angetroffen . Aber was sollte er jetzt anfangen ? wofür seine Hände rühren ? Die Leute redeten ihn an , einzelne aus Mitleid , die meisten aus Neugier ; sein Wesen war allen ein Rätsel . Aber , da man fast nie eine Antwort von ihm erhielt , unterblieb das Anreden mit der Zeit . Die Kinder lachten wohl über die struppige Erscheinung des Alten , liefen ihm nach ; auch Erwachsene wagten hie und da eine Spottrede hinter seinem Rücken . Aber ins Gesicht ihn zu höhnen , wagte niemand ; das Elend hatte noch nicht ganz die Ehrfurcht gebietende Würde aus der Erscheinung des Greises gelöscht . Der Pfarrer stellte den alten Mann auf der Straße und ging eine Strecke mit ihm . Da gab es zarte Vorwürfe zu hören , daß Büttner nicht mehr zur Predigt und zum Tische des Herrn komme . Der Bauer zuckte verdrossen die Achseln , blieb dem Seelsorger die Antwort schuldig . Ein andermal traf Büttner mit dem Güterdirektor des Grafen zusammen . Hauptmann Schroff hielt sein Pferd an und begrüßte den alten Mann . Der Hauptmann beklagte , daß alles so gekommen wäre . Nun das Bauerngut nicht mehr für ihn zu haben sei , habe der Graf seinen Sinn geändert . Er bereue jetzt , den Juden hineingelassen zu haben . Die neue Nachbarschaft sei dem Herrn Grafen ein Greuel . - Der Hauptmann sah wohl selbst ein , daß solche Reden zu spät kamen und niemandem etwas nützen konnten . Er drückte dem Alten die Hand , überließ ihn seiner Einsamkeit . Was wollten die Leute von ihm ? Der Alte verachtete sie im Grunde seiner Seele alle . Alles Reden war sinnlos , alles Mitleid verschwendet ! Jedes Wort der Teilnahme bedeutete eine Erniedrigung für ihn . Nur in Ruhe sollten sie ihn lassen , das war das einzige , was er noch von ihnen verlangte . * * * Auch dem Sohne eröffnete sich der alte Mann nicht . Der gehörte ja auch zu den Jungen , zu dieser neuen Generation , die keck über ihn hinweggewachsen war . Gustav war ja auch diesem Boden entstammt , aber er war nicht so fest mit ihm verwachsen , daß er das Verpflanztwerden nicht überstanden hätte . Er stand jetzt im Begriffe , sich in neuen Verhältnissen ein neues Heim aufzurichten für sich und die Seinen . Soeben war von Häschke eine Antwort eingetroffen . Er hatte eine Stelle für den Freund gefunden . Gustav sollte in einem großen Hause der inneren Stadt die Vizewirtsstelle übernehmen . Es war ein verantwortungsreicher Posten . Im Hinterhause befand sich eine Kartonagenfabrik , die über hundert Leute beschäftigte . Im Parterre des Vorderhauses war ein Bankgeschäft , im ersten Stock eine Versicherungsgesellschaft ; alles in allem wohnten in dem weitläufigen Gebäude einige zwanzig verschiedene Parteien . Gustavs ausgezeichnete Militärpapiere hatten den Ausschlag gegeben , als er zu dieser Stellung gewählt wurde . Häschke riet , daß er sofort annehmen sollte ; es gäbe eine ganze Anzahl anderer Bewerber für den Posten . Für Gustav war es nichts Kleines , sich hier zu entscheiden . Vieles daran war verlockend : die feste Anstellung , das auskömmliche Gehalt ; übergroße Anstrengung war mit einem solchen Posten auch nicht verbunden und man behielt Zeit übrig für sich und die Seinen . Auf der anderen Seite gab es mancherlei Unerquickliches an einer solchen Stellung . Man brachte mit seiner Arbeit nichts Bleibendes vor sich , woran man seine Freude hätte haben können . Die Aussicht , Höheres zu erreichen , sich selbst vorwärts zu bringen , war ausgeschlossen . Man war der Diener von tausend beliebigen Leuten . Und was Gustav als das schwerste erschien : er wurde herausgerissen aus dem von Jugend auf gewohnten Leben . Vom Acker weg wurde er in ein städtisches Souterrain verpflanzt , in das vielleicht die Sonne nicht einmal am Tage drang . Wie würde er , wie würde Pauline das ertragen ? Erst jetzt , wo er vor die Entscheidung gestellt war , merkte er , was er vorhatte : daß er einen Strich mache unter seine eigene Vergangenheit , daß er mit der vielhundertjährigen Überlieferung seiner Familie breche , daß er im Begriffe stehe , aus einem Landmann ein Städter zu werden . Er besprach die Sache mit Pauline . Sie überließ ihm , wie in allen wichtigen Fragen , auch diesmal die Entscheidung . Ihr genügte , bei ihm bleiben zu dürfen , alles andere solle ihr recht sein . Schließlich erkannte Gustav , daß es eine Wahl für ihn gar nicht mehr gebe ; er mußte annehmen . Der Winter hatte die Ersparnisse des vorigen Sommers verschlungen . Als Aufseher wieder in die Rübengegend zu gehen , hatte er verschworen . In der Heimat gab es keine Beschäftigung für ihn , wenn er nicht tagelöhnern wollte . Er mußte also nach dem greifen , was sich ihm bot , um sich und die Seinen vor Mangel zu bewahren . Die Stelle war durch Todesfall erledigt , und Häschke hatte geschrieben , daß Gustav sobald wie möglich antreten müsse . Es hieß also , in wenigen Tagen packen und Abschied nehmen . Ein Plan war in Gustav gereift : er wollte den Vater auffordern , mit ihnen in die Stadt zu ziehen . Gustav war sich nicht im unklaren , was er damit auf sich nehme . Es würde nichts Leichtes sein für alle drei Teile ; der alte Mann war schwierig , würde kein bequemer Hausgast sein . Besonders in der Stadt war das nichts Kleines , wo man enge aufeinander saß , wo alle die mannigfaltigen Abziehungen des ländlichen Berufes fehlten . Aber es mußte sein ! Pauline sowohl wie Gustav waren sich klar darüber , daß sie den Vater nicht in seinem Elend allein lassen durften . Was sollte aus ihm werden in Halbenau , wenn sie nun auch fortgingen ? Wenn es niemanden mehr gab , der sich um die Notdurft des Alten