. Wen ich willkommen heiße , der darf auch dessen sicher sein . Setzt Euch , fügte sie hinzu und zog Maria auf einen kleinen Sessel , der nächst ihrem Lehnstuhl stand , und Du , Richmond , nimm Deinen alten Platz hier ein und lies mir das Ende Deines Briefes vor . Meine liebe Maria wird sich so lange mit sich unterhalten . Richmond that , wie ihm geheißen , und obwol er erst nach einigem Verzuge die Stelle wiederfinden konnte , bei welcher Maria ' s Ankunft ihn unterbrochen hatte , las er , doch mit einer Stimme , die noch lange vergeblich nach Festigkeit strebte , weiter : » Ich kann unter diesen Umständen nicht genau angeben , wann mir das Glück zu Theil werden wird , Dich , meine geliebte Tochter , zu umarmen . Keinesfalls kann ich indeß wünschen , daß Du nach London kommest , da in der Hoffnung , die sich uns jetzt darbietet , mir vielleicht vergönnt sein wird , nach Godwie-Castle zu kommen . Daß ich diesen Zeitpunkt herbei sehne und Alles , was in meinen Kräften ist , anwenden werde , ihn zu beschleunigen , wird Dir gewiß sein , und meine Tochter wird nicht wünschen , daß etwas in einer Sache übereilt werde , wovon die Ehre ihres Vaters abhängt . « Da sei Gott vor , sprach die Herzogin und legte den Brief des Grafen von Bristol , den Richmond ihr reichte , ehrerbietig zusammen : doch bin ich der Meinung , daß mir am allerwenigsten zustehe , mit Besorgniß an diese Beweisführung zu denken . Nicht als Tochter fühle ich mich um die Ehre meines Vaters besorgt , als Engländerin bin ich besorgt und beschämt ; denn sagt , wohin muß es mit einem Lande gekommen sein , in dem sich die Männer , die sich die Säulen des Staates nennen dürfen , an die sich die Verehrung zweier Generationen und die Hochachtung fremder Staaten knüpft , vertheidigen müssen , gleich als wären sie unbekannte , dem Zweifel unterworfene Emporkömmlinge , für welche keine Thaten reden können . England wird erstarren an der Nachricht , Bristol stehe vor dem Richterstuhle eines Parlaments , und neues Weh wird den Namen Buckinghams treffen , der so grenzenloses Elend verbreitet , und mit welchem die Nachwelt alles Unglück und alle Schande dieser Zeit bezeichnen wird . Maria schauderte zusammen . Die bittern , strengen Worte der gekränkten Frau bezeichneten die Katastrophe , in die ihr eignes Schicksal nun so geheimnißvoll und gefährlich verflochten war ; sie nannten zugleich den Namen Buckingham in derselben Beziehung , als Membrocke es gethan , und bestätigten die Wahrheit seiner Angaben . Ich habe Euch , theure Mutter , noch Einiges über die Vermuthungen des Grafen Archimbald mitzutheilen , hob jetzt Richmond an . Seine Thätigkeit hat keinen Augenblick gerastet , und so große Hindernisse ihm die Wachsamkeit Buckinghams auch in den Weg legte , ist es ihm mit Hülfe eines mächtigen und geheimen Feindes von Buckingham dennoch gelungen , dem Lord Saville auf die Spur zu kommen , der , nach der Ueberzeugung Euers Vaters , die wichtigen Dokumente entwandte , die von der Hand des Herzogs von Olivarez unterzeichnet , das bestimmte und durchaus ehrenvolle Benehmen des Grafen bestätigen . Gewiß ist eine traurige Zeit gekommen , wo Lord Bristol eines Dokuments bedarf , sich freizusprechen von dem schmählichen Verdachte , sein Vaterland muthwillig und um persönlicher Genugthuung willen in einen so gefährlichen Krieg verwickelt zu haben ; aber es ist dahin gekommen , wollen wir uns immer freuen , daß es der Unschuld nie an Freunden fehlt , und daß Lord Bristol die Besten des Landes unter die seinigen zählt . - Du sagst ein wahres Wort , mein Sohn ; aber ich wiederhole es , ich trage Leid um England , das auf dem Wege ist , dem Auslande ein Spott zu werden ! - Graf Archimbald , fuhr Richmond fort , scheint überdies die Auflösung des Königs zu erwarten . Die Fieberanfälle haben sich wiederholt , und die Idee des Krieges mit Spanien ist ein Schreckbild geworden , dem der unglückliche , schwache Greis , dessen ganze kleine Politik - Zeit seines Lebens - in dem Bündniß mit Spanien bestand , zu unterliegen droht . Buckinghams Abschluß der Vermählung unseres Prinzen mit der französischen Prinzessin soll fast wider Willen des Königs und des Prinzen geschehen sein . Den König hat dieser verwegene Mann zittern gelehrt und das Jawort des Prinzen während einer hitzigen Krankheit erhalten , die ihn gleich nach der Rückkehr von Spanien überfiel und über deren Ursache , obwol Buckingham den Prinzen fast ausschließlich umgab , doch sehr seltsame Gerüchte umlaufen . So viel ist gewiß , daß der Prinz , stets Allem gnädig , was unsere Familie angeht , Alles angewendet hat , diesen Prozeß von dem Grafen Bristol abzuwenden , daß der König aber , von Buckingham verhärtet und außer sich über den Gedanken , am Ende seiner Laufbahn noch einen Krieg zu erleben , den er stets so ängstlich vermieden , den Grafen als die einzige Ursache davon ansieht . - Nun , rief die Herzogin , so erhalte Gott sein Leben nur noch so lange , bis er seinen besten und getreusten Diener gerechtfertigt vor sich sieht . O , ich ertrüge es nicht , wenn dies gekrönte Haupt zur ew ' gen Rechenschaft gerufen würde , ehe er dem sein irdisch Recht gesprochen , der sich um ihn so wohl verdient gemacht . Hier entglitt dem Busen der unglücklichen , gequälten Maria ein tiefer Seufzer . Der gerechte Wunsch , dieser edeln Frau , ihrer Wohlthäterin , der Mutter Richmonds , dieser heil ' ge Wunsch , für dessen Erfüllung auch sie ihre Hände hätte zum Himmel erheben müssen , er enthielt das Todesurtheil über den einzig ihr gebliebenen Verwandten , über den theuern Oheim , an den sie trotz des Scheines von Schuld , der ihn zu treffen schien , nicht ohne