Freund , den mir die Götter erzogen . Du sprichst nun für mich . So an Dich mich schmiegend , will ich stehen , wenn neue Stürme drohen , und der Unglückliche , der Verlorene , wenn er wieder kommt : Deine Verlobte , Walter , wird , ruhig und heiter , nicht mehr erschrecken . « Die Schwalben und die Bienen , und die Sonne in der Linde schauten auf einen Glücklichen und eine still Zufriedene . Ein Moment , von dem Dichter jener Zeit gesagt hätten , daß Götter Sterblichen darum beneiden könnten . Der Neid der Götter war immer gefährlich , aber auch jene Götter täuschten sich und wurden getäuscht . Sie schaukelten über dem Spiegel auf der See und sahen nicht den Sturm , der ihre Tiefe aufwühlte . - Ueber die Dächer tönte es vom Gensd ' armenthurm . Die Lehrstunde war wohl zu Ende . Sie hörten mit Schrecken die Schläge . Es waren aus der einen Stunde drei geworden . Das süße Geheimniß , was es für Andere noch bleiben sollte , durfte es nicht vor der Pflegemutter . Walter hatte es so gewollt . Adelheid erkannte seine Gründe an , aber sie seufzte , als sie aufstanden . Es war ein schwerer Gang . An der Thür der Geheimräthin hörten sie ein Gespräch . Es war Wandels Stimme . Lisette , die hinzukam , sagte : Frau Geheimräthin wolle nicht gestört sein . - Adelheid athmete auf . Walter drückte ihre Hand : » Also ein andermal , theures Fräulein . « - » Die sind auch einig , « sagte Lisette , nachdem sie die Flurthür hinter ihm zuschloß . Dreiunddreißigstes Kapitel . Auch eine Lehrstunde . In dem Gespräch zwischen der Geheimräthin und dem Legationsrath mochte auch schon weit über eine Stunde verstrichen sein . Es war gewissermaßen auch eine Lehrstunde , aber vom ursprünglichen Gegenstande mochten sie ebenfalls weit abgeschweift sein . Wir fanden neulich die Geheimräthin in aigrirter Stimmung auf den bewunderten Mann . Jetzt saßen sie Beide im intimsten Seelenverkehr auf dem Kanapé . Die Aussöhnung war längst erfolgt . Am Morgen nach der Gesellschaft war er schon vor Mucius und vor Selle dagewesen , er hatte ihr von dem präparirten Aether gebracht , der sie wunderbar schnell gestärkt und hergestellt . Er hatte Mucius durch seine Kenntnisse , die er in bescheidene Fragen einkleidete , überrascht , daß der Doktor beim Weggehen geäußert : Das ist ein Tausendkünstler , Madame ! Den müssten wir setzen lassen , daß er nicht ins Handwerk pfuscht . Hatte er nicht Selle , der durch das Versehen des Dieners auch bestellt worden , so geschickt in die Konsultation zu ziehen gewusst , daß er die Verlegenheit der Geheimräthin nicht merkte . Wie gesagt , es war alles ausgeglichen , - zwischen ihnen , aber nicht die tiefe Falte auf ihrer Stirn . Noch heut verrieth sie den Riß in der Brust . » Ich werde gar keine Gesellschaften mehr geben , « hatte sie gesagt . » Gott sei Dank ! « sagte er . » Warum ? « » Weil Sie endlich zur Ueberzeugung kamen , daß man das für die Menschen sich opfern den Narren überlassen muß . « » Sie meinen doch nur für die reale Menschheit , die in ihren Flitterkleidern ihre Armseligkeit zu verbergen sucht . « » Und was ist die reale Menschheit ? Sollen wir uns für den Begriff begeistern , der zwischen Adam und dem jüngsten Wiegenkinde liegt ? « » Aber was ist der Mensch , der sich für nichts interessirt ! Für irgend etwas muß er doch der Opfer fähig sein , er muß leben , oder er kehrt zum Thier zurück . « » Physiologen behaupten , daß jedes Menschengesicht eine Aehnlichkeit mit einer Espeçe derselben hat . « » So wäre es an uns , zu entdecken , mit welchem wir Verwandtschaft haben . Und wenn wir ' s wissen , sind wir am Rande unserer Erkenntniß . « » Moralisten behaupten , daß es alsdann unsere Aufgabe sei , dieses Thier zu bekämpfen . « » Mit welchen haben Sie zu kämpfen ? « fragte die Lupinus . » Sie sind in aigrirter Laune , theuerste Frau . Das ist eigentlich die beste . Mit diesem moralischen Scheidewasser spülen wir am schnellsten die sensualen Auswüchse ab , die uns an unserm Glück hindern . « » Was verstehen Sie unter diesen Auswüchsen ? « » Die sogenannten wohlwollenden Gefühle , die die ärgste Lüge sind , der Selbstbetrug , der uns am klaren Denken , am folgerechten Handeln hindert . « » Sie lenken von meiner Frage ab . Für was lebt der Mensch ? « » Nur für sich selbst . « » Aber in dies Selbst schließen Sie die Ideen , Bestrebungen , Illusionen , wie Sie es nennen wollen , ein , die unser Dasein über das Vegetiren der Pflanze , über den Instinkt der Thiere erheben ? « » Vielleicht . « » Warum nur bedingt ? Sie wollen ihn noch nicht bewundern , aber Sie anerkennen Napoleon . « Er hatte mit unterschlagenen Armen , im Sopha zurückgelehnt , gesessen . Er sah sie scharf an : » Wollen Sie ein Napoleon werden ? « » Thorheit ! « » Fühlen Sie Beruf , eine Semiramis , Zenobia zu sein , oder eine Maria Theresia , Katharina « » Das liegt ganz außer meiner Sphäre . « » Das ist das Lösewort . Wer die Grenzen seiner Sphäre erkennt , weiß wofür er lebt . Er weiß auch , wie er leben soll , das heißt , er kennt die Mittel , mit denen er wirkt , bis wohin er wirken kann . Wenn er aber das weiß , weiß er auch , daß nichts ihn hindern darf , so zu wirken , wie er kann , sagen wir muß . Was man will und kann , muß man ; es giebt