Eunuchen setzte zugleich eine silberne runde Schaale im richtigen Augenmaaß auf den Boden , so daß , als der Tschannador den Kopf der Pfeife auf diesen Teller setzte und diese nun zierlich herumschwang , das Mundstück gerade zu den Lippen des Großherrn reichte . Ein anderer Offizier brachte in der silbernen Zange , welche die meisten Türken in einem Futteral am Gürtel tragen , aus dem Tandur die brennende Holzkohle für den Taback , und dann erst , als die Pfeife in Brand war und er mehrere Züge des duftigen Dampfes gethan , indeß die Offiziere rückwärts gehend nach dem Untertheil zurückschritten und dort mit gekreuzten Armen stehen blieben , wandte sich der Sultan zu seiner Schwester und der Sultana und begann das Gespräch mit der üblichen Formel : Kosch dscheldin28 und der Frage : Kiefiniz aji me : Ist Eure Laune gut ? Die Sonne war unterdeß am Horizont verschwunden , und dies ist die Zeit , wo die meisten Bekenner des Propheten die einzige oder wenigstens die Hauptmahlzeit des Tages zu sich nehmen . In den Gängen des Palastes erscholl zugleich der Ezan , der Ruf des Imaum ' s zum Gebet , und sofort knieete der Sultan mit dem Gesicht nach Mekka auf dem Teppich nieder , während alle Anwesenden sich zu Boden warfen , und verrichtete das Abendgebet . Erst als der Padischah wieder Platz genommen , erhoben sich die Andern . Alsbald wurde der Kaffee dem Sultan gebracht und während sich die Sultana Adilé verabschiedete und rückwärts schreitend von ihrer Schwägerin bis an die Thür der Frauengemächer geleitet , ihren kurzen Heimweg im Kaïl nach dem Harem Mehemed-Ali-Pascha ' s antrat , wurde das Gemach mit einer Unzahl von Wachskerzen erhellt , worauf die Baltahgies , die Köche des Harems , eintraten , und auf einem vor den Großherrn gestellten Tisch die zahlreichen Gerichte ordneten . Dieselben bestanden - wie stets , wenn der Großherr im Harem speist - aus türkischen Speisen , der Thorba oder Fischsuppe , Dolmas : Reis mit Fleischkugeln in Weinblätter gewickelt , Kaftas : farcirtem Fleisch , einem gebratenen Lamm in einem Berge von gekochtem Reis , und Halvas oder Zuckerfrüchten und Eingemachtem , von denen eine Unmasse kleiner silberner Schüsseln aufgesetzt wurden . Der Padischah speiste allein , von den Pagen knieend bedient , da es nicht erlaubt ist , daß ein Mann und noch weniger eine Frau seine Mahlzeit theilt . Doch sandte er häufig durch einen Wink an die Pagen einer oder der andern der Frauen , darunter auch Mariam eine silberne Schaale mit eingemachten Früchten oder Leckereien . Während der Mahlzeit , die schweigend vollbracht wurde , verrichtete am Eingang des Obertheils die Massaldschi29 ihr Amt , indem sie in halbem , eintönigen Gesang eines jener phantastischen Mährchen erzählte , deren Anhören in den Kaffeehäusern , auf den Straßen und in den Harems einer der größten Genüsse der Moslems ist . Die Erzählung , mit den ausschweifendsten Farben das Liebesglück schildernd , wurde fortgesetzt , während die Sultana dem Großherrn aus einer goldenen Kanne Wasser über die Hände goß , indeß einer der Pagen knieend das Becken von gleichem Metall hielt , in dem der Padischah die vom Koran vorgeschriebenen Abwaschungen vollführte . Alsdann wurde mit gleichen Ceremonieen wie vor der Mahlzeit dem Gebieter der Kaffee und eine neue Pfeife gebracht30 . Der » Herr der Welt « erlaubte jetzt durch seinen Wink den begünstigten Frauen , gleichfalls ihr Nargileh zu nehmen , da die Unterhaltungen des Abends beginnen sollten . Die Dienerinnen naheten sich ihren Gebieterinnen und Nursädih , die schwarze Sclavin Mariam ' s , that dasselbe . Diese Gelegenheit benutzte die Odaliske zu einem raschen Gespräch mit ihr . » Ist Dein Bruder Jussuf , der Courier , im Palast ? « » Du sagst es , Herrin . « » Wohl . Höre meine Worte . Laß ihn sich bereit halten zu einer Reise nach dem Lager des Sirdar . Er soll das schnellste Pferd nehmen , das ihm zu Gebote steht , und nicht rasten unterwegs . « » Du kennst seine Schnelligkeit , o Khanum . Der Pfeil vom Bogen verfolgt seinen Weg nicht gerader denn er . « » Der Padischah , mein Gebieter , wird mich zu seiner Kadina wählen an diesem gesegneten Abend , sein Auge sagte es mir . Nun merke auf . Zu welcher Stunde der Nacht es auch geschehe , daß ich Dich rufe , so sei zur Hand und laß Deinen Bruder den Fuß im Bügel halten . « » Auf mein Haupt komme es . « - - Die Favorit-Sultana klatschte in die Hände und eine Musik von Zithern und Triangel erschallte aus dem Untertheil des Gemachs . Mit ihren ersten Takten traten die Almen , die vor dem Padischah ihre Tänze aufführen sollten , herein . Die Sultana hatte für diesen Abend die jungen Mädchen - Kinder sollten wir sagen - gewählt , die von zartem Alter an im Harem für dessen Zwecke erzogen und ausgebildet werden . Wenn auch nicht im Serail des Großherrn , - wo dessen Person der alleinige Zweck und Mittelpunkt ist , um den sich Alles dreht - so doch in vielen andern Harems speculiren die Frauen förmlich in jungen Mädchen , die sie als Kinder ankaufen , erziehen und in verschiedenen Künsten unterrichten lassen , um sie dann , wenn sie mannbar geworden sind , oft mit großem Vortheil an alte Lüstlinge zu verhandeln . Die Almen der Sultana waren Mädchen von 10-14 Jahren , ein Alter , wo unter diesem Himmelsstrich bereits die jungfräulichen Formen vollständig sich entwickeln . Sie betraten den obern Raum an der Barriere zwischen den Sitzen der Odalisken und stellten sich - sechs an der Zahl - in einem Halbkreis auf , worauf sie zugleich auf die Knie sanken und mit der Stirn zum Zeichen des Grußes den Boden berührten . Das Costüm oder vielmehr die Ausstellung dieser jungen Geschöpfe war so lüstern und schaamlos , wie sie eben nur