gehen , die sich ein Bild in der Geschichte auffangen , und daß sich in diesem Bild die Umstände so ketten , daß Du ein tief Schmerzendes oder hoch Erhebendes mit erlebst ; Du kämpfst gegen das Unrecht an , Du siegst , Du wirst glücklich , es neigt sich Dir alles , Du wirst mächtig große Kräfte entwickeln , es gelingt Dir , Deinen Geist über alles auszudehnen ; oder auch : ein hartes Geschick steht Dir gegenüber , Du duldest , es wird bitterer , es greift in die geweihte Stätte Deines Busens ein , in die Treue , in die Liebe ; da führt Dich der Genius bei der Hand hinaus aus dem Land , wo Deine höhere sittliche Würde gefährdet war , und Du schwingst Dich auf seinen Ruf , unter seinem Schutz , wohin Du dem Leid zu entrinnen hoffst , wohin ein innerer Geist des Opfers Dich fordert . - Solche Erscheinung erlebt der Geist durch die Phantasie als Schicksal , er erprobt sich in ihnen und gewiß ist es , daß er dadurch oft Erfahrungen eines Helden innerlich macht , er fühlt sich von dem Erhabenen durchdrungen , daß er sinnlich vielleicht zu schwach sein würde , zu bestehen , aber die Phantasie ist doch die Stätte , in der der Keim dazu gelegt und Wurzel faßt , und wer weiß , wie oder wann , als mächtige und reine Kraft in ihm aufblüht . - Wie sollte sonst der Held in uns zustande kommen ? - Umsonst ist keine solche Werkstätte im Geist , und wie auch eine Kraft sich nach außen betätigt , gewiß nach innen ist ihr Beruf der wesentlichste . - So fühl ich denn eine Art Beruhigung bei dem Unscheinbaren und Geringfügigen meiner Gedichte , weil es die Fußtapfen sind meines Geistes , die ich nicht verleugne , und wenn man mir auch einwerfen könnte , ich hätte warten dürfen , bis reifere und schmackhaftere Früchte gesammelt waren , so ist es doch mein Gewissen , was mich hierzu bewog , nämlich nichts zu leugnen , denn wenn je eine reine selbstgefühlige Gestalt hieraus sich entwickelt , so gehört auch dies hinzu , und was ich bis jetzt auf diese Weise in mir erlebte , ist ja , was mich bis hierher führte , zu diesem Standpunkt meines festen Willens . - Ich habe Dir jetzt genug gesagt , ich hab es aus Liebe zu Dir getan , so wie Du so manches aus Liebe zu mir gesagt und getan hast , und Du hast außerdem noch einen nahen Anteil an allem , wie denn dies nicht anders möglich ist . - Ich bitte Dich aber dringend , lasse es in Deine Stimmung nicht einwirken , sondern sorg , daß Du mir hübsch ganz Du selbst bleibst , Dein Manuskript ist an den Primas besorgt worden . Caroline Was hast Du denn für einen Brief an Voigt geschrieben von einem polnischen Juden ? An die Günderode Das Wetter hat sich geändert , der grüne Bergrasen lacht das bißchen Schnee aus , was Winter sein will , ich bin den ganzen Tag nicht zu Haus . Die Sonn und der Mond gehn abends zusammen am Himmel spazieren , ich war gestern früher oben , um zu sehen , wo sie bleiben , ich guckte in die Luft , die so weich weht , und in die veränderte Landschaft , weil über Nacht der Schnee weggeschmolzen war , und konnt mich auf nichts mehr besinnen in der schmeicheligen Natur , so geht ' s gewiß den schneeentlasteten Tannen auch und den Wiesen ; und die gelben Weiden und die Birken taumeln in dem lauen Wehen wähnend und schwankend , als könnt der Frühling wohl einmal den Winter überhüpfen ; sie sind im Winterschlaf vom Frühlingstraum geneckt , ich auch , - ob nicht alle Seligkeit hier Traum von später ist ? Sie ist so kurz , so zufällig . - Frühling ist Seligkeit , weil ' s Begeistrung ist von der Zukunft , Seligkeit ist Begeistrung zum Leben , das ist Frühling . Wer ewig zum Leben begeistert ist , der ist immerdar Lebensfrühling , das Leben ist aber bloß Begeistrung , denn sonst ist ' s Tod ; und so ist das Leben heut und immer knospenschwankend im Wind , der die Zeit ist , knospenschwellend in den Sinnen , was die Natur ist , und knospenduftend im Geist , der die Sonne ist . Das ganze Leben ist bloß Zukunftsbegeistrung , nicht ein Moment kann aus dem andern hervorgehn , wär ' s nicht Begeistrung der Natur fürs Leben . Die Zeit würde aufhören , wär die Natur nicht mehr frühlingbegeistert , denn bloß daß sie ewig nach der Zukunft strebt , macht , daß sie lebt ; und daß sie ewig den Frühling erneuert , das ist ihre Seele , ihr Wort , das Fleisch geworden ist . Sie öffnet die Lippen und schöpft Atem der Zukunft , das ist der Frühling , der blüht schnell alles heraus , das ist Ausatmen der Begeistrung , Frucht der Blüte , Bestätigung des begeisterten Lebensatems , Sommer , wo der Busen der Natur atemerfüllt die Lebenskraft in der Frucht , im Apfel , in der Traube wieder aushaucht in den Herbst hinüber , in dem er reift , absetzt ; das ist im Busen der Natur Winterpause , da regt sie sich einen Moment nicht , wie die Brust sich auch nicht regt zwischen Sinken und Steigen vom Atem ; - und dann hebt sich der Busen ihr allmählich wieder , mächtig und mächtiger - trinkt Lebensbegeistrung heiligen Atems voll . So ist das Leben frühlingbegeistert Atemschöpfen , und Sommer und Herbst sind der Begeistrung Aushauch , und der Winter ist nur Frühlingspause ; in ihr sind alle Sinne schon wieder auf das Atemschöpfen hingewendet . Alt ist keiner als nur , wer die Zeit achtet als bestehend . - Die Zeit ist nicht bestehend - Schwinden ist Zeit