dafür hat er einen Trost , mein Monatgeld für Februar . « Des Mittags behob er sein Geld in der Sparkasse und nahm dann Abschied von Pater Marian . Schluchzend beugte er sich auf die welke Hand seines Wohltäters nieder . Auch der Pater war sehr bewegt . » Gott mit dir « , murmelte er , legte ihm die Hand aufs Haupt und sprach den Segen seiner Kirche über ihn . Sender litt es , aber er zuckte unwillkürlich zusammen . » Der Segen eines alten Mannes wird dir nicht schaden « , sagte der Greis und lächelte mit feuchten Augen . » Auch wenn es die Worte sind , die ich gewohnt bin . « Auch Fedko war in seiner Art gerührt . » Nun ist ' s auch mit diesem Slibowitz zu Ende « , sagte er . » Und einer wie du kommt nicht wieder . Denn wenn ich noch hundert Jahre lebe , einen so verrückten Juden wird es in Barnow nicht mehr geben . Ach ja , die Verrückten gehen , die Vernünftigen bleiben . Leb ' wohl , Senderko ! « In der Dämmerung ging er nach dem Gasthof des Freudenthal und ließ Jütte hinters Haus rufen . Erschreckt kam sie herausgestürzt . » Was ist geschehen ? « fragte sie , fuhr aber gleich fort : » Ich weiß es ja - Ihr geht morgen ! « » Woher wißt Ihr ! « » Ich hab ' ja längst davor - ich hab ' s ja längst geahnt « , verbesserte sie sich hastig . » Und Eure Mutter ? « Er seufzte . » Ihr werdet Euch ihrer annehmen ! « sagte er gepreßt . » Auch darum wollt ' ich Euch bitten . Lebt wohl ! « Sie schluchzte auf . » O , es ist hart - für die alte Frau - wollt Ihr nicht noch einige Tage ... Ich meine , bis es schön wird , sollt Ihr hier bleiben . Es ist so furchtbar kalt , das ist nichts für Eure Lungen ... « » Es geht nicht , Jütte . Ich werde erwartet . In Czernowitz . « Es war ihm nur so entfahren . » Aber Ihr verratet mich nicht . « » Ich ! Aber muß es denn sein ? « Sie rang die Hände . » Jütte « , sagte er , » was habt Ihr damals im Schloßhof gesagt ? Ihr wißt , es ist mein Lebensziel , was macht Ihr mir das Herz schwer ? « » Ihr habt recht « , stieß sie hervor . Dann rührte sie an seine Hand , murmelte etwas Unverständliches und stürzte ins Haus . » Das gute Mädchen ! « dachte er . » Welches Mitleid sie mit meiner Mutter hat . Ach , auch mir fällt ' s hart . « Er ging heim . Der Ostwind pfiff über die Ebene und wirbelte den Schnee auf ; sein eisiger Hauch ging durch Mark und Bein . Er achtete kaum darauf , seine Gedanken weilten bei der Mutter . Daheim nahm er alle seine Kraft zusammen , um unbefangen zu scheinen . Es gelang ihm doch nicht ganz . » Was hast du heut ' ? « fragte Frau Rosel . » Bist du nicht wohl ? « » Nur müd ' « , erwiderte er und erhob sich . » Gut ' Nacht « , sagte er mit abgewandtem Antlitz und stieg zu seiner Kammer empor . Dort erst ließ er seine Tränen fließen . » Mutter « , schluchzte er immer wieder , » Mutter « ! So saß er im Dunkeln , bis unten das Glöckchen klang . Das riß ihn empor . Er machte Licht , holte sein Geld hervor , legte zweihundertfünfzig Gulden in einen Umschlag und schrieb den Brief dazu , in hebräischen Lettern , die sie lesen konnte : » Verzeih ' mir , Mutter , verzeih ' , ich kann nicht anders . Alle sagen , daß ich zum Schauspieler tauge , und mein Herz sagt mir , daß ich dazu geboren bin . Darum geh ' ich in die weite Welt , es zu werden . Ich bin nicht schutzlos , gute Menschen nehmen sich meiner an . Es braucht dir nicht bang um mich zu sein , auch nicht meiner Gesundheit wegen ; ich fühl ' mich ganz gesund . Gott ist mein Zeuge , ich geh ' nicht leicht . Und Dich , Mutter , trifft ' s gar ins Herz . Aber es muß sein , glaub ' mir , und mein Trost ist , daß wir einst beide diese Stunde segnen werden . Auch Du , wenn Du mich glücklich siehst , denn Du hast ja immer für mich gelebt . Die Leute sagen , es ist Pflicht der Mutter , für ihr Kind zu sorgen , aber Du hast all die Jahre tausendmal mehr getan als Deine Pflicht . Und wie wenig Freuden hab ' ich dir gemacht - und nun diesen Schmerz . Aber ich kann nicht anders , ich kann nicht ! Das Geld da gehört Dir , als Sparpfennig für Deine alten Tage . Ich rat ' Dir , leg es in die Sparkasse , das bringt wenig Zinsen , ist aber sicher . Du darfst nicht glauben , daß ich Dir damit Deine Liebe bezahlen oder mich gar von Dir loskaufen will . Ich will Dir oft schreiben und Dich besuchen , so oft es möglich ist , und treu für Dich sorgen . Mutter , liebe Mutter , verzeih ' mir und leb ' wohl . « Die Schrift war etwas undeutlich , weil seine Hand zitterte . Auch war an einer Stelle ein Tropfen aufs Papier gefallen . Nun packte er seine Wäsche in ein Ränzelchen , das er aus seiner Fuhrmannszeit hatte , und legte die Bücher dazu . Dann griff er zu einer Schere und trat , die Kerze in der Hand