zu ihren Beinen Sorge tragen , sind aber Disteln bei der Hand , so werden die richtig geköpft , und jedem fliegenden Kopf wird nachgerufen : » Gäll du Ketzer , jetz heschs « , wobei die , welche es allfällig hören , im Zweifel bleiben , ob unter dem Ketzer der Vater oder die Mutter zu verstehen sei oder einfach bloß der Distelkopf . Auf Resli paßt , wie man sieht , keiner dieser Fälle , darum ward ihm auch ganz apart . In seiner Macht wäre es gestanden , den Korb abzuwenden ; das Mädchen liebte ihn , den Eltern konnte er gewähren , was sie wollten , und jetzt war er von Beiden verstoßen , von den Alten verhöhnt , und das Mädchen hatte ihm kein gutes Wort gegeben , im Zorn den Rücken ihm gewandt . Und doch war er im Recht , bei ihnen aber Unverstand , am dem scheiterte sein Lebensglück . Nun ist nichts , was man weniger begreift , als Unverstand , nichts erbittert daher mehr als dieser , und den von Einzelnen erlittenen schreibt man zumeist der ganzen Welt und Gott auf Rechnung ; daher zumeist junge Menschenfreunde ( Philanthropen ) alte Menschenhasser werden , denen die ganze junge Begeisterung in einen alten zähen Gallensatz sich niedergeschlagen hat . So ging es auch Resli . Die ganze Welt schien ihm ein Saunest , dem er im Galopp hätte entrinnen mögen , je eher je lieber , und dem lieben Gott warf er Blicke zu nicht für Gspaß , daß er solchen Unverstand habe zur Möglichkeit werden lassen . Er hatte die größte Mühe , seine Rosse nicht abzuflachsen so recht vaterländisch , aber es dünkte ihn , wenn nur so ein rechter Bauerndrüssel auf einem Wägeli oder mit einem Zug ihm begegnen würde oder gar ein lästerlicher , rot gefütterter Kommis mit einem erzwängten Schnauz , die wollte er mit einem Riß zusammenwettern , daß nicht eine Handgroß ganz an ihnen bliebe ; aber glücklicherweise begegnete ihm niemand als ein Hund , der herlief , die Pferde anzubellen , wie es eben Tiere gibt , sogar Menschen , welche alles anbeten müssen , was in ihren Gesichtskreis kommt . Dieser kriegte einen so tüchtigen Geiselhieb , daß er das Bellen einstweilen vergaß und heulend nach Hause lief und eine Zeitlang nicht gewußt haben soll , ob das Bellen ganz verboten sei oder nur zu Zeiten . Allmählig setzte sich das Fieber , und das allgemeine Gefühl wandelte sich in ein besonderes Denken , gleichsam in ein Wiederkauen des Vergangenen , in ein neues Überschlagen , ob er recht oder unrecht gehabt . Wenn er an den Bauer dachte , so juckte es ihn immer neu im Arm , und wehe dem Pferde , das in diesem Augenblick die geringste Untugend erzeigte , es kriegte richtig eins aus dem Salz ; denn es war Resli in solchen Augenblicken nie , daß er ein Pferd schlage , es kam ihm immer vor , der Bauer kriege die Hiebe , und da wars ihm , je härter sie wären , desto wöhler täten die dem Ketzer . Dann glitschten seine Gedanken , er wußte nicht wie , aufs Meitschi , und dort blieben sie , aber uneinig unter einander . Anfangs zürnte er auch ihm bitterlich , dann tauchte in ihm ein Fürsprech auf , der stellte sich an des Meitschis Platz , behauptete dessen Rechte , zeigte ihm , wie sein Nachgeben nur ein formelles gewesen , in re er recht behalten , wie es da nur um eine Wendung sich gehandelt , nur auf ein Stücklein Zutrauen angekommen wäre , und wenn dies zwei Liebende nicht mehr zu einander hätten , wer es dann noch haben sollte ! Wie , wenn er wirklich das Mädchen lieb gehabt und Erbarmen mit dessen Lage , er ja wohl hätte nachgeben müssen , was in diesem Punkte ganz alleine an ihm gestanden , wozu noch die Mutter selbst ihn gemahnt , ja ihn gewarnt hatte , die Sache auf die Spitze zu treiben , da es gar nicht am Mädchen gestanden , ob es nachgeben wolle oder nicht , sondern rein in der Gewalt des brutalen Vaters , der einen Pfifferling nach Recht und Billigkeit fragte . So wars ja nichts als Eigensinn von ihm , daß er darauf bestund , den Hof jetzt noch nicht zu wollen , und also am eigenen Eigensinn , nicht am Unverstand Anderer scheiterte sein Lebensglück . Wenn nicht ein dichter Haselhag zu beiden Seiten den engen Weg begrenzt hätte , wer weiß , ob er nicht rasch umgelenkt und in sausendem Galopp dem Dorngrüt zugefahren , seinen Eigensinn abgebeten hätte ! Aber diesem Fürsprecher gegenüber stund von Anbeginn , anfangs in nebelhafter Ferne , in unbestimmten Umrissen , ein schaurig Bild ; das Bild kam näher und näher , bestimmter wurden seine Züge , es war das Bild des zitternden , zornigen Mädchens in seiner krampfhaften Aufregung , wie es so blaß dastand , wie so zornig dessen Augen leuchteten , so blaß seine Lippen bebten , so wild es ihn zurückstieß , so haltlos aufs Bett es sich warf , so maßlos weinte und winselte . So hatte er noch keinen Menschen gesehen , die Mutter nicht , Annelisi nicht , keine Jumpfere . Etwa höhn waren alle gewesen , hatten rascher geredet oder streng geseufzt , auch geweint und waren in einen Ecken gestanden und hatten das Gesicht nicht gerne sehen lassen , aber so außer sich und so ohne Antwort auf ein freundliches Wort , unversöhnlich und rücksichtslos , war nie eine ihm vorgekommen . Es kam ihm in Sinn , was sein Bruder ihm gesagt von ertaubeten Meitschene auf die neue Mode ; auf und ähnlich hatte Anne Mareili getan . War er nicht glücklich , daß er das zu rechter Zeit noch gesehen , daß er dieses Weh in seiner ganzen Wüste erfahren ; denn wie unglücklich hätte er werden können wenn er