Karosse , mit sechs Schimmeln bespannt . Vorreiter war der Feldprofoß , und als einziger Diener , dem dies vom Kriegsgerichte verstattet worden , ging nebenher der treue Konstantin . Wo unterwegs aus den Fenstern Frauen oder Jungfern heraussahen , zog der ritterliche Herr seinen Hut . Ist so frei im Wagen gesessen , als ging es zum Tanze , nach den Fenstern winkend und lächelnd . Vor dem Gasthause zum goldnen Kreuz hat der Wagen gehalten , weil innen im Saale das Kriegsgericht zur Verlesung des Todesurtels versammelt war . Wie nun General Götz den Vorwurf des Verrats und Eidbruches aussprach , verließ unsern Herrn seine Ruhe , daß er sich auf die Brust schlug und mit erhobenen Schwurfingern aufbrausete : Das leugest du , Götz ; am Tage der Auferstehung zitiere ich dich und manchen andern vor das Jüngste Gericht . Nicht schuldig dessen bin ich , was ihr mir zur Last leget ! - Der erblichene Götz mußte sich erst sammeln , um fortfahren zu können , daß der Beklagte kaiserlichen Pardons nicht fähig , sondern Ihrer Majestät mit Ehr , Leib und Gut heimgefallen sei , dessenwegen er als ein abscheulich warnend Exempel dem Freimann überantwortet werde , um vom Leben zum Tode zu gelangen , und zwar mittelst des Schwertes derart , daß der Kopf der kleine , der Leib der größere Teil bleibe . Was aber die zuerkannte Abschlagung der Schwurhand betreffe , so sei diese ihm durch kaiserliche Gnade erlassen . - Nicht ohne einen Anflug von Spott hat sich Hans Ulrich geneiget . Dann hat er die Frage getan : Ist es wahr , daß der Platz meiner Hinrichtung die Heide geheißen ? Wie Götz dies bestätigte , lächelte unser Herr wehmütig : Also soll ich doch auf grüner Heiden mein Leben lassen . Habe mir oft gewünscht , mein Herzblut dorten zu vergießen , wo ein Kriegsmann hingehört . Furcht vor dem Tode hat mich nie angewandelt , obwohl er mir oft so nahe , daß ich ihn mit dem Finger konnt erreichen . Allerdings sterb ich auf grüner Heiden am kalten Eisen . Doch stirbt es sich auf jede Weise wohl , so man bereit , vor Gottes Angesicht zu treten . - Hier tat ein Oberster einen tiefen Seufzer und meinte : Herr Schaffgotsch machet , daß wir bald mitsterben möchten . - Da sei Gott vor ! antwortete unser Herr . Vielmehr möget ihr alle lange leben und , falls es gestorben sein soll , im heißen Kampfe fallen fürs Vaterland . Bis dahin gehabt euch wohl , Kameraden ! Ist Zeit , daß ich mich auf jenen Weg begebe , den man nimmer zurückgehen kann . - Wie nun unser Herr vom versammelten Kriegsgericht Urlaub genommen und den Saal verlassen hatte , stunden bei der Treppe zween Jesuiter und baten ihn um des Jüngsten Gerichtes willen , seine Seele nicht so halsstarrig dem Teufel zuzuführen . Ich habe meine Seele schon versorgt , antwortete Hans Ulrich ; möchtet ihr dem Jüngsten Tag vertrauensvoll entgegensehen wie ich ! Da aber die Pfaffen weiter zudringlich waren , schlug er mit den Händen hinter sich , wie man Mücken scheuchet . Vor dem Gasthause begrüßte die Wache den heraustretenden ehemaligen General unter Gewehr , mit Trommelwirbel , die Offiziere den Degen gesenkt . Erfreut dankte der Geehrte und versicherte , er sterbe als redlicher Soldat . Von hier gings im Wagen zur Heide , wo das Blutgerüst war , von zwei Fähnlein umzingelt ; und unter Schwenken der Standarten wirbelten die Trommeln , daß man sein eigen Wort nicht hätte verstehen können . Voll Todesmut stieg Hans Ulrich die Treppe zum Schafott empor , gefolgt vom Profossen und dem treuen Konstantin . Dieser nahm seinem Herrn hurtig den Halskragen ab und band ihm das Haar mit einem weißen Tuche in die Höhe , daß der Nacken frei war . Nun faltete unser guter gnädiger Herr zum allerletzten Gebet die Hände und setzte sich fest und gerade auf den Schemel . So will ich denn diesen Leib verlassen und dies arme Leben ; Dir zu eigen geb ich meine Seele , gnädiger Herr Gott - sprach er mit fester Stimme , wie hinterher der treue Konstantin berichtet hat . Dann auf einmal stund hinter ihm der schwarzgekleidete Scharfrichter . Von rückwärts war er hinzugetreten , ließ nun den roten übers Schwert gebreiteten Mantel fallen , schwang es - ich sehe es noch in der Sonne blitzen , - und im Nu war der Streich verrichtet . « Die Hand über die Augen gelegt , hielt der Trompeterhans inne - und ein einziger dumpfer Seufzer entrang sich den Zuhörern - wie die Bäume zusammenstöhnen , wann der Herbstwind sie ergreift . Männer schlugen die Hände vors Angesicht und schauderten , das Weibsvolk schluchzete . Der Trompeterhans aber raffte sich auf , um noch das Letzte zu berichten , und sprach leise unter Kopfnicken : » Ein glücklicher Streich ! Wie ein Springbrunnen schoß das Blut , und zu Boden rollte der Kopf , auf dem der Hut noch saß . Der Körper aber blieb fest auf dem Schemel sitzen , damit er noch auf diese Weise künde , von welchem Geiste er bewohnt gewesen . Konstantin nahm das blutige Haupt , küßte die Stirn und wickelte es in ein schwarzes Tuch . Die anderen Diener traten herzu und betteten die Leiche in den bereitstehenden Sarg , unabgewaschen und ohne daß der Kopf angenähet worden . Legten auch das blutbefleckte schwarze Tuch sowie den Degen hinein . Dies hatte Herr Schaffgotsch ausdrücklich befohlen ; so wie er zugerichtet war , wollte er am Jüngsten Tage dem Kaiser unter Christi Augen genübertreten . Und ohne Zweifel , dieser edle Herr , ein vaterländischer Märtyrer , verdient mit Gottes Gnade das ewige Leben . « Nach dieser Rede sank der Trompeterhans erschöpft zurück und war ächzend an einen Baumstamm gelehnt . » Amen ! « murmelten die Zuhörer , und es weinten selbst Männer .