, erwiderte sie ruhig und ernst , » wie Sie sich ja meistens in mir geirrt haben . Sie halten mich für recht oberflächlich , oder weiß Gott was . Nun , es hat ja keinen Sinn , weiter darüber zu reden . Aber jedenfalls ist es nicht so ganz unbegreiflich , daß ich mich nach dem Kind erkundige . Ich möchte es gern einmal sehen . « » Sie möchten es sehen ? « Er war bewegt . » Ja . Ich hätte sogar noch eine andre Idee ... die Sie aber wahrscheinlich ganz verrückt finden werden . « » Lassen Sie doch hören , Else . « » Ich denke mir nämlich , wir könnten es zu uns nehmen . « » Wer , wir ? « » James und ich . « » Nach England ? « » Wer sagt Ihnen denn , daß wir nach England gehen ? Wir bleiben hier . Wir haben schon eine Wohnung gemietet , im Cottage draußen . Es braucht ' s ja niemand zu wissen , daß es Ihr Kind ist . « » Was für ein romanhafter Gedanke . « » Gott , warum romanhaft ? Anna kann ' s doch nicht bei sich haben und Sie doch erst recht nicht . Wo soll ' s denn während der Proben stecken ? Im Souffleurkasten vielleicht ? « Georg lächelte . » Sie sind sehr gut , Else . « » Ich bin gar nicht gut . Ich denk nur , warum soll denn so ein unschuldiges kleines Geschöpf dafür büßen , oder darunter leiden , daß ... na ja , ich meine , es kann doch nichts dafür ... schließlich ... Ist es ein Bub ? « » Es war ein Bub . « Er machte eine Pause . Dann sagte er leise : » Es ist nämlich tot . « Und er sah vor sich hin . » Was ? Ach so , Sie wollen sich ... vor meiner Zudringlichkeit schützen . « » Else , wie können Sie denn ... Nein , Else . In solchen Dingen lügt man nicht . « » Also wirklich ? Ja , wie ist denn das ... « » Es ist tot zur Welt gekommen . « Sie sah zu Boden . » Nein , wie schrecklich ! « Sie schüttelte den Kopf . » Wie schrecklich ! ... Nun hat sie mit einemmal gar nichts mehr . « Georg zuckte leicht zusammen , aber vermochte nichts zu antworten . Wie entschieden es für alle schien , daß die Geschichte mit Anna zu Ende war . Und ihn bedauerte Else gar nicht . Sie ahnte wohl nicht einmal , wie der Tod des Kindes ihn erschüttert hatte . Wie konnte sie es auch ahnen ! Was wußte sie von der Stunde , da der Garten seine Farben , der Himmel sein Licht für ihn verloren hatte , weil sein wunderschönes Kind tot drin im Hause lag . Frau Ehrenberg war herangekommen . Sie drückte Georg ihre besondere Zufriedenheit aus . Sie habe übrigens nie daran gezweifelt , daß er seinen Mann stellen würde , sobald er nur einmal in einem Beruf mitten drin stände . Auch sei sie fest überzeugt : in drei bis fünf Jahren hätten sie ihn hier , in Wien , als Kapellmeister . Georg wehrte ab . Er denke vorläufig gar nicht daran , nach Wien zurückzukehren . Er fühle , daß man draußen im Reich mehr und ernster arbeite . Hier sei man immer in Gefahr , sich zu verlieren . Frau Ehrenberg stimmte zu und nahm Anlaß , sich über Heinrich Bermann zu beschweren , der als Dichter verstummt sei und sich nebstbei nicht mehr blicken lasse . Georg nahm ihn in Schutz und fühlte sich verpflichtet , festzustellen , daß Heinrich fleißiger wäre als je . Aber Frau Ehrenberg hatte auch andre Beispiele für den verderblichen Einfluß der Wiener Luft . Nürnberger vor allem , der sich nun vollkommen von der Welt abzuschließen scheine . Und was mit Oskar passiert sei ... hätte das in einer andern Stadt als in Wien geschehen können ? Ob Georg übrigens wüßte , daß Oskar mit dem Prinzen von Guastalla auf Reisen wäre ? Sie tat , als fände sie daran nichts Besonderes , Georg merkte ihr aber an , daß sie ein wenig stolz war und irgendwie die Meinung hegte , als hätte mit Oskar sich schließlich doch noch alles zum Guten gefügt . Während Georg mit Frau Ehrenberg sprach , sah er zuweilen die Blicke Elses auf sich gerichtet , die sich mit James in den Erker zurückgezogen hatte , wissende , schwermütige Blicke , die ihn beinahe durchschauerten . Er empfahl sich bald , fühlte einen unbegreiflich fremden Händedruck von Else , gleichgültig-liebenswürdige von den andern und ging . Wie das nur zugeht , dachte er im Wagen , der ihn zu Heinrich führte . Die Leute wußten alles früher als er selbst . Sie hatten von seinem Verhältnis mit Anna gewußt , ehe es angefangen und jetzt wußten sie wieder früher als er , daß es zu Ende war . Er hatte nicht übel Lust , ihnen allen zu beweisen , daß sie sich irrten . Freilich , in solch einer Lebenssache durfte man sich durch Trotz am wenigsten bestimmen lassen . Es war gut , daß nun ein paar Monate kamen , in denen er sich wieder sammeln , alles reiflich erwägen konnte . Auch für Anna würde es gut sein ; für sie vielleicht ganz besonders . Der gestrige Spaziergang mit ihr im Regen über die feuchtbräunlichen Straßen fiel ihm wieder ein und erschien ihm wie etwas unsagbar Trauriges . Ach , die Stunden in dem gewölbten Zimmer , in das von drüben durch den wallenden Schneevorhang die Orgel hereinklang ! Wo waren sie ! Diese und so viele andre wundervolle Stunden , wo waren sie hin ! Er sah sich und Anna im Geiste wieder , ein junges Paar auf der