Weil wir nun eben so lustig zusammen sind , will ich Euch ein Lied vorsingen , was mir nachher die Bauern nachgesungen haben und wußten nicht , was es recht heiße ; es schmeckte ihnen aber wie die neunerlei Kräuter am grünen Donnerstag . Für meinen Vater bettle ich Den ganzen Tag im Staube , Belüg die Leute freventlich , Wachs auf zu Mord und Raube . Er hörte nimmer meine Not Und trieb mich aus wohl in den Tod . Ich ruf ihn oft in dunkler Nacht In meine dunkle Kammer , Wenn blutig mir der Mond erwacht Und wecket allen Jammer : Ach Vater laß vom Raube ab , Das gibt uns nie ein ehrlich Grab . Da wirft er mich zur Tür hinaus , Da kann ich ruhig schlafen ; Da spukt es nicht wie in dem Haus , Weil da die Hunde blaffen . Dafür soll Vater schlafen auch Von Sohnes Hand nach Räubers Brauch . Ich hab am Dornstrauch ihn erharrt , Die Armbrust ist voll Tücke ; Es scharrt mein Fuß , mein Auge starrt , Weil ich so lang mich bücke . Es weht vom Berge her ein Wind , Der ist so rauh und kalt gesinnt . Die Zunge lechzt , kein Tropfen sinkt ; Die Zeit ist schier verflossen . Das Zeichen von dem Berge klingt , Gleich hab ich abgeschossen ! Doch das traf nur sein Schattenbild , Der Mond deckt über ihn sein Schild . Laßt heute nur den Vater fliehn , Ich krieg ihn doch noch morgen ; Ich will auf seine Fährte ziehn , Da lasset mich nur sorgen , Das ist dem Jäger leichte Sach , Ich schick ihm meine Hunde nach . « Bei diesem Schlusse sprang Seger auf ; - » Anton , Anton ! da kommt ein Augsburger über die betauten Spinnweben , könnt ich sie ihm zum Strick drehen ; Anton , schieß ihn nieder ; da hast du meine Muskete , oder du bist des Todes , sieh , er zielt auf dich . « Anton wandte sich um und sah einen alten Jägersmann , dem die Augen entweder ausgefallen oder tief in den Kopf zurückgetreten waren , mit einer Muskete hinter sich stehen . - » Schieß ihn nieder « , rief Seger noch einmal . - » Fabian , Fabian ! « rief drohend der Alte , und bei dem Worte riß ein Vorhang in Antons Hirn ; wie eines vergangenen Lebens erinnerlich entfiel ihm alle Gegenwart ; er nahm staunend die Muskete Segers und wollte sie gegen den Ankommenden losbrennen . In dem Augenblicke blitzte gegen ihn ein Schuß auf , daß er zu Boden fiel ; er glaubte etwas wie eine lange schwarze Schlange von ihm fort über den Boden schleichen zu sehen , und indem er den Windungen so nachsah und ihrer Bewegungen staunte , verlor er alles Bewußtsein . Während Seger den ersten Schrecken zur Flucht benutzt hatte , war Susanna herbeigeeilt , den geliebten Herrn aus der Ohnmacht zu erwecken . Sie wollte erst den Alten , weil er ihn verwundet , nicht zu ihm lassen , aber der Alte weinte so schmerzlich , daß sie bald an ihn glaubte . Er griff darauf mit rüstiger Kraft den Ohnmächtigen um den Leib , Susanna erhob die Füße , und so schleppten sie ihn mit vieler Anstrengung nach dem weißen Schlosse im Walde . Auf ein dreimaliges Pfeifen des Alten ließ sich die Zugbrücke herunter ; es kamen mehrere alte Diener dem Jäger ehrfurchtsvoll entgegen und trugen Anton auf seinen Befehl in eins der geräumigsten Zimmer des ersten Stockwerkes . Hier wollte Susanna ihren sympathetischen Verband wieder versuchen , aber mit Schrecken sah sie , daß die Wunde an der Hüfte , und ihre Schamhaftigkeit gestattete ihr nicht , sich zu der Besichtigung zuzudrängen , insbesondere da ihr der Alte einen Wink gab , seinen Wundarzt nicht zu stören , der in kunstgerechter Art die Wunde untersuchte . Anton litt dabei sehr schmerzlich , doch seine Stärke ertrug alles ; der Wundarzt fand keine Lebensgefahr , sein Inneres war unverletzt , aber in seinem starken Fleische hatte sich die Kugel so vertieft , daß sie nicht herausgebracht werden konnte , darum war nur eine langsame Genesung zu erwarten . Diese Nachricht schlug Anton mehr darnieder als der Schmerz ; er sehnte sich nach seiner Hausfrau und beschloß , ihr zu schreiben , sobald er seiner Gesundheit gewiß wäre . Unter solchen Gedanken schlief er unbemerkt ein , und es träumte ihm wieder , wie ihm so oft schon geträumt hatte , er sei auf den Armen einer schönen Frau , die ihn mit offenem Munde küßte , und halte an rotem Bande ein Lämmchen , das an seine Schuhe beiße , weil sie grün waren , und er könnte der Mutter nicht sagen , was ihn ängstige , weil sie ihn küßte und weil er nicht sprechen konnte ; bis endlich der Vater , ein großer ernster Mann , hinzugetreten und das Lämmchen gefüttert . Da wurde ihm so stille und wohl , er sah im Zimmer umher , sah die grünen Vorhänge , das alte Bild , welches der Vater ihm immer zeigte . Es stellte zwei Kramläden neben einander von entgegengesetzter Art dar : in dem einen standen Harnische , groß und klein , Helme , prachtvoll befiedert , Degen und Lanzen , ungeduldig blendend , die rasche Kraft zu wecken , die sie führen und brauchen sollte ; in dem andern hingen viele Bilder großer Begebenheiten , mancher Degen in raschem Schwunge , mancher Harnisch zertreten , manche Lanze zerbrochen ; vor beiden Kramläden stand aber ein Knabe zweifelnd und hielt sein Geld in beiden Händen ; dort waren die Harnische und noch viel mehr , aber es war Täuschung ; hier hingen die Harnische wirklich , aber er wußte nicht , ob ihm einer passe , und dann halfen sie ihm nichts . In diesem Bedenken wachte er auf ; es