mit kalter , lauter Stimme : » Reginald Crecy von Ste . Roche . « - Der Vikar hielt einen Augenblick inne ; dann sagte er , ohne es in die Taufformel einzuschließen , indem er den Grafen fragend ansah : » Reginald , Graf von Crecy ? « » Reginald , Crecy von Ste . Roche ! « unterbrach ihn der Graf mit jähem Wechsel der Farbe , indem sein Auge starr und zornig auf dem jungen Geistlichen haftete . - Nach einer Pause schloß der Geistliche mit diesem Namen die Ceremonie . Kaum war sie vorüber , so eilte der Graf auf das Kirchenbuch zu , nahm selbst die Feder und schrieb den Namen ein . Als die Zeugen unterschrieben , sahen sie , daß der Name Crecy unter den Vornamen stand , Ste . Roche als Familienname . Keiner sprach einen Glückwunsch . Der Graf blieb in stolzer Abgeschlossenheit stehen , bis Alle unterschrieben hatten ; dann verließ er plötzlich die Kapelle , und der beraubte und entehrte kleine Täufling ward , von Niemandem begleitet , nach dem alten Schlosse zurückgetragen , das ihm eben seinen Namen hatte leihen müssen , von dem Manne beraubt , dessen Herz sich zu verhärten begann , wie die Steinmassen , die ihn aufnahmen . Weder Emmy Gray , noch Fennimor erfuhren , was geschehen war . Emmy verließ ihren Liebling nicht , und die Wärterin , eine völlig unwissende Person , hatte keinen Anstoß gefunden , den sie hätte verrathen können . Veronika aber , ihr Bruder und der Arzt gelobten sich Schweigen , um nicht voreilige Erschütterungen zu veranlassen . Fennimor verließ jetzt das Bett , und die schönste Jahreszeit machte es möglich , daß sie unter den Schatten der Bäume getragen werden konnte , das holde Kind im Schooße , das noch schlafend sein kleines Leben einhüllte , von der Liebe behütet , die ahnend in seine Bedürfnisse eindringt . Wo konnte man ein vollständigeres Bild dieser aufhorchenden Liebe finden , als in Fennimor ! Wie schön war diese sanfte . blasse , kindliche Mutter mit dem unnennbaren Zauber der seligsten Befriedigung ! Die Harmonie ihres Innern ruhte in jedem Zuge , in jedem Laut ihrer Stimme ; kein Gefühl trat vor dem andern vor ; ihre Liebe zu Leonin war die Liebe zu ihrem Kinde - Gott , die Natur , fielen wie Strahlen hinein - es war Alles dasselbe ! Sie schwamm , wie eine schöne duftende Nimphaea , auf dem ruhigen Wasserspiegel der Gegenwart - die Sonnenstrahlen über ihr , die den kurzen Lebenstag beseligten , für unvergänglich haltend - die Nacht vergessend in dem reinen Lichte des Mittags ! Leonin hatte das Härteste gethan , ehe der Eindruck dieses verklärten Zustandes ihn erfassen konnte . Jetzt stand er davor - von seinem Gewissen aus diesem Paradiese vertrieben , den Fluch schon fühlend , der seine Stirn langsam umkreiste , die Flammenschrift der Befleckung einzugraben ! Wie Leonin auch gelernt hatte , mit der Sünde zu scherzen , ihren Lockungen nachzugehen und vor ihren Anforderungen nicht mehr zu erbeben - das erste positive Böse hatte er erst hier gethan , und er empfand den ungeheuern Unterschied zwischen einem solchen eigenmächtigen , selbstgewählten Schritt und dem negativen Hingeben , dem er bis jetzt sich überlassen . Gerade , daß er noch nicht vollständig verführt und verhärtet war , machte diesen Schritt so verhängnißvoll für ihn . Es war damit eine Art Wahnsinn entstanden , eine Mischung von Schmerz , Verzweiflung , Haß und Grausamkeit , die sein ganzes Wesen in Gährung versetzte und nur eine hohnlachende Stimme aus ihm hörbar werden ließ , die immer aufs neue wiederholte : vorwärts , vorwärts , Du bist nicht mehr zu retten ! Hätte Fennimor nicht an ihrer Brust das holde Kind , diesen Schild gegen alle Verwundungen der Welt , getragen , wie würde sie Leonin ' s Veränderung schnell erkannt haben ! Aber das Kind lag zwischen ihnen - sie fand Leonin nur durch dies hindurch und deshalb immer verklärt oder eingehüllt . Doch auch für diese Täuschung mußte die Aufklärung kommen . Fennimor ward mit den wiederkehrenden Kräften auch selbstständiger ; aus dem physisch träumerischen Zustande , der sie zu Anfang an ihr Kind fesselte , wie noch in einem Pulsschlage gebunden - erfolgte nun die natürliche Trennung , die in der Mutter die gesonderte Existenz herstellt , die der erste Schritt für die Emancipation des Kindes wird . Hiemit trat sie Leonin näher , und ihr kluges Auge , ihr reines Gefühl ließ sie augenblicklich die Wahrnehmung seiner Veränderung machen . » Ach , Leonin , « sagte sie - » durch Lesüeur habe ich viel von der bösen Welt gehört , in welcher Du leben mußt , und es hat mich recht geschmerzt auch um Deinetwillen ! Wie schwer muß es sein , dort zu leben , und wie kann ich es Dir anfühlen , was Du dort leiden mußtest ! Du hast keinen guten Blick mehr - Deine Seele sieht traurig aus Deinen Augen heraus ! « Leonin zog ein Lächeln um seinen Mund - es war krankhaft und bitter und enthielt eine ganze Antwort , die aber Fennimor nicht verstehehen konnte ; und da er außerdem schwieg , fuhr sie fort : » sag ' mir , bleibst Du nun in der schönen Welt hier , oder muß ich mit Dir in jene andere hinein ziehen ? « Hoch brauste es in Leonin ' s Brust auf . Ha , rief seine Seele , warum stößt Du mich selbst in den Abgrund , den ich Dir noch verdecken wollte ? So machte er , verwirrt von der Verzweiflung seines Herzens , es ihr zum Vorwurf , daß sie ihn veranlaßte , ihr zu sagen , wie unglücklich er sie zu machen beschlossen hatte ! Wer hätte die Qual zergliedern können , die ihn zerriß , als er die Lippen öffnete . » Weder das Eine , noch das Andere , « rief