und das brachte meine Eltern zur Verzweiflung ; denn es hatten sich manche junge und reiche Leute gemeldet , die über unser Elend hinwegsehen wollten . Ach ! Leonhard , du kannst dir nicht denken , du Glücklicher , wie es das Herz zerreißt , wenn man den Jammer sieht , die Sorge , die Angst der Alten um jeden Groschen , der geschafft oder verwandt werden soll . Daneben die lauten , und noch schlimmer die stummen Vorwürfe , die Blicke einer Mutter , die nach Hülfe schmachten . Und nun hat man es in der Hand , mit einem Wort , mit einer einzigen kleinen Silbe zu helfen , dieselben Eltern wieder glücklich zu machen , die Blut und Leben in der Kindheit für uns hingegeben hätten ; nun fallen einem alle die Blicke und Küsse ein , die teure Sorgfalt in Krankheit , wie oft sie sich selbst am Munde absparten , um dem Kinde Freude zu machen , um ihm Arzenei zu verschaffen , um ihm ein Spielzeug zu kaufen . Und ebenso war es schon vorher , lange vorher , ehe man denken und sich erinnern kann ; dieser mütterliche Busen , der jetzt nach einem Labsal schmachtet , hat uns gesäugt ; das tränende Auge hat über uns gewacht ; - sieh , Liebster , man läßt sich endlich von Angst und Not , Liebe und Verzweiflung , und von der Stimme eines Engels , der dazwischenspricht , bereden - und sagt dann das Ja , worüber die Alten aufjubeln , und einem danken , als wenn man sie vom Tode gerettet hätte , wie es denn hier auch der Fall war - aber , Leonhard , ich hätte , um ihr Elend zu enden , nicht einen jener hübschen jungen Männer nehmen können - nicht wahr , das hätte dich noch mehr gekränkt ? Und weiß ich doch nicht , ob du nicht auch schon längst verheiratet bist . « Leonhard sah trübe vor sich nieder und fragte dann : » Und wer ist dieser Auserwählte ? « » Du kennst ihn wohl « , sagte sie ; » ein Mensch , der dich haßt , der dich damals ermorden wollte . « Als er wieder Witwer war machte er sich an uns , und bot seine Hülfe an , weil er reich ist . Er setzte etwas darin , mich nicht aufzugeben , und so habe ich mich drein ergeben müssen . Jener häßliche Mensch ist es , mit dem du den Kampf damals ausfochtest . » Der ? « sagte Leonhard , » und er ist hier ? « » Ach nein ! er ist auf Reisen , wie öfter , und das ist ein Glück . In acht Tagen etwa wird er zurückkommen . Er hat seitdem vielerlei Begebenheiten erlebt , und späterhin auch einen andern Namen angenommen , seitdem ihn ein reicher Vetter in der Stadt zu sich nahm , und ihn zum Erben einsetzte . Dann ist er in Deutschland und auch auswärts herumgereiset und hat viele Weinberge und große Häuser drüben in einer benachbarten Stadt . Er hat meinen Eltern das größte , bequemste Haus im Dorfe hier verschrieben und vermacht , auch Weinberge , Wiesewachs und Fluren und Triften . Ach , meine Alten sind seitdem so glücklich ! Oben , am Ende des Dorfes wohnen sie auch in dem großen Hause . Hier habe ich mir in der lieben alten Häuslichkeit meine Wohnung aufbewahrt , bis dahin wo das Schreckliche geschieht , und der Wassermann zurückkommt . « » Wassermann ! « rief Leonhard höchst überrascht aus » - o der der kommt niemals wieder ! « - Er erzählte der Erstaunten nun was sich in Nürnberg begeben hatte . » Das ändert freilich alles « , sagte sie nach langem Stillschweigen . Sie gingen hierauf , nachdem beide sich mehr gesammelt und Freude und Rührung überwunden hatten , nach dem großen Hause , zu den Eltern Kunigundens . Alles geriet hier über die Nachricht von Wassermanns Tode in Bewegung . Man fragte dies und jenes , man verstand sich nicht ; die Alten , die so lange vom Elend waren verfolgt worden , fürchteten , von neuem unglücklich zu werden , und daß man ihnen den kürzlich gewonnenen Besitz wieder entreißen könne . Leonhard tröstete und beruhigte sie . Er fühlte , was in solchen Bedrängnissen ein verständiger Freund den Unerfahrenen sein , wie hülfreich er ihnen werden könne . Jetzt war es ihm von neuem tröstlich , eine bedeutende Summe bei sich zu haben , weil ihm ahndete , daß er des baren Geldes um die Lage dieser Armen zu sichern , wohl bedürfen würde Statt der schönen Ruhe , von welcher er geträumt hatte , wurde er in eine unerwartete Tätigkeit geworfen . In Bamberg suchte er einen tüchtigen Rechtsgelehrten auf . Wassermann hatte nur wenige und sehr entfernte Verwandte . Diese wohnten in der Würzburgischen Stadt , in welcher Wassermann seine Häuser besessen hatte . In Bamberg war ein Testament niedergelegt , in welchem der reiche Wüstling Kunigunden und ihren Eltern und Verwandten sein ganzes Vermögen vermachte . Die Ehe aber war nicht vollzogen worden . Leonhard reisete mit dem wackern Rechtsgelehrten , der sich der Sache mit großem Eifer annahm , nach jenem Städtchen . Die Nachrichten und Beweise von Wassermanns Tode waren seitdem auch vom Nürnberger Magistrate eingesendet worden . Mit den Verwandten , welche gar nichts von dem Vermögen des entfernten Vetters erwartet hatten , war bald ein billiger Vergleich geschlossen , und alle waren zufriedengestellt . So konnte der größte Teil der Verlassenschaft Kunigunden und den Ihrigen zugesprochen werden , was um so erwünschter war , da nun eine jüngere Schwester ihren Bräutigam heiraten und mit diesem eine Wirtschaft anfangen konnte . Kunigunde hatte auch noch die Freude , daß ein Bruder von seiner vieljährigen Wanderschaft zurückkam . Diesem war sie mehrere Meilen in der Freude ihres Herzens , als die Nachricht eintraf , heftig , wie