; als sie über sich selbst lustig auf einen Baum kletterte und lachte und die Äste küßte , die voll Kirschen hingen , und die aß sie langsam und knipste die Kerne zu dem heiligen Bilde , wobei sie sagte : » Bist du von Stein , so kannst du auch Steine essen . « Der Teufel freute sich darüber sehr und funkelte ihr alle versteckten Kirschen entgegen . Sie hatte aber genug , und stieg herunter und machte aus allen Kirschstengeln Knoten und aus den Knoten einen Kranz , den sie Christus aufsetzte zum großen Ärger des Teufels ; denn er sah , daß alles in ihr ganz unschuldiges Kinderspiel sei , weder gut noch böse , und daß er ihr also noch nichts anhaben könne . Gleich darauf verglich sie alle Früchte im Garten nach ihren Farben , nach ihren Kernen , nach ihrer Haut , Staub und Wolle , Geschmack und Geruch , und machte sich daraus allerlei Kameraden von verschiednem Charakter , wobei sie einen besondern Haß gegen die schwarzen Aalbeeren und eine Art heiliger Scheu gegen die reine Frische der Erdbeeren empfand ; das mißfiel dem Teufel wieder , der die Aalbeeren in seinem Wappen führt . Bald fand sie an einem Pflaumenbaume die durchsichtige weißgelbe Kugel des ergossenen Harzes , sie hielt es für einen großen Schatz und gedachte des Paradiesbaumes , woraus nach der Lehre des Spiegelglanz , das Bdellium , der Bernstein geflossen . Ein blaues und ein grünes Seejüngferlein , die da auf einigen Stauden flatterten , entzogen sie allen andern Gedanken ; sie hatte nie so schlanke farbige Leiber , so zierliche schimmernde Flügel gesehen ; es erwachte in ihr eine Sehnsucht danach , als wenn es ihre Seele wäre , die ihr entflattern wollte , und wirklich haben diese Tiere einen besondern Anflug geistigen Daseins . Sie sah ihren Lehrer gar nicht , der inzwischen mit seinem Buche in den Garten geschritten . Endlich fing sie beide , und brachte sie ihm triumphierend . SPIEGELGLANZ . Woher so schnell , du sahst mich kaum , liefst immer zu als wie im Traum . Johanna aber sprachlos vor Freude , zeigte ihm die beiden Tiere , die sie an den Flügeln hielt und mit den Beinen gegen einander spielen ließ . SPIEGELGLANZ . Zwei Seejüngferlein sind ein rechter Dreck , geh , mach sie tot , und wirf sie weg . JOHANNA . Die können wohl so lieblich singen , daß alle Leut ins Wasser springen ; hast du mir nicht davon erzählt , wie der Ulysses ward gequält ? SPIEGELGLANZ . Die waren wie Jungfern , du dumme Gans , und hatten nur hinten den Fischschwanz . JOHANNA . Dir will ich sie alle beide schenken , es ist mir das Liebste ohne Bedenken , du mußt sie nur zusammen bewahren , und ja ihr Futter nicht ersparen . SPIEGELGLANZ . Ich laß sie frei , ich laß sie los , sie kommen wohl wieder , wenn sie groß . JOHANNA . Nein , was mir lieb , das laß ich nicht , Ihr stoßt sie fort , das Herz mir bricht , Ihr werdet mich wohl auch frei lassen , und in der weiten Welt verlassen , da weine ich mir die Augen aus , das ist nun heut mein Abendschmaus . SPIEGELGLANZ . Du bist ein Kind , sieh , Heidelbeeren , die ich im Wald für dich gelesen , laß doch dein Weinen , sieh die Zähren , die fallen drauf , das ist ein Wesen um solche große Wasserfliege . Warst du denn fleißig , zeige her , ich seh ja nichts als krumme Züge , auf dem Papiere kreuz und quer . JOHANNA . Ich wollte eben recht anfangen , da war die Sonne mir vergangen . SPIEGELGLANZ . Du Schlingel , muß ich so was sehen , so wirst du nun mit Schand bestehen . Wozu nun meine Mühsamkeit , mit der ich dich gebracht so weit , daß du nun selber kannst was tun , statt dessen magst du lieber ruhn ; Herumlottern , Faulenzen , Spielen , das ist so Wasser auf deiner Mühlen . JOHANNA . Nein lieber Herr , ich war so fleißig , ich machte Pläne mir , wohl dreißig , für jeden Tag des Monats einen , doch heut allein vollführt ich keinen , weil hier ein ewiges Singen war , von einer Käfer- und Fliegenschar , von rauschenden Brunnen , knisternden Dielen , ei da verging mir Schreiben und Spielen . SPIEGELGLANZ . Du wirst zuweilen ganz unvernünftig , ja sag , was soll aus dir werden nun künftig , denn kannst du zum Studieren nicht taugen , so muß ich dich zur Aufwartung brauchen . JOHANNA . Dir wart ich auf so herzlich gerne , dir ' s an den Augen abseh von ferne , was dir bequem und was dir lieb , ach lieber Meister , dich nicht betrüb , ich will mich vor fremden Gedanken hüten , es geht nur nicht hier bei Früchten und Blüten , hier ist mir als lebt ich ganz da drinnen , und kann mich niemals in mir besinnen , daß ich die Feder wirklich führ , bin nirgends weniger als in mir . SPIEGELGLANZ . Sollst künftig im Zimmer verschlossen bleiben , ich dachte dir fröhlich die Zeit zu vertreiben ; doch seh ich , du bist nur für den Zwang . JOHANNA . Ach lieber Herr , du machst mich bang , von meinen Balsaminen zu lassen , wahrhaftig da kann ich gar nicht spaßen , von meinen Erbsen , die ich gesät , nun eben alles so wohl gerät , von meinen Bohnen , die um die Stangen mit leichtem Grün sich fröhlich schlingen , und erst so schwach aus der Erde drangen , daß ich sie aus der Hülse tät zwingen . SPIEGELGLANZ . Fort mit den Kasten , die schütte ich aus . Ei das verdirbt mir ja das Haus , zieht Feuchtigkeit