Majestät . Er ist 1771 gestorben und es war was Besondres damit : in vierzehn Tagen starb er , seine Frau , die Fräulein , und vier Söhne . Die andern vier Söhne mußten dieselbe Krankheit ausstehen , die wie ein hitzig Fieber war , und obwohl die Söhne , weil sie in Diensten waren , in verschiedenen Garnisonen standen und kein Bruder zum andern kam , so bekamen sie alle viere doch dieselbe Krankheit und kamen nur so eben mit dem Leben davon . König . Das ist ein verzweifelter Umstand gewesen ! Wo sind die noch lebenden vier Söhne ? Fromme . Einer unter Zieten-Husaren , einer unter den Gensd ' armes ! Einer ist unter dem Prinz-Ferdinand ' schen Regiment gewesen , und wohnt auf dem Gute Dessow . Der vierte ist der Schwiegersohn vom Herrn General von Zieten . Er war Lieutenant beim Zieten ' schen Regiment ! Ihro Majestät haben ihm aber in diesem letzten Kriege , wegen seiner Kränklichkeit , den Abschied gegeben ; nun wohnt er in Ganzer . König . So ? Ist das schon einer von den Jürgassen ? – Macht Ihr sonst noch Proben mit ausländischem Getreide ? Fromme . O ja ! Dieses Jahr habe ich spanische Gerste gesäet . Allein sie will nicht recht einschlagen ; ich gehe wieder ab . Aber den holsteinischen Staudenroggen find ' ich gut ! König . Was ist das für Roggen ? Fromme . Er wächst im Holsteinischen in der Niederung . Unterm zehnten Korn hab ich ihn noch nie gehabt ! König . Nu , nu ! nicht gleich das zehnte Korn ! Fromme . Das ist nicht viel ! Belieben Ihro Majestät den Herrn General von Görz zu fragen , die werden Ihnen sagen , daß dies im Holsteinischen nicht viel ist . – Nun sprachen Sie in dem Wagen eine Weile von dem Roggen . Mit einemmal riefen Ihro Majestät aus dem Wagen : Na ! so bleibt bei den Holsteinischen Staudenroggen , und gebt den Unterthanen auch welchen . Fromme . Ja , Ihro Majestät ! König . Aber macht mir einmal eine Idee : wie hat das Luch ausgesehen , ehe es abgegraben war ? Fromme . Es waren lauter hohe Hüllen , dazwischen setzte sich das Wasser . Bei den trockensten Jahren konnten wir das Heu nicht herausfahren , sondern wir mußten ' s in großen Miethen setzen . Im Winter nur , wenn ' s scharf gefroren hatte , konnten wir ' s herausfahren . Nun aber haben wir die Hüllen herausgehauen , und die Gräben , die Ihro Majestät machen lassen , ziehen das Wasser ab . Nun ist das Luch so trocken , wie Ihro Majestät sehen , und wir können unser Heu herausfahren , wann wir wollen . König . Das ist gut ! Halten Eure Unterthanen auch mehr Vieh wie sonst ? Fromme . Ja ! König . Wie viel wohl mehr ? Fromme . Mancher eine Kuh , mancher zwo , nachdem es sein Vermögen verstattet . König . Aber wie viel halten sie wohl sämmtlich mehr ? ohngefähr nur ! Fromme . Bis einhundert und zwanzig Stück ! Nun mußten Ihro Majestät wohl den Herrn General von Görz gefragt haben , woher ich ihn kennte ? weil ich wegen des holsteinischen Roggens zu Ihro Majestät sagte : Sie möchten nur den General nach dem Roggen fragen ; und hat der Herr General vermuthlich , der Wahrheit gemäß , geantwortet : daß er mich im Holsteinischen kennengelernt , und daß ich daselbst Pferde gekauft hätte , auch in Potsdam mit Pferden gewesen wäre . Mit einemmal sagten Ihro Majestät : Hört ! Ich weiß , Ihr seid ein Liebhaber von Pferden . Geht aber ab davon und zieht Euch Kühe dafür ; Ihr werdet Eure Rechnung besser dabei finden . Fromme . Ihro Majestät , ich handle nicht mehr mit Pferden . Ich ziehe mir nur etliche Füllen alle Jahr . König . Zieht Euch Kälber dafür , das ist besser ! Fromme . Oh , Ihro Majestät , wenn man sich Mühe giebt , ist kein Schade bei der Pferdezucht . Ich kenne jemand , welcher vor zwei Jahren tausend Thaler für einen Hengst von seinem Zuwachs bekam . König . Der ist ein Narr gewesen , der sie gegeben hat ! Fromme . Ihro Majestät , es war ein Mecklenburgischer Edelmann . König . Er ist aber doch ein Narr gewesen . – Nun kamen wir auf das Territorium des Amts Neustadt , wo der Amtsrath Klausius , der das Amt in Pacht hat , auf der Grenze hielt , und Ihro Majestät vorbeireisen ließ . Weil mir aber das Sprechen schon sehr sauer wurde , Ihro Majestät immer nach den Dörfern fragte , so hier in Menge sind , und ich immer den Gutsbesitzer mit nennen und sagen mußte , welche von ihnen Söhne im K. Dienst hätten , so holt ' ich den Herrn Amtsrath Klausius an den Wagen heran und sagte : Ihro Majestät , das ist der Amtsrath Klausius vom Amt Neustadt , unter dessen Jurisdiktion die Kolonien stehen . König . So , so ! das ist mir lieb ! Laßt ihn herkommen ! 69 – Wie heißt Ihr ? Amtsrath . Klausius ! König . Klau-si-us . Na , habt Ihr viel Vieh hier auf den Kolonien ? Amtsrath : Achtzehnhundert sieben und achtzig Stück Kühe . Ihro Majestät ! Es würden weit über dreitausend sein , wenn nicht die Viehseuche gewesen wäre . König . Vermehren sich auch die Menschen gut ? giebt ' s brav Kinder ? Amtsrath : O ja , Ihro Majestät ; es sind itzt funfzehnhundert sechs und siebenzig Seelen auf den Kolonien ! König . Seid Ihr auch verheirathet ? Amtsrath : Ja , Ihro Majestät ! König . Habt Ihr auch Kinder ? Amtsrath : Stiefkinder , Ihro Majestät ! König : Warum nicht eigene ? Amtsrath . Das weiß ich nicht , Ihro Majestät