das Vaterunser in allen Sprachen her , daß Spiegelglanz sich über das heimtückische Kind ärgerte , wie es ihm das bisher verschwiegen , und der Teufel staunte , wohlwissend , eine höhere Kraft wirke darin . DER TEUFEL . Du bist ein Wunderkind fürwahr , o sag mir , wie viel zählst du Jahr ? JOHANNA . Ich bin acht Jahr erst kürzlich gewesen , und seit dem vierten kann ich schreiben und lesen , kann deklinieren und konjugieren , und weiß , was alle Verba regieren . DER TEUFEL . So sag mir von welchem Geschlecht du bist . JOHANNA . Ich bin ja kein Wort , das ist Hinterlist . DER TEUFEL . Die Frage wirst du gar bald verstehen . SPIEGELGLANZ . O lassen Sie uns zum Dome gehen , viel Altertümer da drinnen stehen . ( Ich möchte schier in Angst vergehen . ) Doch der Teufel entschuldigte sich und eilte fort . Spiegelglanz begleitete ihn vors Tor ; sie unterhielten sich von der Erziehung zum Gelehrten , und der Teufel brachte ihm alle Grundsätze bei , die Kinder durch erweckte Eitelkeit , Neid , Habsucht zu schnellem Fortschritte zu bringen . Spiegelglanz kehrte heim , küßte seine Schülerin mit wütender Zärtlichkeit ; ihr heimliches Lernen hatte alle seine Erwartungen übertroffen . Er machte ihr kleine Geschenke , Kleider , Zeuge und versprach ihr , wenn sie in ihrem Fleiße fortfahren wolle , so machte er ihr die Preisaufgabe : jene Erzählung der Weltschöpfung in Alexandrinern , die er zum Wettstreite für den Platz in der Schule aufgegeben hatte . Johanna sprang fröhlich darüber in den Garten , da dachte sie aber , wie sie rot werden müßte , wenn sie nun den Preis und den ersten Platz erhielte , und sich schämen ; sie sah , wie jede Pflanze ihr Blatt , ihre Frucht bewahrte , ohne mit der schöneren zu tauschen , und schämte sich vor allen . Unschlüssig ging sie im Garten umher . Sie wollte einmal zurückkehren und alles aufsagen und selbst arbeiten , da sang ihr aber der Teufel als Kuckuck vor : Meine Eier Leg ich in andrer Nest . Bin nun freier , Säß sonst wie andre fest ; Die sie brüten aus , Sitzen still zu Haus . Alle Kinder rufen mir , Kuckuck , Kuckuck ich bin hier . Sie rief ihm nach , es war finster , die Zeit war vorbei . Spiegelglanz gab ihr seine Arbeit zum Abschreiben . Die Schüler kamen den andern Tag in höchster Erwartung zusammen ; da war kein Pochen , kein Stoßen , alles horchte , jeder hoffte der Erste zu werden , jeder hätte sein Leben darum gewagt . Johanna , die