Aufrührer an , daß sie auseinander gehen mögten . Aber der Ruf ward übertönt von dem Geschrei der Menge . Und da tönte das Commando : » Feuer ! « Und da knackten die Hähne . Da war ' s geschehen ! Wehruf ertönte - das entsetzlichste Geheul schallte zum Himmel auf und überschallte auch das Röcheln der Sterbenden . Die Kugel folgt ihrem blinden Lauf und weiß nicht , wohin sie trifft - und die Hand , die im Dunkeln und auf Commando den Hahn abdrückt , die Hand weiß auch nicht , daß sie das Herz des Bruders treffen kann . » Pauline - das traf ! « » Franz - Du auch ? - Die Kugel steckt in meiner Brust - ach , so sind wir vereint , so ist ' s ja gut - der Himmel ruft die vereinten Seelen vereint - hinauf . « » Pauline ! Nun bist Du mein ! « Und sie drückten sich fest aneinander und ließen ihr Blut zusammen strömen und im heißen Kuß der Liebe flohen die Seelen nach kurzem Erdenkampf aus den jugendlichen Körpern . XI. Schluß Was nun weiter geschah ? Was soll ' s weiter ? Man weiß es ja wie das alle Mal kommt und alle Mal endet . Es ist hart , so Etwas wieder erzählen zu müssen , wieder erzählen zu hören ! - Im Publikum , in den Zeitungen trug man sich mit allerhand abenteuerlichen Gerüchten voller Unklarheiten und Widersprüche . Endlich begnügte man sich mit dem Vericht der in der Kürze festgestellten Thatsachen . In der Fabrik des Herrn Felchner hatte lange eine unheimliche Gährung geherrscht . Endlich war es sogar dahin gekommen , daß eines Tages die Arbeiter bewaffnet in die Fabrikgebäude drangen , die Maschinen zerstörten und als es Abend geworden war , sogar das Wohngebäude förmlich erstürmten und darin den barbarischsten Unfug verübten . Das aus der nächsten Stadt requirirte Militair war noch in später Abendstunde auf den Schauplatz dieses unheilvollen Ereignisses eingetroffen und so war es ihm gelungen , noch in derselben Nacht ziemlich und am andern Tage vollkommen die Ordnung wieder herzustellen . - Herrn Felchners große Verluste die er durch die sinnlose Wuth der Aufrührer erlitten , gab man auf noch unberechenbare Tausende an - als den schrecklichsten Verlust , der ihn betroffen , galt natürlich der seiner einzigen Tochter Pauline , welche in jener entsetzlichen Nacht so plötzlich und unbeschützt um ' s Leben gekommen war - getödtet von den Kugeln derjenigen , deren Kommen ihr strenger Vater mit solcher Ungeduld erwartet hatte ! - Er hatte wohl nicht daran gedacht , nicht darnach gefragt , ob unter den Schuldigen , denen er die mörderischen Kugeln entgegenschickte , auch Unschuldige sein könnten - und wenn er daran gedacht hatte , so hatte es ihn nicht gekümmert - er litt ja eben jetzt auch unschuldig - wie er meinte - das Schlimmste - aber da stand er wie vom Donner gerührt , als das eigne unschuldige Kind mit getroffen war von dem blinden Strafgericht , das er den Schuldigen zugedacht hatte . - Darüber , ob in der Fabrik des Herrn Felchner wirklich großer Nothstand der Arbeiter geherrscht habe - ob wirklich communistische Verbindungen unter ihnen bestanden - und ob die Noth - ob communistische Aufhetzereien - ob die Organe und Vertreter der schlechten Presse die meiste Schuld trügen an all ' dem Unheil , das so plötzlich hereinzebrochen war : darüber waren die Meinungen der Zeitungsleser sehr getheilt - ein jeder von ihnen bildete sich wohl seine eigene selbst . Herr Felchner rauste sich seine grauen Haare an der Leiche seiner Herzenstochter - aber es war , als sei mit ihr sein guter Engel gewichen - er ward immer mißtrauischer , immer tyrannischer und überlebte sie nicht lange . August und Wilhelm kamen in ' s Zuchthaus . Anton erhielt eine Medaille . Der Geheimrath von Vordenbrücken bekam einen Orden und der Polizeirath Schuhmacher , weil er schon Orden aus allen Classen hatte , eine goldne Dose . Gustav Thalheim und Graf Jaromir von Szariny waren von ihnen als Theilnehmer an communistischen Verbindungen angeklagt worden . Thalheim war aber mit Eduin von Golzenau schon über die Deutsche Grenze , als man sich seiner bemächtigen wollte - so ward ihm nun die Rückreise in das Vaterland verweigert . Da gegen Jaromir der Verdacht noch geringer , er ein Graf war und einflußreiche Verbindungen hatte , so begnügte man sich damit , die Censoren auf seine Artikel besonders aufmerksam zu machen . - Amalie verzweifelte daran , sein Glück zu zerstören , und schleppte ihr freudloses , überflüssiges Leben , dem es weder gelingen wollte , Glück noch Unglück zu verbreiten , in stiller Apathie mit sich weiter . Aurelie gab ihre Hand dem Kammerjunker von Aarens . Jaromir und Elisabeth standen an dem schönen Marmordenkmal über Paulinens Grab : » Sie dort oben in Liebe vereint - wir hier unten - wem ist das bessere Theil geworden ? « » Für ihre Liebe war das nur dort erreichbar - die unsere darf schon auf der kleinen trauten Erde ihre Freudenfeste feiern ! « So sprachen die Liebenden und hielten sich selig umfangen .