, deren wirre , aufgeregte Stimmen von den Torwerken herauftönten . Warum hatte Runotter von den Gadnischen nichts erzählt ? Kein Wort vom jungen Someiner ? War da nichts Übles zu berichten ? Um dem Buben die Ruhe zu geben , glaubte Malimmes eine Frage , die wie gleichgültige Neugier aussah , wagen zu dürfen : » Hast du nit gesehen , Bauer , was mit den Gadnischen gewesen ist ? « » Wohl ! Und da muß ich dir ein Hartes sagen . « » Mir bloß ? Sag ' s ! « » Dein Bruder , als ein halb Heiler , ist mit ausgeruckt . Der liegt . Zwei von des Hauptmanns Trabanten haben ihn aus dem Sattel gestochen . Mir hast du ihn genommen . Und recht war ' s. Um deintwegen ist mir leid um ihn . Auch muß er arg an seiner Mutter gehangen haben . Wie ' s ihn auf dem Gaul überworfen hat , da hab ich ihn dreimal brüllen hören : Mutter , Mutter , Mutter ... « Das Gesicht des Malimmes verzerrte sich , als möchte jenes wilde Lachen aus seiner Kehle brechen . Dann war ' s , als hätte ihm eine unsichtbare Hand über die Augen gestrichen . Er sagte ernst : » Das kommt für jeden , daß er sich seines Bluts besinnt . « Und nach einer Weile : » Red weiter ! Von den anderen . « » Der Fürst hat sich mit dem Hochenecher gegen Salzburg durchgeschlagen . Das muß er dem jungen Someiner danken . Der hat sich für seinen Herren ins Zeug geschmissen wie ein Bärbeißer . « In die Stimme des Bauern kam ein Schwanken . » Mich hat er gemieden . Ich hab ihn auch nit gesucht . Gefechten hat er noch als der Beste , derweil ihm schon wie ein rotes Bächl das Blut über den Schenkel geronnen ist . « Erschrocken warf Malimmes einen Blick zu dem Buben hinüber . Der saß noch immer tief gebeugt . Schweigend ritten die drei dem Tor entgegen , bei dem das Häuflein der Spittelreiter schon eingetroffen war . Ein Gewimmel von Menschen . Die fingen zu jauchzen und zu jubeln an , als sie die Nachricht des Sieges hörten . » Guck « , sagte Runotter , der verwundert aufblickte , » da gibt ' s Menschen , die sich freuen . « Dieses Wort schien den Krampf zu lösen , der den Körper des Buben gefesselt hielt . Er hob das kalkweiße Gesicht mit den verzweifelten Augen , griff über den Gaul des Vaters hinüber , klammerte die Hand an den Ärmel des Malimmes und schrie : » Mensch , Mensch , warum hast du mich bei Aufham nit sterben lassen ! « » Geh , Jul , sei gescheit ! « Malimmes befreite seinen Arm und trieb den Ingolstädter neben den Falben hin . » Hätt ich dich sterben lassen , so tat ich liegen , wo du liegst . Und unser Bauer tät nit in Burghausen einreiten als lebendiger Gast des Herzogs . « » Laß den Buben ! « sagte Runotter hart . » Ganz unrecht hat er nit . Hätt ich schmecken können , was herauswachst aus dem gesiegelten Ochsenbrief - ich hätt die siebzehn Küh auf der Mordau niedergestochen , Stuck um Stuck , und hätt mich totschlagen lassen vom Seppi Ruechsam und den andern . « Er streckte sich im Sattel . » Jetzt ist ' s , wie ' s ist . Jetzt will ich den Kopf aufheben und dem Ding in die Augen schauen , das kommen muß . « Sie ritten in das Tor . Die Menschen , die sich drängten in der Halle , kreischten den drei Gepanzerten , denen man die Schwere des Krieges ansah , in aufgeregter Freude entgegen . Wie betrunken waren diese Leute . Und hübsche und häßliche Mädchen , die sich wie irrsinnig gebärdeten , warfen dem jungen , leichenblassen Harnischer Kußhände und Blumen zu . Von ihren Hälsen rissen sie die seidenen Tüchlein , die dünnen Silberketten , die Schaumünzen und schleuderten alles vor die Pferde hin - und sahen aus dabei , als wäre ein großes Glück in ihren Herzen . Der Falbe , als er aus dem Torbogen herausstampfte auf die Straße , fing hell zu wiehern an , weil er seine Heimat erkannte und den gewohnten Stall in der Nähe wußte . Und der Ingolstädter , den das Geschrei der Menschen zapplig machte , begann trotz seiner schweren Verwundung zu tänzeln und wollte schneller vom Fleck . Lachend sagte Malimmes : » Du Rössel aus Ingolstadt ! Jetzt reitest du ein bei Herzog Heinrich in Burghausen ! Und du wehrst dich nit . Wär ' s dein Ingolstädter Herzog , der tät sich spreißen ! « Das jubelnde Geschrei der vielen Leute , immer wachsend , schob sich durch die enge Häuserzeile gegen den Marktplatz hin . Und schöne Glocken fingen zu läuten an . Draußen vor dem Stadttor keuchte eine zerrissene Reihe von schweigsamen Menschen über die steile Straße hinauf , alte Mütter mit suchenden Augen , junge Frauen mit verstörten Gesichtern , täppelnde Kinder mit ratlosem Blick . Sie rannten gegen Raitenhaslach hin , immer schneller , schneller , schneller , dem langen , braun und grau gefleckten Karrenwurm entgegen , der die Sterbenden brachte und die Toten schon abgeladen hatte . 4 Herren-Chiemsee brannte . Und rings um den See herum stiegen die Feuersäulen der geschatzten Dörfer auf , wie kleine Kerzen einen schimmernden Altar umglänzen . Damit Herrn Heinrichs Schwur - » Gott soll ' s wollen ! « - Erfüllung fände , ließ der Seipelstorfer zwei junge Chorherren , die man hinter Aufham gefaßt hatte , in den See stoßen . Drei , die man im Stift gefangen , mußten je tausend Dukaten Lösegeld bezahlen . Jene , die auf guten Gäulen entronnen waren - unter ihnen Bischof Engelmar und der Chorherr Hartneid Aschacher - flüchteten nach