? Beim Geheimrath Robran . Wie kommt sie dahin ? Ich glaube , durch den Candidaten Bemperlein , den Duckmäuser , der , wie ich höre , jetzt des Geheimraths rechte Hand , und wie Andere sagen , mit meiner Poussage verlobt ist . Wohl bekomm ' s ; aber wer hat Dich denn nur eigentlich gemahnt ? Der alte Geheimrath selbst . Hier - , bei diesen Worten zog Albert den Brief , den er vor einer halben Stunde erhalten hatte , aus der Tasche ; schreibt der alte Sünder : Geehrter Herr ! Wie mir Fräulein Marguerite Martin , die mir jetzt die Ehre erweist und so weiter . Da die Beziehungen , welche früher zwischen Ihnen und der jungen Dame bestanden , gänzlich und für immer - Sie wissen am besten weshalb - abgebrochen sind , so werden Sie es selbstverständlich finden , daß Sie , als Mann von Ehre , ein Capital , welches Ihnen unter so ganz anderen Voraussetzungen zur Disposition gestellt wurde , keinen Augenblick länger behalten können . Schließlich nach eine Bemerkung . Die junge Dame selbst würde aus einer leicht erklärlichen Scheu die ganze Sache wahrscheinlich auf sich haben beruhen lassen , wenn ich nicht , zufällig von der Baronin Grenwitz hörend , daß Fräulein Martin während der Zeit ihres Aufenthalts in jener Familie ein kleines Capital sich erspart habe , in die junge Dame gedrungen wäre und so den Sachverhalt erfahren hätte ; und so weiter . Nun , was meinst Du dazu ? fragte Albert , den zerknitterten Brief wieder in die Tasche steckend . Die Sache liegt allerdings schlimm , erwiderte Ehren Tobias , sich den ergrauenden Kopf kratzend . Der Geheimrath gilt so viel in der Stadt , besonders jetzt , wo er , der Teufel mag wissen wie ? seine Schulden bezahlt hat , daß Du nicht gegen ihn aufkommst ; ich fürchte , Du wirst blechen müssen . Ich fürchte es auch , sagte Albert . Die verdammte Plaudertasche , die Baronin : Es ist bloße Rache von ihr ; aber sie soll ' s mir büßen . Ich will die Daumschrauben anziehen , daß - Albert schwieg und goß den Rest aus seinem Glase hinunter . Höre Albertchen , sagte Tobias ; in welchem Verhältniß stehst Du eigentlich zur Baronin ? Ich hoffe , Albertchen , mein Junge , daß Du zu dem vielen Gelde , welches Du in letzter Zeit - ich kann wohl sagen , sehr gegen Deine Gewohnheit - hast blicken lassen , auf anständige Weise gekommen bist ? Erst sage mir , was es für eine Bewandtniß hat mit dem Verhältniß zwischen Dir und den Grenwitzens , auf das Du schon ein paarmal geheimnißvoll hingedeutet hast . Willst Du mir dann sagen , wie Du zu dem Gelde kommst ? Ja . Gut ! so wollen wir uns erst Jeder noch ein Glas zurecht machen und dann an ' s Erzählen gehen ; aber reinen Mund gehalten , Albertchen , reinen Mund gehalten ! Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus . Herr Tobias nickte schmunzelnd , mischte mit kunstgerechter Hand den Grog , knöpfte seine schwarze Weste auf , lehnte sich in der Stuhl zurück und sprach : Ich war nicht immer in Grünwald und nicht immer Küster in St. Brigitten . Weiß ! die Residenz hat die unbestrittene Ehre , Dich den ihren zu nennen , und wessen Küster Du gewesen bist , ehe Du Küster an St. Brigitten wurdest , wird der Teufel wohl am Besten wissen . Tobias lächelte vergnügt in sich hinein und schlürfte behaglich seinen Grog . Nicht so grob , Albertchen , sagte er , sonst erzähle ich nicht weiter . Mein Vater war Bedienter , und ich wurde von der zartesten Jugend auf zu demselben Berufe bestimmt . Wie groß mein Talent in dieser Beziehung war , magst Du daraus entnehmen , daß ich , als ich kaum zwanzig Sommer zählte , mindestens schon ein Dutzend Herren gehabt hatte . Um diese Zeit kam mir der Gedanke , endlich einmal mein eigener Herr zu sein , und da ich mir während meiner Dienstzeit ein nicht unerkleckliches Sümmchen gespart hatte - hier lächelte Ehren Tobias mit dem linken Auge und dem linken Winkel seines Mundes - besaß ich Capital genug , um eine kleine Wirthschaft anzufangen . Mag auch ' ne schöne Wirthschaft gewesen sein , meinte Albert . Allerdings ! sagte Tobias , indem er noch ein Stück Zucker in seinen Grog that ; zum mindesten war in meiner Wirthschaft das schöne Geschlecht sehr stark vertreten . Da ich das Princip hatte , nur weibliche Bedienung in meinem Loco ! zu haben und das » Café Gutherz « immer stark frequentirt wurde , so hatte ich fast immer sechs bis acht junge Damen , welche die Honneurs machten , bei mir . Albert Timm lehnte sich in seine Ecke zurück und brach in ein schallendes Gelächter aus , während Ehren Tobias nur lächelte - diesmal mit dem rechten Auge und dem rechten Mundwinkel . St ! st ! Albertchen , sagte er , die Leute hören es auf der Straße . Wie kann ein kluger Jüngling so unvorsichtig laut lachen ; ich habe mein ganzes Leben lang nur gelächelt und habe mich dabei sehr gut gestanden . Doch das bei Seite . - Die jungen Mädchen waren natürlich immer hübsch , ja ich kann wohl sagen , daß ich von allen meinen Collegen stets die hübschesten hatte . Dies verdankte ich aber , ehrlich gestanden , weniger mir selbst , als dem Scharfblick und dem Geschmack einer Dame , mit welcher ich früher , als ich mal mit ihr bei einer Herrschaft zusammen diente , ein Zärtliches Verhältniß gehabt hatte und jetzt noch immer in freundschaftlichem und geschäftlichem Verkehr stand . Frau Rosa Pape war eine vortreffliche Frau , deren Gesellschaft von den anständigsten Damen nicht blos gesucht , sondern auch obendrein mit schwerem Gelde bezahlt wurde und deren Nachtklingel die