! ... Ah ! « - Sie breitete die Arme weit aus , als wolle sie die ganze Welt an ihre Brust ziehen . » Sehen Sie mich an , Kleine - So sieht das Glück aus ! ... Heute zum erstenmal darf ich sagen : Meine Tante , die Prinzessin ! ... O , sie ist doch gut , ja sie ist grenzenlos edel ! So sich selbst überwinden kann eben doch nur der Edelgeborene ! ... Sie schreibt mir , sie will mich sehen und sprechen - morgen soll ich mich bei ihr einfinden . Seien unsere Ansprüche begründet - ah , ich möchte den sehen , der so frech wäre , sie anzufechten ! - dann werde alles geschehen , uns in unsere Rechte einzusetzen ! - sie habe bereits mit dem Herzog darüber gesprochen - hören Sie ? mit dem Herzog , « sie ergriff meinen Arm und schüttelte mich , » wissen Sie auch , was das heißen will ? Wir werden als die Kinder der Prinzessin Sidonie anerkannt werden und als Familienglieder in das souveräne Haus eintreten . « Ein Schauer lief durch meinen Körper - die Entscheidung war da . » Wollen Sie die Angelegenheit wirklich zur Sprache bringen , solange Herr Claudius noch leidend ist ? « fragte ich mit unsicherer Stimme . » Ah bah - er ist ja nicht mehr krank . Die dicksten Hüllen sind von seinen Fenstern gefallen ; er trägt einen grünen Schirm und hält sich heute zum erstenmal in den ein klein wenig verhangenen Salons neben meinem Zimmer auf . Er hat sich den Privatspaß gemacht , Eckhof zu seinem Geburtstag in einem allerliebsten kleinen Portemonnaie die tausend Thaler Missionsgelder zu bescheren , damit er seine Habe wieder einlösen kann . Der Alte war dermaßen zerknirscht , daß ich Todesangst hatte , er werde dem Onkel zu Füßen fallen und seine Ausplauderei uns gegenüber beichten - zum Glück fand er vor Rührung keine Worte ... Uebrigens bin ich hart geworden , hart wie ein Kieselstein - ich habe zu furchtbar gelitten in den letzten Wochen ; auch von Dagobert mußte ich von früh bis spät die maßlosesten Vorwürfe über das plumpe Anfassen der Sache hören ... Ich kenne keine Rücksicht mehr ; und wenn in dieser Stunde noch der Onkel vor die Schranken gefordert würde - ich rührte keinen Finger , es zu verhindern ! « Sie begleitete mich bis an die Gartenthür , dann sah ich sie wie einen Pfeil bergauf in das blätterlose Dickicht hineinfliegen - das Glücksgefühl , das ihr die Brust fast zersprengte , trieb sie auf den Berggipfel , von wo aus sie in die schrankenlos weite Welt hineinjubeln konnte , und ich wäre am liebsten umgekehrt und hätte mich in den dunkelsten Winkel der Karolinenlust verkrochen , um mein unsägliches Bangen , meinen Schmerz um Herrn Claudius zu verbergen . Ich schlüpfte vorläufig an Tante Christinens Zimmer vorüber - zu meinem Befremden scholl Hundegekläff heraus - und ging in das obere Stockwerk . In Helldorfs Familienstube hatten sich stets meine stürmisch klopfenden Pulse gesänftigt ... Lauter Jubel empfing mich . Herr Helldorf streckte mir beide Hände entgegen , Gretchen umschlang meine Kniee , und der kleine Hermann saß auf dem Fußboden und krähte und strampelte mit beiden Beinchen und wollte genommen sein . Die kleine Frau aber nahm flugs die Kaffeemaschine aus dem Schrank , holte ein ganz speziell für mich aufbewahrtes Stück Kuchen herbei , und bald darauf saßen wir um den trauten Familientisch ... Dann und wann unterbrach eine kühne Koloratur - perlenreine Läufer und Triller - unsere Plauderei - Tante Christine sang , oder trällerte vielmehr drunten ; das klang wundervoll ; so oft sie aber einen Ton fest anschlug und aushielt , da that mir das Herz weh - die Stimme , die einst wohl von hinreißendem Klang gewesen sein mochte , war total gebrochen . » Die Frau da unten muß sobald wie möglich einen Wirkungskreis erhalten - sie führt ein wahres Schlaraffenleben , « sagte Herr Helldorf mit leichtem Stirnrunzeln . » Ihre Schule ist ganz vortrefflich , und ich habe mich erboten , ihr Schülerinnen zu verschaffen - sie kann sehr viel Geld verdienen , wenn sie will . Aber den Hochmutsblick , das höhnische Lächeln , mit welchem sie mir für gütige Protektion dankte , werde ich nie vergessen . Seitdem hat sie sich hier oben nicht wieder blicken lassen . « » Blanche bellt - es kommt jemand , Mama , « sagte Gretchen . » Ja , Blanche - das ist auch ein neuer Bewohner im Schweizerhäuschen , der Ihnen vorgestellt werden wird , Lenore , « meinte lächelnd Frau Helldorf . » Die Tante hat sich vorgestern einen reizenden kleinen Seidenpinscher gekauft - Schäfer ist außer sich , er will das boshafte Tier nicht dulden - « Sie schwieg plötzlich und horchte - starke Männerschritte kamen die Treppe herauf , schritten über den Vorsaal und verharrten dann einen Augenblick . Frau Helldorfs Gesicht war schneebleich geworden ; sie stand da mit zurückgehaltenem Atem , starr wie eine Statue , und als sei es ihr unmöglich , auch nur einen Fuß nach der Thür zu bewegen , um sie zu öffnen . Da legte sich draußen eine Hand auf den Drücker , die Thür that sich auf und ein hoher , stattlicher Mann trat zögernd auf die Schwelle . » Vater ! « schrie die junge Frau - es war ein Schrei , schwankend zwischen herzzerreißendem Schluchzen und wonnevollem Jauchzen . Eckhof fing die Taumelnde in seinen Armen auf und drückte sie an seine Brust . » Ich bin hart gewesen , Anna - vergiß es , « sagte er mit schwankender Stimme . Sie hatte keine Antwort - sie vergrub nur immer tiefer das Gesicht an der Brust , von der sie so lange verstoßen gewesen ... Seinem Schwiegersohn reichte der alte Mann wortlos die Rechte hin ; Helldorf schlug feuchten Auges kräftig ein und hielt sie einen Augenblick