Hand ein gesticktes Taschentuch , in der andern ihr Gesangbuch festhaltend , zerschmettert in der Tiefe lag . Das letzte Bewußtsein schwand in dem doch noch ziemlich rauschenden Wasser . Noch im Tode hielt sie ihr Taschentuch und das Gesangbuch krampfhaft fest . Am Ausgange des Waldes stand der geschmückte , stattliche Jäger , harrte und harrte , der Gottesdienst begann , man schickt in die Sägemühle und erst am Abend entdeckten Kohlenbrenner das geschehene Unglück . Die Fürstin , voll Theilnahme und sinnig wie immer , ließ oben an der Stelle , wo der Sturz begonnen haben mußte , ein einfaches Kreuz mit Erwähnung Dessen errichten , was hier so leidvoll und wie ein schwermüthiges Idyll geschehen war .... Dankmar ' s ernstes Nachdenken über die Erzählungen nahm die leidenschaftlich aufgeregte Melanie für eine Erinnerung aus seiner Jugend . Sie hörte Dem , was Alle erschütterte , kaum zu und erwachte erst aus ihrem Träumen und dem trunkenen Einathmen der sie so tief anregenden Erscheinung dieses jungen Mannes , als sie einen Namen nennen hörte , den sie jetzt nicht erwartet hätte . Lasally war nämlich boshaft genug , Melanie grade in dem Augenblick , wo seine Hoffnungen wieder entrückt zu werden schienen in eine ungewissere Zukunft , in dem Augenblick , wo ein unbekannter und ihm nur äußerlich bedeutend erscheinender junger Mann Melanie so mächtig fesseln konnte , sie mit Erinnerungen zu quälen , die ihr schmerzlicher waren , als der Wirthschaftsräthin die an ihren Schwager und ihre unglückliche Schwester . Lasally wollte sie hinabschleudern in das beschämende Gefühl der Abhängigkeit von männlicher Großmuth und so sagte er nach einer Pause , die jene Mittheilung halb vergessener und verschmerzter Unglücksfälle ablöste : Irr ' ich nicht , mein Herr , so sah ich Sie gestern im Walde mit einem Kutscher , in dessen Hände Sie wol nur durch einen unglücklichen Zufall können gerathen sein . Es war ein magerer blasser Mensch mit röthlichem Haar . Als er uns anreiten sah , entsprang er plötzlich . Ich glaube Ursache zu haben , in ihm einen gewissen Hackert zu vermuthen , der erst Schreiber bei des Fräuleins Vater war und nach und nach eine Reihe der verschmitztesten Bosheiten ausgeführt hat , die ihn wol bestimmen konnten , vor uns , die wir ihn sehr gut kennen , die Flucht zu ergreifen .... Melanie schoß auf Lasally einen vernichtenden Blick , der Dankmarn befremdete . Jetzt begriff er fast , warum Hackert ihn gebeten hatte , ihn hier nicht in der Eigenschaft eines Dieners aufzuführen und so groß war seine Antipathie gegen den kalten Ton der eben gehörten Bemerkung , daß er , trotz des Verdachtes , den ihm die im Walde von Heunisch gefundenen Kugeln einflößten , Hackert in diesem Augenblick zu seinem besten Freunde , ja zu einem Baron und Seigneur hätte machen mögen ... Sie irren ! sagte er , eingedenk des kalligraphischen Hackert ' schen Zettels . Ich führte mein kleines Fuhrwerk selbst . Die beiden Gefährten waren ein Handwerker , dessen Fußwanderung mir leid that , den ich aufnahm und vorhin im Thurm leider unter zweideutigen Inzichten wiedergefunden habe ; der Andere , auf den Ihre Beschreibung paßt , ist ein junger Mann , den ich im Heidekrug fand , gerade im Begriff , hierher nach Hohenberg zu reisen in Zwecken , die ich nicht kenne . Ich vermuthe , es ist ein Jagdliebhaber . Herr von Reichmeyer lachte laut auf und Lasally sagte etwas maliciös : Er verließ Ihren Wagen , angezogen wahrscheinlich von einem Wilde , das er zwischen den Schatten der Bäume entdeckt zu haben glaubte . War er bewaffnet ? fragte Frau von Reichmeyer sehr besorgt . Du hörst ja , liebe Schwester , sagte Lasally , er war diesmal ein Jäger ohne Flinte . Er sprang vom Wagen , aus freier Hand einen Hasen zu schießen .... Dankmar , der nicht begreifen konnte , wie man dazu kam , ihn über Hackert so scharf und beleidigend ins Verhör zu nehmen , fixirte Lasally mit unwilligem , zornfunkelndem Blick . Melanie , die zwischen diesen Männern eine Scene fürchtete , trat dazwischen und wollte den Streit scherzhaft wenden , indem sie sagte : Ich bitte ! Ich glaube , wir vergaßen die Herren bekannt zu machen ... Herr Lasally ! Herr Wildungen ! Dankmar , der fühlte , daß er bei seiner Aussage bleiben mußte , wandte sich unmuthig ab und sagte : Herr Lasally ! Warum soll ich von dem jungen Mann nicht annehmen , daß er die Jagd liebt ? Er war vielleicht doch bewaffnet . Hier sind noch drei Kugeln , die Herr Hackert im Wagen zurückließ . Wollen Sie sie ihm zurückerstatten ? Ich bedauere , ihn nicht wiedergesehen zu haben .... Als Dankmar die Kugeln vorzeigte , erschrak er über die mächtige Wirkung dieser Mittheilung . Lasally , der sich erhitzt hatte , erblaßte . Der Commerzienrath griff nach dem Blei und rief entsetzt : Es sind dieselben ! Frau von Reichmeyer hielt sich halb ohnmächtig an dem Pfarrer , der wie Dankmar und die Wirthschaftsräthin von Alledem nichts begriff und Melanie , todtenblaß , biß die Zähne zusammen , indem sie Lasally mit halb erstickter Stimme zurief : Es ist empörend ! Daß man Hackerten in diesem Kreise haßte und fürchtete , war Dankmarn nun gewiß , wenn er auch die Gründe dafür nicht begreifen konnte und sich im Gegentheil sagen mußte , daß Schlurck auf dem Heidekrug sich gegen den Nachtwandler äußerst liebevoll benommen hatte . Lasally war doch nicht der Mann , sich vor einer Kugel zu fürchten , selbst wenn man annehmen wollte , daß Hackert ihm eine zugedacht hätte ? Dankmar wußte zu gut , daß der Unbewaffnete eher feig als unternehmend war . Und doch dieser Schreck vor den drei Kugeln ? Selbst Melanie , die von Ungeduld und Verzweiflung über die lästigen Intermezzi gefolterte Melanie , schien diese Furcht zu theilen . Was war es mit den drei Kugeln ?