diesen Punkt war der Nürnberger Rath mit dem burggräflichen Gerichtsamte niemals einig , es fanden stets Reibungen und Streitigkeiten statt , und wie es bei unsichern Rechtsverhältnissen immer geht , wo jede Behörde die andere der Uebergriffe verklagt und das Recht der Entscheidung meint allein auf ihrer Seite zu haben , so ging es auch hier : die Angeklagten selbst hatten davon den größten Nutzen , sie brauchten nur zu erklären , daß sie die Competenz der Behörde , die sie zur Verantwortung ziehen wollte , nicht anerkannten - so verging immer Zeit und die Sache verschleppte sich . Diesmal aber trat doch das burggräfliche Landgericht auf die Seite des Nürnberger Stadtgerichtes und beschloß die Handlungen desselben zu unterstützen . Markgraf Friedrich von Zollern war zwar gerade abwesend und bei dem Kaiser Friedrich in Linz , aber der stellvertretende Richter hatte es in guter Erinnerung , daß Frau von Scheurl die Pathe seines Herrn und von ihm in Ehren gehalten war ; ebenso wenig vergaß er , daß sie Gnade vor dem römischen König und künftigen deutschen Kaiser gefunden , wie ihr Gemahl die Adelswürde : daß es darum wohl nicht klug gehandelt sei , ihre Wünsche nicht zu berücksichtigen ; daß es also gerathen sei , einmal einer Klage des Nürnberger Rathes über Gewaltthat und Friedensbruch von Seiten adeliger Straßenräuber Gehör zu geben . Darum sandte wenig Tage nach der höhnenden Antwort der Ritter auch das burggräfliche Landgericht eine gleiche Vorladung zur Verantwortung über die wider sie erhobenen Anklagen an die beiden Ritter , die allerdings einer solchen sich wenig versehen hatten . Indeß verweigerten sie auch jetzt zu erscheinen mit der Ausrede : daß doch nur die Nürnberger Krämer den burggräflichen Landrichter bestochen hätten , und daß jene sich nicht rühmen sollten , daß Edelleute , die nur den Kaiser als ihren Herrn anerkannten , über ihr Thun und Schalten ihnen spießbürgerlich Rechenschaft abgelegt . So kam es denn wirklich zu einer Belagerung von Weyspriach ' s Burg . Unter denen , die dazu mit ausgezogen waren , befanden sich auch Georg Behaim und Stephan von Tucher . Der Letztere wollte sich dadurch den Ersteren versöhnen , der ihn immer seit dem Schlittenstechen beim Schönbartlaufen scheel angesehen hatte , und noch mehr Frau Elisabeth dadurch seinen Dank beweisen , die ihm ganz allein zu dem Besitz Ursula ' s verholfen , an deren Seite er jetzt ein heiter glückliches Leben führte . Ursula selbst , vielleicht noch mehr von Glück und Dankbarkeit durchdrungen als er , hatte ihn am wenigsten zurückhalten mögen , und doch war ihr bange , da er von ihr ging , an einer Fehde Theil zu nehmen , die ihn gerade in die drohendsten Gefahren bringen konnte , wie eine solche Belagerung ; denn auf die Helmbüsche der Ritter pflegten die Belagerten immer am ehesten und schärfsten zu zielen . In der Angst während seiner Abwesenheit suchte sie am öftersten Trost und Ruhe bei Elisabeth . Schon seit der Reichstag beendet und in Nürnberg wieder Alles in ' s gewohnte Geleis gekommen war , hatten die Gobelinsstickerinnen für die Lorenzkirche ihr Geschäft wieder begonnen und pflegten wenigstens wöchentlich einige Mal dazu bei Frau Elisabeth zusammen zu kommen . Jetzt waren sie so weit gediehen , daß sie , um die einzelnen Theile des Teppichs zusammen zu passen , sich an Ort und Stelle selbst begeben mußten . Elisabeth hatte dieses Vorhaben dem Propste Kreß melden lassen , den sie seit ihrer Geburtstagfeier nicht gesehen , was sie um so mehr befremdete , als er sonst ein öfterer Gast in ihrem Hause war und sie seine guten Eigenschaften sehr wohl zu schätzen wußte , wenn sie auch seine Späße manchmal zum Erröthen zwangen . Da erfuhr sie , daß er seit jenem Tage krank gewesen und nicht ausgegangen , aber er ließ ihr sagen , daß er um ihretwillen hinüber in die Kirche kommen werde . Elisabeth und die Schwestern Pirkheimer waren die Ersten , die sich darin einfanden . Das hochgewölbte Schiff der Kirche war ganz leer und still , nur von drüben aus der Bauhütte und von oben vom Thurm herab schallte das Hämmern und Meißeln der fleißigen Steinmetzen . » Wie schön wäre es , « sagte Charitas , » wenn es auch eine Schwesterschaft gäbe , dieser Baubrüderschaft nachgebildet ! Wenn auch wir Frauen uns vereinen dürften , in heiligen Gelübden unser ganzes Leben einer frommen und erhabenen Arbeit zu weihen und so einen großen und schönen Lebenszweck gemeinschaftlich zu verfolgen . So bleibt uns , um diesen Wunsch zu erfüllen , nur das Kloster . « » Freilich müssen wir Frauen uns beinahe mit Gewalt , oder wenigstens doch im steten Kampfe mit der rohen Gewalt - jede Möglichkeit eines edlen Wirkens für unser eigenes Heil wie für das Allgemeine erobern , « sagte Elisabeth ; » aber besser so , als im engen Kloster einschlafen oder mit versteinern . « » Nein ! so ist es nicht ! « rief Charitas Pirkheimer ; auch unter den Klöstern gleicht nicht eines dem andern . So herrscht im hiesigen Clara-Kloster unter den Nonnen ein reger Eifer für Wissenschaft und Kunst , gleichsam ein treugepflegter , kräftig wachsender Baum , der seine Zweige auch über die Klostermauern hinausbreitet , aufwärts strebt in den Himmel und hinaus zu den Menschen , sie mit seinen Schatten zur Ruhe zu leiten und mit seinen Früchten zu erquicken . Dort weilt eine alte Verwandte von uns , die wir erst kürzlich besuchten , an deren tiefer Gelehrsamkeit sich Alle laben und die den regsten Eifer für die Wissenschaften unter den Nonnen weckt und wach erhält . Und was sie für die Wissenschaft , das ist Schwester Ulrike für die Kunst . Eine edle Frau , die gewiß sehr tiefes Weh im Leben erfahren hat , die aber hindurch gedrungen ist zum Frieden der Seele , den die Welt nicht giebt . Ihr Orgelspiel und Gesang sind vollkommen Alles , was zur Kunst gehört , hat sie