als Pflicht gegen eine Frau auferlegt , wo er zu gebieten hat . So schmerzlich manche Verhandlungen zwischen ihm und seiner Gattin , so schwer und quälend sie namentlich in früheren Zeiten oft gewesen waren , nie hatte er den Gebieter , nie den Herrn gegen sie herausgekehrt , und niemals hatte sein Ton sie streng erfaßt . Ohne ein Wort zu sprechen , sah er , ob die Thüren , welche in die Nebenzimmer gingen , geschlossen waren . Dann ließ er die Portièren nieder und nahm auf einem Sessel der Baronin gegenüber Platz . Sein Schweigen , seine Ruhe steigerten ihre Besorgniß ; es fröstelte sie , und auch der Freiherr sah bleich und kalt aus . Ich frage Dich nicht , wie Du Dich befindest , Angelika , und Du fragst mich nicht , weßhalb ich wiederkomme , hob er , nachdem er tief Athem geschöpft hatte , mit fester Stimme an , das beweist für uns beide , was uns zu wissen Noth thut . Da er sah , daß sie ihm antworten wollte , legte er seine Hand auf ihren Arm und hielt sie davon zurück . Nur eine kleine Geduld , bat er , was ich Dir zu sagen habe , wird kurz sein ! Er schwieg einen Augenblick , dann fuhr er fort : Ich habe Dir keine Vorwürfe zu machen , im Gegentheil , Du wirst Dich immer in der Lage befinden , mir sagen zu können , daß Du mit mir das Glück nicht gefunden hast , welches Du Dir mit Recht von der Ehe erhoffen durftest . Höre mich ! fiel die Baronin , welche den Worten ihres Mannes mit wachsender Bewegung folgte und auf diese Art der Unterredung in keiner Weise vorbereitet gewesen war , ihm angstvoll in die Rede . Nein , laß mich vollenden ! entgegnete er . Erinnere Dich , wie ich Dir einmal sagte : hätte ich die abmahnende Stimme gekannt , die Dich bei unserer ersten Begegnung von mir zurückhielt , so würde ich nie um Dich geworben haben ! Denn es ist wahr , unsere Neigungen , unsere Ansichten gehen vielfach aus einander , Du bist nicht glücklich mit mir geworden . Du hast mir auch viel verzeihen , viel mit mir ertragen müssen in den ersten Jahren unserer Ehe , aber was Du mir nach Deiner Meinung zu verzeihen hattest - dieses Eine gestehe mir wenigstens zu - , das lag Alles hinter der Zeit , in welcher Du Dich mir verbunden . Oder welcher Untreue könntest Du mich zeihen , seit ich Dir mein Wort verpfändet ? Angelika war wie gelähmt vor Schrecken und vor Schmerz . Was sie innerlich auch empfunden hatte , diesen Ton , diese Sprache verdiente sie nicht . Sie war gewissenhaft und demüthig bereit gewesen , sich eines Unrechtes anzuklagen , sich einer Gedankensünde zu zeihen , aber gegenüber den Vorwürfen , welche ihr Gatte ihr machen zu wollen schien , empörte sich ihr gerechtes Bewußtsein , verstockte sich ihr Herz . Da Angelika auf ihres Gatten Frage nichts entgegnete , wiederholte er sie mit dem Zusatze , daß er eine einfache Antwort erwarte . Das steigerte in ihr das Gefühl der Kränkung , und kalt , wie der Freiherr zu ihr sprach , sagte sie : Ich habe mich über gar nichts zu beklagen , im Gegentheil ! Was soll das heißen ? fragte der Baron . Da bemächtigte seiner Gattin sich eine jener wilden Anwandlungen des Schmerzes , denen die sanfteste Natur nur schwer widersteht . War es doch genug , was sie leiden mußte , war es doch genug , was sie an innerer , selbstanklagender Pein , an Herzenskränkung zu ertragen hatte ! Sie wollte nicht allein unglücklich sein , nicht allein die Schmerzen der verschmähten Liebe fühlen . Es sollten Andere unglücklich sein wie sie , und vor Allem sollte der Mann sich nicht ungestraft als ihr Richter vor sie stellen , um den sie ihre Jugend , ihren Frieden , ihr Vaterhaus , ihre Eltern und Alles aufgegeben und verloren hatte ! Mit jener Wollust des Rachegefühls , die dem Beleidigten ein wilder , berauschender Genuß ist , sagte sie : Du hattest sicherlich kein Recht zu dem Tone dieser Unterredung , wenn Du mit Deinen Voraussetzungen Unrecht hattest . Aber Du hast Dich nicht geirrt ! - Sie zögerte , es stieg noch einmal , wie in solchen Augenblicken immer , ein Abmahnen in ihrem Herzen , ein letztes Besinnen in ihr auf ; indeß ihr Zorn wollte sich genugthun , und fest und bestimmt sagte sie : Ich liebe Herbert ! Das war es , was mir heute das Herz zu brechen drohte ! Angelika ! rief der Baron und schloß die Augen , während seine Hand krampfhaft die Lehne seines Sessels ergriff . Es war still im Zimmer . Beide Eheleute vermochten nicht zu fassen , nicht zu glauben , was geschehen war . Beide litten , beide kämpften schweigend in ihren Herzen . Jedem von ihnen mochte die Ahnung kommen , daß es jetzt vielleicht noch Zeit sei , jedem von ihnen mochte die heiße Aufwallung durch die Seele gehen , jetzt schnell noch die Hand zu bieten , um die Wunde zu heilen , die sie einander geschlagen hatten und die unheilbar werden mußte , wenn man sie nicht augenblicklich schloß . Aber wie ein Dämon stand zwischen ihnen jene Selbstsucht , die man als gerechten Stolz , als Ehrgefühl bezeichnet , und statt einander helfend zu befreien , dachten beide nur daran , sich würdig gegen einander zu behaupten . Des Freiherrn Züge waren völlig ruhig , als Angelika endlich ihren Blick zu ihm erhob . Weiß Herbert , daß Du ihn liebst ? fragte er bestimmt . Ja ! entgegnete sie eben so , und es freute sie , zu sehen , wie schwer es ihrem Gatten wurde , seine Ruhe aufrecht zu erhalten . Weiß er es durch Dich ? Ja !